Demenzrisiko: Mehr Grün direkt vor der Haustür senkt es um 20 Prozent
Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 20:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Gestaltung des unmittelbaren städtischen Wohnumfelds spielt eine beachtliche Rolle für die kognitive Gesundheit im Alter. Eine wissenschaftliche Untersuchung der Stockholm University und des Karolinska Institutet, publiziert im Fachjournal Alzheimer's & Dementia, liefert detaillierte Einblicke in diesen Zusammenhang.
Die Langzeitdaten verdeutlichen, dass ein höherer Anteil an Vegetation in direkter Nähe zur eigenen Wohnung mit einer messbaren Verringerung des Demenzrisikos einhergeht.
Entscheidender Radius von einhundert Metern
Für die Untersuchung griffen die Forschenden auf Daten des schwedischen Projekts SNAC-K zurück. Die Stichprobe umfasste 2.993 Personen aus dem Stockholmer Stadtteil Kungsholmen, die bei Studienbeitritt zwischen 2001 und 2004 mindestens 60 Jahre alt waren.
Über einen Nachbeobachtungszeitraum von bis zu 16 Jahren traten insgesamt 477 Demenzfälle auf, was einem Anteil von 16 Prozent der Teilnehmenden entsprach. Die durchschnittliche Follow-up-Zeit belief sich auf 9,7 Jahre.
Die Forschenden erfassten den Vegetationsgrad jährlich mithilfe von Satellitendaten und geografischen Informationssystemen über den normalisierten differenzierten Vegetationsindex (NDVI). Die Messungen erfolgten in Radien von 100, 250 und 500 Metern um die jeweiligen Wohnadressen.
Dabei zeigte sich ein deutlicher räumlicher Effekt: Mehr Grün im engsten Umkreis von 100 Metern war mit einem um 20 Prozent geringeren Demenzrisiko über den 16-jährigen Beobachtungszeitraum verbunden.
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Bei einem konkreten NDVI-Anstieg um 0,18 lag das Risiko im 100-Meter-Radius um etwa 21 Prozent niedriger. In den größeren Distanzen von 250 und 500 Metern schwächte sich dieser Effekt jedoch ab und wies keinen statistisch signifikanten Zusammenhang mehr auf.
Um Verzerrungen auszuschließen, berücksichtigte die statistische Auswertung zahlreiche Störfaktoren. Kontrolliert wurde unter anderem für das Alter, das Bildungsniveau, den allgemeinen sozioökonomischen Status, den Lebensstil inklusive Rauchgewohnheiten, das Einkommensniveau der Nachbarschaft sowie Umweltfaktoren wie Luftverschmutzung, Verkehrslärm und die Nähe zu Gewässern.
Deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern
Bei der differenzierten Betrachtung nach Geschlecht traten ausgeprägte Divergenzen zutage. Bei Frauen zeigte sich ein Risikoverhältnis von 0,69, was bei gleichem Grünzuwachs einem um etwa 31 Prozent geringeren Demenzrisiko entsprach. Bei den männlichen Teilnehmern lag das Risikoverhältnis hingegen bei 0,93 beziehungsweise einer geschätzten Reduktion von 7 Prozent, was sich als statistisch nicht signifikant erwies.
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Die Autorinnen und Autoren weisen in ihrer unter der Kennung DOI 10.1002/alz.71835 geführten Publikation darauf hin, dass die Resultate auf eine relativ einkommensstarke Gruppe städtischer Bewohner in Stockholm begrenzt sind. Um die zugrundeliegenden Mechanismen und die Übertragbarkeit auf andere Bevölkerungsgruppen zu klären, sei weitere Forschung notwendig.
Relevanz für den demografischen Wandel
Die Erkenntnisse gewinnen vor dem Hintergrund der allgemeinen Bevölkerungsentwicklung an Bedeutung. Nach Schätzungen, über die Euronews berichtete, leben im Jahr 2025 etwa neun Millionen Menschen in der Europäischen Union mit Demenz.
Bis zum Jahr 2050 wird ein Anstieg auf über 14 Millionen Betroffene erwartet. Maßnahmen der Stadtplanung, die Grünstrukturen direkt vor der Haustür fördern, könnten demnach einen präventiven Beitrag zur Entlastung öffentlicher Gesundheitssysteme leisten.
