Demenzrisiko: Bluttest auf p-tau217 identifiziert gefährdete Frauen
Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 09:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Bluttest auf das Protein p-tau217 könnte langfristig Hinweise auf das individuelle Risiko für kognitive Beeinträchtigungen bei älteren Frauen liefern.
Zu diesem Schluss kommt eine im März 2026 in JAMA Network Open veröffentlichte Studie, die einen signifikanten Zusammenhang zwischen erhöhten p-tau217-Werten im Blut und einem langfristig gesteigerten Risiko für Demenz und leichte kognitive Beeinträchtigungen (Mild Cognitive Impairment, MCI) aufzeigt.
Datengrundlage aus einer Langzeitstudie
Grundlage der Analyse ist die WHIMS-Kohorte, in der 2766 Frauen im Alter von 65 bis 79 Jahren untersucht wurden. Die Teilnehmerinnen wurden zwischen 1996 und 1999 rekrutiert und über einen Zeitraum von 25 Jahren bis 2021 nachverfolgt. In diesem Beobachtungszeitraum traten insgesamt 1311 Fälle von MCI oder Demenz auf, davon 849 Fälle von MCI und 752 Fälle von Demenz.
Deutlich erhöhtes Risiko bei steigenden Werten
Die Auswertung zeigt: Ein Anstieg des p-tau217-Werts um eine Standardabweichung war mit einer Hazard Ratio von 2,43 für das kombinierte Risiko von MCI oder Demenz verbunden. Getrennt betrachtet lag die Hazard Ratio für MCI bei 1,94 und für Demenz bei 3,17 – der Zusammenhang mit einer manifesten Demenzerkrankung fiel damit besonders ausgeprägt aus.
Ein weiterer Befund betrifft den Einfluss einer Hormontherapie. Bei Frauen, die eine kombinierte Östrogen-Progesteron-Therapie erhielten, lag die Hazard Ratio im Vergleich zu Placebo bei 4,18, während sie in der Placebogruppe bei 3,07 lag. Bei einer alleinigen Östrogen-Gabe ohne Progesteron zeigte sich dieser verstärkende Effekt der Studie zufolge nicht.
Wer sich mit der Bedeutung von Laborwerten für die eigene Gesundheit befasst, sollte auch die Rolle von Vitalstoffen im Blick behalten. Dieser kostenlose Report erklärt verständlich, welche Werte wirklich wichtig sind – und welche oft überbewertet werden. Laborwerte-Selbstcheck: Kostenlosen Report anfordern
Risiko variiert je nach Alter, Genetik und Herkunft
Die Daten deuten darauf hin, dass der Zusammenhang zwischen p-tau217 und kognitiver Beeinträchtigung nicht bei allen Frauen gleich stark ausgeprägt ist. Besonders deutlich zeigte sich das erhöhte Risiko bei Frauen über 70 Jahren, bei Trägerinnen der genetischen Variante APOE e4 sowie bei weißen Frauen. Bei schwarzen Frauen ließ sich der Effekt in der untersuchten Kohorte hingegen nicht in vergleichbarer Weise nachweisen.
Kein Ersatz für umfassende Diagnostik
Trotz der klaren statistischen Zusammenhänge betonen die Studienautoren, dass kein einzelner Test zur zuverlässigen Vorhersage einer künftigen Demenzerkrankung geeignet ist. Der p-tau217-Wert liefert demnach einen Risikoindikator unter mehreren Faktoren, ersetzt aber keine umfassendere klinische Beurteilung.
Neben klinischen Biomarkern im Blut nutzen Experten spezifische Fragestellungen, um erste Warnsignale einer kognitiven Veränderung frühzeitig zu erkennen. Mit diesem anonymen 7-Fragen-Selbsttest erhalten Sie in nur zwei Minuten eine erste, verständliche Einschätzung. Zum kostenlosen Demenz-Selbsttest
Für die Praxis bedeutet das: Erhöhte Werte können ein Warnsignal sein, das im Zusammenspiel mit Alter, genetischer Veranlagung, Hormonstatus und weiteren individuellen Faktoren betrachtet werden muss, um belastbare Aussagen über das persönliche Risiko treffen zu können.
Die Ergebnisse aus der WHIMS-Kohorte liefern damit einen weiteren Baustein für das Verständnis, wie Bluttests künftig zur Früherkennung kognitiver Erkrankungen bei älteren Frauen beitragen könnten – ohne bereits als eigenständiges Diagnoseinstrument zu gelten.
