Demenzstation, Gent

Demenzstation in Gent: Zwei Roboterkatzen begleiten 32 Bewohner

Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 09:05 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Roboter und KI begleiten Pflegekräfte mit kognitiven Übungen und emotionaler Ansprache, ersetzen laut Fachleuten jedoch keine menschlichen Beziehungen.

Pflegeheime erproben soziale Roboter und KI zur Unterstützung
Ein heller, freundlich eingerichteter Aufenthaltsraum in einem Seniorenheim mit bequemen Sesseln und Blick in den Garten. Illustration mit AI erstellt.

In der europäischen Pflegelandschaft gewinnen technologische Assistenzsysteme zunehmend an Bedeutung. Wie aktuelle Praxisbeispiele und Berichte aus dem September 2026 zeigen, werden verstärkt soziale Roboter und KI-basierte Systeme eingesetzt, um Pflegepersonal zu entlasten und die kognitive sowie emotionale Verfassung von Heimbewohnern zu verbessern. Die Einsatzgebiete reichen dabei von interaktiver Unterhaltung bis hin zur gezielten Therapie bei Demenzerkrankungen.

Interaktive Assistenz im Pflegealltag

Ein prominentes Beispiel für die Integration solcher Technologien findet sich im bayerischen Neuburg. Seit Juni 2026 unterstützt dort der Sozial-Roboter Henry das Betreuungsteam des BRK-Seniorenzentrums.

Die Aufgaben des Roboters umfassen interaktive Gespräche, Spiele und humorvolle Interaktionen mit den Bewohnern. Ein konkretes Einsatzszenario ist das Spiel „Beruf erraten“, bei dem Henry Hinweise gibt, während die Senioren – darunter ein 79-jähriger Bewohner – die Lösungen suchen.

Ähnliche Entwicklungen sind in Frankreich zu beobachten. In Pariser Kliniken wie dem Krankenhaus Broca nehmen ältere Patienten an Versuchen mit dem Roboter NAO teil. Dieser stellt gezielte Fragen und Aufgaben zur kognitiven Anregung, wie etwa das Vervollständigen von Sprichwörtern. Ergänzend dazu werden Systeme wie Miroki für die gesprächsbasierte Kontaktaufnahme genutzt.

Emotionale Unterstützung durch Robotik und KI

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Neben der rein kognitiven Stimulation steht der therapeutische Trost im Fokus der technologischen Entwicklung. Im Bereich der Tiertherapie-Ersatzsysteme kommt häufig die Robbe Paro zum Einsatz, die mit Sensoren ausgestattet ist und emotionale Zuwendung simulieren soll.

Im belgischen Gent setzt das Wohnzorgcentrum Zuiderlicht auf einer Demenzstation mit 32 Bewohnern gezielt auf robotische Haustiere. Zum Inventar gehören zwei interaktive Roboterkatzen, die typische Verhaltensweisen wie Miauen und Schnurren zeigen, sowie ein Roboterhund und eine Puppe mit integriertem Herzschlag.

Laut dem Teamcoach der Einrichtung, Sabrina Van Ooteghem, reagieren die Bewohner stark auf diese Angebote, führen Gespräche mit den künstlichen Tieren und geben ihnen Namen. Ein Vorteil gegenüber lebenden Tieren, wie dem im Heim ebenfalls gehaltenen Kaninchen, sei die geringere Unberechenbarkeit der Roboter.

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Im Süden Frankreichs, im Département Tarn-et-Garonne, wird zudem das KI-System Livana erprobt. Hierbei handelt es sich um eine telefonbasierte Lösung, die personalisierte Gespräche auf Basis biografischer Daten der Bewohner führt. Ziel ist es, unruhige Personen durch vertraute Themen und Interessen zu beruhigen. Die Nutzung erfolgt unter der Voraussetzung, dass die Familien der Bewohner zugestimmt haben.

Experten-Einschätzungen zu Potenzialen und Grenzen

Fachleute betonen einhellig, dass die Technik nicht als Ersatz für menschliche Beziehungen, sondern als Unterstützung für das Personal gedacht ist. Die Forscherin Maribel Pino sieht Einsatzmöglichkeiten in der Sprachtherapie, Physiotherapie und der psychomotorischen Rehabilitation. Auch die Psychologin Elodie Jammes hebt hervor, dass etwa KI-Stimmen eine beruhigende Wirkung entfalten können, was den Pflegalltag stabilisiere.

Die Akzeptanz aufseiten der Patienten ist jedoch unterschiedlich. Die Psychologin Lea Vecchioni beschreibt die Reaktionen als gemischt: Während einige Senioren begeistert oder verblüfft auf die Technik reagierten, gebe es auch Ablehnung gegenüber den Maschinen.

Heimleiterin Ghislaine Verines ordnet die Systeme als wichtige nicht-medikamentöse Ansätze ein, um das Wohlbefinden der Bewohner zu steigern und gleichzeitig die personellen Ressourcen in der Pflege zu stützen. Einrichtungen, die bereits gute Erfahrungen mit der Anschaffung solcher Systeme gemacht haben, empfehlen anderen Pflegeheimen explizit die Investition in diese Technologien.

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