Demenzrisiko, Früher

Demenzrisiko: Früher Statinbeginn bei Diabetes mit 15 Prozent niedrigerem Risiko

Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 14:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Forschung beleuchtet mögliche Zusammenhänge mit Demenzrisiken; neue Behandlungsangebote und regionale Projekte ergänzen die Versorgung.

Demenz: Studien zu Bewegung, Ernährung und Statinen im Überblick
Ein ruhiger, sonnendurchfluteter Raum mit einem leeren Stuhl und einer Blumenvase, der eine Atmosphäre der Achtsamkeit vermittelt. Illustration mit AI erstellt.

In Deutschland leben nach Angaben der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft fast 1,8 Millionen Menschen mit Demenz. Ohne wirksame Therapie könnte diese Zahl bis 2050 auf 2,3 bis 2,6 Millionen steigen. Rund um den Welt-Alzheimertag, der seit 1994 jährlich am 21. September stattfindet, häufen sich derzeit Berichte über Präventionsstrategien, neue Studienergebnisse und persönliche Auseinandersetzungen prominenter Betroffener mit der Krankheit.

Prominente Stimmen: Sullenberger und Morales

Der frühere Pilot Chesley „Sully" Sullenberger, der 2009 durch die Notlandung auf dem Hudson River bekannt wurde – bei der alle 155 Menschen an Bord überlebten und für die Entscheidung nur 208 Sekunden blieben –, hatte im Juli 2026 öffentlich gemacht, dass er an Alzheimer im frühen Stadium erkrankt ist.

Im Gespräch mit ABC News' Robin Roberts berichtete der 75-Jährige, erste Symptome seien Vergesslichkeit, Schwierigkeiten mit Namen und das Wiederholen von Geschichten gewesen. Er erhält monatliche Infusionen, die das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen sollen – eine Heilung gibt es nicht. Sullenberger sollte zudem in die National Aviation Hall of Fame aufgenommen werden.

Auch die Moderatorin Natalie Morales machte ihre familiäre Betroffenheit öffentlich: Bei ihrer Schwiegermutter Kay Rhodes wurde im Alter von 53 Jahren Alzheimer diagnostiziert, wobei Gedächtnis- und Denkprobleme der eindeutigen Diagnose um zwei Jahre vorausgingen.

Die 54-jährige Morales sagte, dies habe ihren Blick auf Gesundheit verändert. Sie priorisiert seither regelmäßige Arzttermine, Bewegung und soziale Kontakte. Im Rahmen einer Zusammenarbeit mit dem Pharmaunternehmen Eli Lilly und dessen Präparat Kisunla wirbt sie für frühe Abklärung und offene Gespräche in der Familie.

Was Studien zu Risikofaktoren sagen

Eine dänische Registerstudie, die 132.585 Menschen mit Typ-2-Diabetes untersuchte, deren Diagnosen zwischen 2006 und 2019 gestellt wurden, mit Nachbeobachtung bis Ende 2021, fand: Ein Statinbeginn innerhalb des ersten Jahres nach der Diabetesdiagnose war mit einem 15 Prozent niedrigeren relativen Demenzrisiko über zehn Jahre verbunden, ein Beginn ein bis fünf Jahre nach Diagnose mit einem 10 Prozent niedrigeren Risiko – jeweils im Vergleich zu Menschen ohne Statine in den ersten fünf Jahren. Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, beweist sie jedoch keine Ursache-Wirkungs-Beziehung; weitere Studien seien nötig.

Die Harvard Aging Brain Study begleitete 294 kognitiv unauffällige Erwachsene im Alter von 50 bis 90 Jahren über 14 Jahre. Bei Personen mit erhöhtem Risiko waren 3.000 bis 5.000 Schritte täglich mit einem um rund drei Jahre langsameren kognitiven Verfall verbunden, 5.000 bis 7.500 Schritte mit bis zu sieben Jahren. Eine Prävention ist damit nicht bewiesen, eine umgekehrte Kausalität nicht ausgeschlossen.

Anzeige

Wer im Alltag vergesslicher wird, möchte oft schnell wissen, ob dies harmlose Alterserscheinungen oder erste Warnsignale sind. Dieser kostenlose Selbsttest liefert Ihnen in nur 2 Minuten eine erste, diskrete Einschätzung zu möglichen Demenz-Anzeichen. Jetzt kostenlosen 7-Fragen-Selbsttest starten

Eine Studie des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) mit rund 7.500 Erwachsenen, veröffentlicht 2026 in Nature Communications, untersuchte zehn gesunde Ernährungsstile – darunter pflanzliche, DASH-, mediterrane, nordische und MIND-Diät.

Alle waren mit langsamerem biologischem Altern verbunden, mehr als 70 Prozent der beeinflussten Signalwege waren bei allen Diäten gemeinsam. Eine einzelne „beste" Diät gebe es demnach nicht.

Eine Untersuchung zur AAIC 2024 mit rund 8.500 Menschen über 60 Jahren (Durchschnittsalter 67,8) fand, dass vier oder mehr Tassen Kaffee täglich mit einem schnelleren Abbau der fluiden Intelligenz einhergingen, während ein bis drei Tassen als unbedenklich oder möglicherweise leicht schützend gelten.

Vier oder mehr Tassen Tee täglich waren dagegen mit besseren Testergebnissen zur fluiden Intelligenz verbunden. Die Daten beruhen auf Selbstauskünften, der Frauenanteil lag bei 60 Prozent.

Anzeige

Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass gezielte Übungen und die richtige Ernährung entscheidend dazu beitragen können, die geistige Fitness bis ins hohe Alter zu bewahren. Dieser kostenlose Ratgeber fasst die wichtigsten Tipps zur Demenzvorbeugung zusammen und bietet praktische Übungen für den Alltag. Kostenlosen Ratgeber für geistige Fitness hier herunterladen

Häufig zitiert wird zudem die Einschätzung der Lancet-Kommission, wonach durch die Minimierung von 14 Risikofaktoren weltweit theoretisch etwa die Hälfte der Demenzfälle vermieden werden könnte. Diese Zahl bezieht sich jedoch auf den Fall, dass alle 14 Faktoren gleichzeitig, vollständig und dauerhaft beseitigt würden – sie beschreibt nicht das individuelle Risiko einzelner Personen oder die Wirkung einzelner Maßnahmen wie Krafttraining allein.

Behandlungsansätze und Versorgungsstrukturen

An der Uniklinik Magdeburg, dem nach der Berliner Charité zweiten deutschen Behandlungszentrum, werden Alzheimer-Patienten seit September 2025 mit dem Wirkstoff Lecanemab (Leqembi) behandelt, der laut MDR seit September 2025 in Deutschland verfügbar und für die frühe Alzheimer-Krankheit unter bestimmten Voraussetzungen zugelassen ist.

Das Mittel kann den Krankheitsverlauf bremsen, die Erkrankung aber weder heilen noch stoppen. Ein Patient, der 57-jährige Ingo Fischer, erhält seit September 2025 alle zwei Wochen eine einstündige Infusion; insgesamt sind bis März 2027 rund 40 Behandlungen vorgesehen.

Regional zeigen sich laut Angaben aus dem Bericht deutliche Unterschiede: Die Demenzrate ab 65 Jahren liegt in Sachsen und Sachsen-Anhalt bei je 2,6 Prozent, in Thüringen bei 2,5 Prozent.

Parallel entwickeln das iso-Institut Saarbrücken und EUROKEY im Projekt „Skills4Dem" Lernmodule und eine App für Pflegefachpersonen. Laut iso-Institut werden täglich fast 50.000 Menschen mit Demenz in deutschen Krankenhäusern behandelt.

Ein erster Prototyp mit einem ohne- bis fünfzehnminütigen Einstiegsmodul – insgesamt sind acht Module geplant – wurde in Saarlouis und am Folgetag in Frankfurt vorgestellt. Das Projekt soll bis Dezember 2027 laufen; danach sollen App und Module Akutkrankenhäusern im Saarland kostenfrei zur Verfügung stehen. Die Förderung erfolgt durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.

Auch beim Deutschen Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) ist ein Thema mit Demenzbezug in Arbeit: Der Entwurf des Expertenstandards „Delirmanagement in der Pflege", erarbeitet von einer 16-köpfigen Arbeitsgruppe über zwölf Monate, soll am 26. Februar 2027 in Osnabrück öffentlich diskutiert werden. Er bündelt Empfehlungen zu Prävention, Früherkennung und Pflege bei Delir für alle Versorgungsbereiche. Nach der Konsentierung ist eine modellhafte Umsetzung in rund 25 Gesundheitseinrichtungen geplant, mit einer Ausschreibung im April 2027.

Regionale Angebote und Aufklärung

In Mecklenburg-Vorpommern, wo nach Landesangaben mehr als 40.000 Menschen mit Demenz leben und die Zahl demografisch bedingt weiter steigen soll, rief Sozialministerin Stefanie Drese zum Welt-Alzheimertag dazu auf, Betroffene und Angehörige stärker einzubeziehen.

Im August war dort der erste Demenzplan des Landes mit zehn Handlungsfeldern vorgestellt worden. Die Woche der Demenz lief vom 21. bis 27. September 2026 unter dem Jahresmotto „Demenz – (k)eine Frage des Alters".

Der FC Bayern beteiligt sich an der siebten Demenzwoche des Bayerischen Gesundheitsministeriums, die bis zum 27. September 2026 läuft. Der bereits vor drei Jahren gestartete Erinnerungskoffer „Forever Number One" enthält Audio-Dateien, Trikots, Fotos und Zeitungsberichte zur Vereinsgeschichte und soll bei Menschen mit Demenz Erinnerungen wecken.

Neu hinzugekommen ist ein Retro-Trikot zum 50. Jubiläum der ersten deutschen Meisterschaft der Bayern-Frauen 1976. Vereinspräsident Herbert Hainer verwies darauf, dass geschulte Mitglieder des Ehrenamtsprogramms „PACK MA'S" das Projekt unterstützen.

In Würzburg können Menschen ab 65 Jahren aus Stadt und Landkreis am 8. Oktober im Rahmen von digiDEM Bayern kostenfrei einen Gedächtnis-Screeningtest machen. Kurztest und Beratung dauern 15 bis 20 Minuten; der Test ersetzt keine ärztliche Diagnose. Eine Anmeldung ist erforderlich.

Auch das Pfalzklinikum bietet ab dem 12. Oktober 2026 gemeinsam mit Partnern eine kostenlose, siebenteilige Schulungsreihe für pflegende Angehörige an, die Themen von Vorsorge und Betreuungsrecht bis zu Pflegealltag und Entlastungsangeboten abdeckt.

In und um Fulda hatten DRK-Seniorenzentren zum Welt-Alzheimertag bereits Aktivitäten für Menschen mit Demenz organisiert, darunter eine Bewegungsrallye, eine Malwerkstatt, ein Konzert, ein Rätseltag und ein VR-Angebot – begleitet von weiteren Informationsveranstaltungen im Laufe der Woche.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70177567 |