Demenzrisiko: Aktuelle Bewegung zählt mehr als Sport in früheren Lebensphasen
Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 15:22 Uhr | Redaktion boerse-global.deRegelmäßige körperliche Aktivität gilt seit Langem als Schutzfaktor für das Gehirn. Eine im Fachjournal The Lancet Public Health im Jahr 2026 veröffentlichte Untersuchung liefert nun detaillierte Einblicke in diesen Zusammenhang.
Die prospektive Kohortenstudie, die Daten von rund 107.000 US-Erwachsenen über einen Nachbeobachtungszeitraum von bis zu 37 Jahren und mehr als 10.000 Demenzfälle auswertete, kommt zu einem bemerkenswerten Ergebnis: Für das Demenzrisiko ist die gegenwärtige Bewegungsintensität von größerer Bedeutung als sportliche Aktivitäten in früheren Lebensphasen.
Datenbasis aus zwei großen US-Langzeitstudien
Die Auswertung stützt sich auf gepoolte Kohorten der Nurses' Health Study und der Health Professionals Follow-Up Study mit über 100.000 US-Erwachsenen. Während der Nachbeobachtungszeit von bis zu 37 Jahren wurden insgesamt 10.695 Demenzfälle erfasst.
Um dem Phänomen der umgekehrten Kausalität entgegenzuwirken – also der Möglichkeit, dass beginnende kognitive Einschränkungen bereits zu Bewegungsmangel führen –, arbeiteten die Forschenden mit einem 4-Jahres-Lag.
Der Vergleich der Aktivitätsniveaus verdeutlicht den präventiven Nutzen: Die aktivsten 25 Prozent beziehungsweise die aktivste Gruppe wiesen ein um etwa 28 Prozent geringeres Demenzrisiko auf als die inaktivste Gruppe (HR 0,72). Zudem zeigte sich bei aktiven Erwachsenen ein um rund 23 Prozent geringerer subjektiver kognitiver Abbau (RR 0,77). Ein Plateau des präventiven Nutzens stellte sich den Daten zufolge bei etwa 20 MET-Stunden pro Woche ein.
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Differenzierte Effekte von Gehen, Krafttraining und Ausdauersport
Die Analyse im Fachjournal The Lancet Public Health zeigt zudem, dass Gehen, intensiver Ausdauersport und Krafttraining jeweils unabhängig voneinander mit einem niedrigeren Demenzrisiko verbunden waren. Gehen ging mit einem um etwa 24 Prozent geringeren Risiko einher (HR 0,76).
Intensiver Ausdauersport war mit einer Risikominderung von rund 11 Prozent assoziiert (HR 0,89), während Krafttraining von mehr als 0,5 Stunden pro Woche mit einem um zirka 13 Prozent niedrigeren Risiko einherging (HR 0,87).
Der Reha-Mediziner Wang Si-heng verwies auf die konkreten Auswirkungen von Verhaltensänderungen im Alltag. Demnach war eine Steigerung des Gehens von rund 30 Minuten pro Woche auf mehr als 2 Stunden pro Woche bereits mit einem um etwa 18 Prozent geringeren Demenzrisiko verbunden. Viel Gehen korrelierte mit einem um etwa 24 Prozent und Krafttraining von mehr als 30 Minuten pro Woche mit einem um rund 13 Prozent reduzierten Risiko.
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Risikogruppen und methodische Grenzen
Die Ergebnisse der Kohortenstudien deuten darauf hin, dass der protektive Effekt nicht auf Personen ohne genetische Vorbelastung beschränkt ist: Auch Träger des Risikogens APOE-e4 profitierten von der regelmäßigen Bewegung.
Gleichzeitig ordnete Wang Si-heng die Befunde methodisch ein. Da es sich um eine reine Beobachtungsstudie handele, lasse sich kein direkter Kausalitätsbeweis ableiten. Dennoch unterstreichen die Daten, dass kontinuierliche Bewegung im aktuellen Alltag schwerer wiegt als das Ausruhen auf früherer Fitness.
