Demenzrisiko: Bereits mit 20 Jahren werden die Weichen gestellt
09.06.2026 - 13:41:27 | boerse-global.de
Bereits mit 20 können die Weichen für eine spätere Demenz gestellt werden.
Risikofaktoren verändern sich mit dem Alter
Eine aktuelle Untersuchung der Universität Leipzig liefert alarmierende Erkenntnisse. Die Forscher analysierten Daten von knapp 150.000 Teilnehmern der Nationalen Kohorte (NAKO) – im Alter zwischen 20 und 75 Jahren.
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Das Ergebnis: Der sogenannte LIBRA-Demenzrisiko-Index hängt bereits bei jungen Erwachsenen mit der geistigen Leistungsfähigkeit zusammen. „Die Risikoreduktion sollte im jungen Erwachsenenalter ansetzen“, betont Prof. Steffi G. Riedel-Heller.
Dabei unterscheiden sich die Risikofaktoren je nach Lebensphase deutlich. Bei 20- bis 39-Jährigen sind es vor allem Rauchen, Bewegungsmangel und depressive Symptome, die die kognitive Leistung beeinträchtigen. Mit zunehmendem Alter rücken dann physische Faktoren wie Bluthochdruck, Herzkrankheiten und erhöhte Cholesterinwerte in den Vordergrund.
Die Analyse im Fachjournal „Alzheimer’s & Dementia“ zeigt zudem soziale Disparitäten: Ein niedrigerer sozioökonomischer Status geht mit ungünstigeren Risikowerten einher. Männer wiesen insgesamt höhere Score-Werte auf als Frauen.
Bluttests erkennen Alzheimer frühzeitig
Die Früherkennung macht technologische Fortschritte. Eine Ende Mai veröffentlichte Studie der University of California, San Francisco (UCSF), in „The Lancet“ zeigt das Potenzial von Bluttests. Sie können Alzheimer-Biomarker wie Amyloid und Tau identifizieren.
Bei rund sechs Prozent der über 1.300 untersuchten Personen im Alter von 53 bis 69 Jahren ließen sich diese Marker nachweisen. Das Risiko für einen raschen kognitiven Verfall innerhalb der folgenden fünf Jahre war bis zu vierfach erhöht.
Forscher der University of East Anglia gehen einen anderen Weg: Sie analysieren Stoffwechselprodukte von Darmbakterien. Ein KI-gestütztes Modell erreichte dabei eine Genauigkeit von rund 79 Prozent bei der Identifizierung von Personen mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen.
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Parallel dazu veröffentlichte ein Team der Harvard Medical School eine universelle biologische Uhr. Sie bestimmt anhand der Genaktivität das biologische Alter und das Sterberisiko. Die Methode nutzt Gene wie CDKN1A und LGALS3 als Hauptindikatoren für Alterungsprozesse.
Neue Medikamente zeigen vielversprechende Ergebnisse
Im Bereich der Pharmakotherapie zeichnen sich neue Entwicklungen ab. Auf einem Fachkongress im Juni wurden Daten der FLOW-Studie präsentiert: Der Wirkstoff Semaglutid kann das Demenzrisiko bei Typ-2-Diabetikern um bis zu 53 Prozent senken.
An der ETH Zürich entwickelten Forscher einen Wirkstoff namens „Compound 10“. Er adressiert ein spezifisches Enzym (GRK2), das bei Demenzerkrankungen Verklumpungen bildet und Mitochondrien schädigt. In Versuchen mit Mäusen konnte das Nervenzellsterben verlangsamt werden. Die Forscher haben den Wirkstoff zum Patent angemeldet.
Das US-Unternehmen Retro Biosciences testet derzeit die Substanz RTR242 in einer Phase-1-Studie in Australien. Sie soll das zelluläre Recycling (Autophagie) ankurbeln und so Alzheimer vorbeugen. Erste Ergebnisse werden für August erwartet.
Lebensstil schützt besser als jede Pille
Neben medikamentösen Ansätzen bestätigen Studien die Wirksamkeit präventiver Lebensstiländerungen. Untersuchungen der Universität California und des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig belegen den Einfluss von Stressreduktion auf den Cortisolspiegel.
Die Zahlen sprechen für sich: Sechsmonatige Meditationsübungen senkten den Cortisolwert im Haar um bis zu 25 Prozent. Auch moderate Ausdauersportarten und eine täliche Supplementierung von 2,5 Gramm Omega-3-Fettsäuren über vier Monate zeigten signifikante Effekte.
Experten der Deutschen Schlaganfallbegleitung weisen zudem auf die Bedeutung des Lipoprotein(a)-Wertes hin. Eine im März veröffentlichte Studie zeigt, dass dieser Wert im Laufe des Lebens ansteigen kann. Eine frühzeitige Bestimmung wird zur Einschätzung des kardiovaskulären und zerebralen Risikos empfohlen.
Fachleute unterstreichen: Die Kombination aus wissenschaftsbasierter Medizin und Lebensstilanpassungen wie Schlafhygiene, Fasten und gezielter Bewegung ist derzeit die effektivste Strategie zum Erhalt der Gehirngesundheit.
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