Demenzrisiko: Hämoglobin-Bluttests könnten bis zu 15 Jahre vorausweisen
Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 04:34 Uhr | Redaktion boerse-global.deRoutinemäßige Blutuntersuchungen könnten künftig eine wichtigere Rolle bei der frühzeitigen Einschätzung neurologischer Risiken spielen. Eine groß angelegte Langzeitstudie mit 316.542 koreanischen Erwachsenen ab 40 Jahren weist darauf hin, dass herkömmliche Bluttests auf den Hämoglobin-Spiegel ein Demenzrisiko bis zu 15 Jahre im Voraus anzeigen könnten.
Die zugrunde liegenden Screenings erfolgten in den Jahren 2004 und 2005, die Nachverfolgung der Teilnehmer reichte bis ins Jahr 2019. Die Forschungsarbeit wurde im Fachblatt Journal of Alzheimer's Disease publiziert und auf dem 39. ECNP Congress in München vorgestellt.
U-förmiger Zusammenhang bei den Messwerten
Die Auswertung der Daten offenbart eine auffällige Verteilung zwischen den Hämoglobin-Werten und dem späteren Auftreten kognitiver Erkrankungen. Verglichen mit der Referenzgruppe, die die niedrigste Demenzrate aufwies, verzeichnete die Gruppe mit den niedrigsten Hämoglobin-Werten – die untersten 20 Prozent der Probanden – ein um 16 Prozent höheres Demenzrisiko über alle Ursachen hinweg.
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Doch auch am oberen Ende der Skala stieg das Risiko an: Bei den obersten 20 Prozent der Hämoglobin-Werte lag die Wahrscheinlichkeit um 7 Prozent höher, was auf einen U-förmigen Zusammenhang hinweist.
Bei der Betrachtung spezifischer Demenzformen zeigten sich differenzierte Ergebnisse. Hinsichtlich der Alzheimer-Demenz wies die Gruppe mit den niedrigsten Hämoglobin-Werten einen Risikoanstieg von 14 Prozent auf. Bei vaskulärer Demenz war das Risiko sowohl bei den niedrigsten Werten mit einem Plus von 19 Prozent als auch bei den höchsten Werten mit einem Plus von 18 Prozent erhöht.
Über alle fünf eingeteilten Gruppen hinweg ließ sich bei vaskulärer Demenz allerdings kein konsistenter Trend feststellen. Auffällig war zudem eine geschlechtsspezifische Divergenz: Die beobachteten Zusammenhänge zeigten sich bei Frauen klarer und konsistenter als bei Männern.
Marker für körperliche Vulnerabilität ohne Kausalnachweis
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Trotz der statistischen Auffälligkeiten mahnen die Studienautoren zur Zurückhaltung bei der Interpretation. Studienleiter Dr. Hyun Soo Kim von der Dong-A University im südkoreanischen Busan hob hervor, dass die Ergebnisse keinen Kausalnachweis darstellten.
Der Hämoglobin-Spiegel fungiere vielmehr als Marker für eine allgemeine körperliche Vulnerabilität. Aus den Beobachtungen lasse sich keineswegs eine Empfehlung für die Einnahme von Eisensupplementen oder für eine gezielte Beeinflussung der Hämoglobin-Werte ableiten.
Zudem unterliegt die Untersuchung methodischen Einschränkungen. Da sich die Stichprobe ausschließlich auf südkoreanische Erwachsene erstreckt, bleibt die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf andere weltweite Populationen vorerst offen. Dennoch unterstreichen die Daten, wie wertvoll bereits etablierte Laborparameter für die Erforschung langfristiger neurologischer Risikoprofile sein können.
