Demenzrisiko: Erkrankung des Partners erhöht Gefahr um 74 Prozent
Veröffentlicht am: 29.07.2026 um 13:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Wissenschaftliche Untersuchungen verdeutlichen zunehmend, dass das Risiko für eine Demenzerkrankung maßgeblich von externen Lebensumständen und sozialen Gefügen abhängt. Aktuelle Forschungsergebnisse aus Taiwan und Großbritannien beleuchten in diesem Zusammenhang zwei zentrale Faktoren: die gesundheitliche Situation innerhalb einer Partnerschaft sowie die langfristigen Auswirkungen ökonomischer Belastungen auf die Gehirngesundheit.
Erhöhtes Risiko durch Demenzerkrankungen des Ehepartners
Das National Health Research Institute in Taiwan veröffentlichte am 27. Juli 2026 eine umfassende Auswertung einer Langzeitstudie, die den Zeitraum von 1998 bis 2022 umfasst. Mit einer Stichprobengröße von 955.105 Teilnehmern belegt die Untersuchung einen signifikanten Zusammenhang zwischen der Erkrankung eines Ehepartners und dem Demenzrisiko des anderen. Den Daten zufolge erhöht eine Demenzdiagnose beim Partner das eigene Risiko bei Frauen um +74 % und bei Männern um +69 %.
Besonders deutlich zeigten sich diese Tendenzen bei der Alzheimer-Erkrankung, bei der das Risiko für beide Geschlechter gleichermaßen um +74 % anstieg. Im Fall der vaskulären Demenz beobachteten die Forscher eine Risikoerhöhung von +77 % bei Frauen und +72 % bei Männern. Über einen Zeitraum von fünf Jahren wurden statistisch zusätzliche 2,75 Demenzfälle pro 100 Frauen und 3,49 Fälle pro 100 Männer verzeichnet.
Als wesentliche Ursachen für diese Entwicklung identifizierten die Wissenschaftler einen gemeinsam geteilten Lebensstil sowie den massiven Stress, der mit der Pflege eines erkrankten Partners einhergeht. Ein Hinweis auf eine infektiöse Übertragung der Krankheit wurde nicht gefunden. Stattdessen verwiesen die Autoren auf die psychische Belastung: Laut der Studie litten zwischen 30 % und 40 % der pflegenden Partner unter Depressionen.
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Langfristige finanzielle Belastungen als kognitiver Risikofaktor
Parallel zu den Erkenntnissen aus Taiwan untersuchte das University College London (UCL) den Einfluss wirtschaftlicher Verhältnisse auf die Gehirnalterung. Die am 28. Juli 2026 in der Fachzeitschrift „Innovation in Aging“ publizierte Studie begleitete eine britische Geburtskohorte aus dem Jahr 1946 mit insgesamt 2.759 Teilnehmern.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass anhaltende finanzielle Belastungen oder ein dauerhaft niedriges Einkommen im Lebensabschnitt zwischen dem 26. und 53. Lebensjahr zu messbaren Defiziten führen. Betroffene schnitten bei kognitiven Tests im Alter von 53 Jahren schlechter ab als Vergleichsgruppen ohne finanzielle Sorgen. MRT-Untersuchungen bei Teilnehmern im Alter zwischen 69 und 71 Jahren zeigten zudem eine stärkere Hirnatrophie sowie vergrößerte Ventrikel.
Die stärksten Effekte beobachteten die Forscher bei Männern, Personen mit einer bereits in der Kindheit vorliegenden Benachteiligung sowie bei Trägern des APOE-?4-Gens. Innerhalb der untersuchten Gruppe lebten 16 % der Teilnehmer dauerhaft mit einem niedrigen Einkommen, während 12 % von anhaltenden finanziellen Schwierigkeiten berichteten. Als zugrunde liegende Mechanismen vermuten die Experten chronischen Stress und damit verbundene Entzündungsprozesse, die das Gehirn langfristig schädigen könnten.
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Zusammenfassung der Forschungslage
Die vorliegenden Daten unterstreichen die Bedeutung psychosozialer und sozioökonomischer Faktoren für die Prävention von Demenzerkrankungen. Während die taiwanesische Studie die Korrelation innerhalb von Paaren und die Belastung durch die häusliche Pflege hervorhebt, verdeutlicht die britische Untersuchung die lebenslangen Folgen von wirtschaftlichem Stress. Beide Forschungsansätze legen nahe, dass eine umfassende Strategie zur Gehirngesundheit sowohl die soziale Unterstützung für pflegende Angehörige als auch die Berücksichtigung ökonomischer Rahmenbedingungen einbeziehen sollte.
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