Demenzrisiko, Grünflächen

Demenzrisiko: Grünflächen in 100 Metern Nähe sind mit 20 Prozent weniger Risiko verbunden

Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 11:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Langzeitstudie verbindet mehr Vegetation nahe der Wohnung mit einem niedrigeren Demenzrisiko, besonders bei Frauen.
Eine von Bäumen gesäumte Wohnstraße, die die Bedeutung von Grünflächen im städtischen Umfeld für die Gesundheit hervorhebt. Illustration mit AI erstellt.

Die Beschaffenheit der städtischen Umgebung rückt in der Präventionsmedizin zunehmend in den Fokus. Neue wissenschaftliche Auswertungen liefern Einblicke in den Zusammenhang zwischen Natur im direkten Wohnumfeld und der kognitiven Gesundheit älterer Menschen.

Eine Forschungsgruppe der Universität Stockholm und des Karolinska Institutet unter der Leitung von Cecilia Stenfors analysierte im Fachjournal „Alzheimer's & Dementia“, in welchem Maße der Zugang zu Vegetation das Auftreten neurodegenerativer Erkrankungen beeinflussen kann.

Langzeitbeobachtung zeigt Risikominderung im Nahbereich

Grundlage der Untersuchung bilden Daten der schwedischen Bevölkerungsstudie SNAC-K. Die Forscher begleiteten 2.993 Einwohner Stockholms ab einem Alter von 60 Jahren über einen Zeitraum von bis zu 16 Jahren hinweg.

Im Verlauf der Beobachtung wurde bei 477 der teilnehmenden Personen eine Demenzerkrankung diagnostiziert. Zur Bestimmung des Grünvolumens wertete das Team jährliche Satellitenbilder aus, welche die Vegetationsdichte in drei verschiedenen Radien – 100, 250 und 500 Meter um den jeweiligen Wohnort – erfassten.

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Die Auswertung ergab, dass ein höherer Anteil an Grünflächen im unmittelbaren Umfeld mit einem um rund 20 Prozent geringeren Demenzrisiko verbunden war. Dieser Zusammenhang trat bei Flächen innerhalb von 100 Metern vom Wohnort am stärksten hervor und nahm mit größerer Distanz kontinuierlich ab. Zudem stellten die Wissenschaftler fest, dass der beobachtete Effekt bei Frauen deutlicher ausgeprägt war als bei Männern.

Methodische Bereinigung und vermutete Mechanismen

Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, belegen die Ergebnisse eine statistische Assoziation und keine gesicherte Kausalität. Um die Resultate abzusichern, adjustierte das Forschungsteam die Analyse für eine Reihe potenzieller Störfaktoren. Neben Alter, Bildungsstand, Einkommen und individuellem Lebensstil flossen auch Umweltfaktoren wie Luftverschmutzung, Verkehrslärm sowie die räumliche Nähe zu Gewässern in die Modellierung ein.

Als Ursachen für den positiven Effekt nennen Cecilia Stenfors und das Karolinska Institutet mehrere sich ergänzende Wirkpfade. Demnach tragen Grünflächen einerseits durch Stressreduktion, besseren Schlaf sowie Gelegenheiten für Bewegung und soziale Kontakte zur Gesundheit bei. Andererseits fungiert städtische Bepflanzung als Puffer gegen Umweltbelastungen, indem sie Hitze abschwächt und Lärm sowie Schadstoffe in der Luft verringert.

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Relevanz für Stadtplanung und globale Gesundheitsvorsorge

Die Resultate besitzen Bedeutung für die städtebauliche Entwicklung und die Gesundheitsvorsorge. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO leben weltweit rund 57 Millionen Menschen mit Demenz.

Vor diesem Hintergrund raten die Studienautoren der Universität Stockholm und des Karolinska Institutet dazu, bestehende Grünstrukturen im Siedlungsraum konsequent zu schützen und neue, gut erreichbare Grünorte anzulegen, um die kognitive Gesundheit im Alter präventiv zu unterstützen.

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