Demenzprävention, Risikofaktoren

Demenzprävention: 14 Risikofaktoren könnten bis zu 45 Prozent der Fälle verhindern

Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 15:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Forschungsergebnisse verknüpfen Lebensstiländerungen mit geringerem Demenzrisiko; Bewegung, Ernährung und individuelle Vorsorge stehen im Mittelpunkt.
Ein ruhiger, sonnendurchfluteter Waldweg als Symbol für einen gesunden Lebensstil und Prävention. Illustration mit AI erstellt.

Mit einer Aufklärungskampagne unter dem Titel „Prävention wirkt.“ informieren die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und die Deutsche Hirnstiftung über Möglichkeiten, das Risiko für Demenz, Parkinson und Schlaganfall durch Anpassungen des Lebensstils zu mindern.

Auf der zugehörigen Plattform praevention-wirkt.de weisen Fachleute darauf hin, dass gezielte Gegenmaßnahmen frühzeitig ansetzen müssen. Prof. Daniela Berg vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel unterstrich im Rahmen der Kampagne, dass das Potenzial der Primärprävention unsagbar groß sei.

Laut Prof. Özgür Onur aus der DGN-Kommission Demenzen müsse die Vorsorge individuell auf das Risikoprofil zugeschnitten werden, da Vorbeugung nicht erst im höheren Alter beginne.

Beeinflussbare Risikofaktoren im Fokus der Forschung

Welche Hebel für die Vorsorge existieren, zeigt unter anderem die Lancet-Demenzkommission 2024. Nach deren Modellrechnungen könnten weltweit bis zu 45 % der Demenzfälle verhindert oder verzögert werden, wenn 14 beeinflussbare Risikofaktoren konsequent reduziert würden. Diese Berechnung bezieht sich auf die Bevölkerungsebene und gilt nicht als individuelle Garantie.

Zu diesen Faktoren zählen geringe Bildung, Hörverlust, Kopfverletzungen, Bluthochdruck, übermäßiger Alkoholkonsum, Adipositas, Rauchen, Depression, soziale Isolation, Bewegungsmangel, Diabetes, Luftverschmutzung, Sehverlust sowie ein hohes LDL-Cholesterin. Eine Metaanalyse ergab hierzu, dass ein Anstieg des LDL-Cholesterins um 1 mmol/L (ca. 39 mg/dL) das spätere Demenzrisiko um ca. 8 % erhöht.

Ebenso passte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Sommer 2026 ihre Leitlinie zur Demenzprävention an. Darin führt die Organisation neben bekannten Einflussgrößen wie Bluthochdruck, Diabetes, Bewegungsmangel und Rauchen auch neuere Faktoren auf.

Dazu gehören HIV-Infektionen, Schlafstörungen, Schlaganfälle sowie hormonelle Veränderungen in den Wechseljahren. Eine menopausale Hormontherapie wird für Frauen ab 65 Jahren ausdrücklich nicht zur Verringerung des Demenzrisikos empfohlen; bei jüngeren Frauen gilt die wissenschaftliche Evidenz hierfür als unzureichend.

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Multimodale Programme und die Rolle der Bewegung

Dass ein veränderter Lebensstil messbare Effekte erzielen kann, belegen strukturierte Interventionsstudien. In der FINGER-Studie absolvierten 1.260 ältere Menschen mit erhöhtem Erkrankungsrisiko ein zweijähriges Programm, das Bewegung, Ernährung, kognitives Training und das Management vaskulärer Risikofaktoren kombinierte. Dies führte zu einer Verbesserung in kognitiven Tests.

Ähnliche multimodale Ansätze wie US POINTER und Maintain Your Brain aus dem Jahr 2025 zeigten ebenfalls, dass kombinierte Maßnahmen die kognitive Funktion erhalten oder steigern können.

Hinsichtlich körperlicher Aktivität plädierten kanadische Psychiater in einem Fachbeitrag vom 3. November 2026 dafür, Bewegung als strukturierte und individuelle Behandlung für die Gehirngesundheit zu verordnen, inklusive Vorgaben zu Art, Häufigkeit, Intensität, Dauer, Sicherheit und Nachsorgeplan.

Während die WHO für Erwachsene wöchentlich 150 bis 300 Minuten moderate Bewegung empfiehlt, seien spürbare Vorteile bereits bei etwa 75 Minuten pro Woche zu verzeichnen.

Beobachtungsstudien verbinden Bewegung zwar mit einem geringeren Risiko für kognitive Beeinträchtigungen und Alzheimer, die Autoren mahnen jedoch zur vorsichtigen Interpretation, da kognitive Befunde auf einer begrenzten Zahl kleinerer Studien beruhen.

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Ernährung, Schlaf und die Situation in Deutschland

Bei den Ernährungsempfehlungen stuft die WHO den nutzen einer gesunden Ernährungsweise als moderat belegt ein. Von Nahrungsergänzungsmitteln wie Vitamin B, Vitamin E, Omega-3-Fettsäuren oder Multivitaminpräparaten rät die Organisation ab, sofern kein diagnostizierter Nährstoffmangel vorliegt.

Beim Schlaf verweist die Leitlinie darauf, dass Unterbrechungen, Schlafstörungen sowie extrem kurze oder lange Schlafdauern mit einem höheren Risiko verknüpft sind. Bislang lässt sich daraus jedoch keine optimale Schlafdauer ableiten, und es fehlt der Nachweis, dass eine Verbesserung des Schlafs das Demenzrisiko senkt, weshalb weiterer Forschungsbedarf besteht.

Die Bedeutung präventiver Ansätze unterstreichen auch epidemiologische Erhebungen. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts lag die Häufigkeit diagnostizierter Demenzerkrankungen im Jahr 2022 bei Frauen ab 40 Jahren bei 3,3 % und bei Männern bei 2,4 %. Nach Daten von Digidem Bayern leben im Freistaat Bayern schätzungsweise 277.000 Betroffene, wobei die Zahl bis 2030 auf rund 300.000 steigen könnte.

Zudem zeigt eine deutsche Untersuchung, dass rund 60 % der Demenzkranken ohne gesicherte Diagnose leben, während wissenschaftliche Schätzungen nahelegen, dass bis zu 40 % der Fälle durch eine gezielte Reduktion beeinflussbarer Risikofaktoren verhindert oder hinausgezögert werden könnten.

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