Demenzpflege: Musik verbessert die Stimmung, Hausnotruf schützt vor Stürzen
Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 19:15 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Betreuung von Menschen mit Demenz stellt Angehörige und Pflegesysteme vor wachsende Herausforderungen. Nach Angaben von Alzheimer Schweiz aus dem Jahr 2026 leben in der Schweiz derzeit rund 166'300 Demenzkranke, bis 2050 wird ein Anstieg auf rund 287'800 prognostiziert.
Zudem zeigt eine Untersuchung von Pahud et al. aus dem Jahr 2025, dass der Bedarf an Alters- und Langzeitpflegeplätzen bis 2040 um 43 Prozent zunehmen dürfte. Vor diesem Hintergrund gewinnen digitale Assistenzsysteme, gezielte Fortbildungen sowie kulturelle Teilhabeformate zunehmend an Bedeutung, um Betroffene zu unterstützen und pflegende Familienmitglieder im Alltag zu entlasten.
Smarthome-Systeme und sensorbasierte Sicherheit im Wohnumfeld
Moderne Sensortechnologien bieten neue Wege, um die Eigenständigkeit Betroffener zu wahren und Sicherheitsrisiken zu minimieren. Ein zentrales Element bilden Hausnotrufsysteme mit automatischer Sturzerkennung. Spezielle Sensoren erfassen abrupte Bewegungen, den harten Aufprall sowie eine anschließende Ruhephase.
Nach einem Vorwarnalarm, der sich bei Fehlalarmen manuell abbrechen lässt, erfolgt die automatische Alarmierung einer Notrufzentrale. Fachleute erachten diese Technik besonders nach Krankenhausaufenthalten, bei Gangunsicherheit, Schwindel, Morbus Parkinson, eingeschränkter Sehkraft oder früheren Stürzen als sinnvoll.
Sofern ein anerkannter Pflegegrad vorliegt, gewähren die Pflegekassen unter bestimmten Voraussetzungen finanzielle Zuschüsse für Notrufsysteme, wenngleich erweiterte Funktionen teils mit monatlichen Zusatzkosten verbunden sind.
Der Anbieter Frontida stellt beispielsweise einen mobilen Hausnotruf bereit, der ab Pflegegrad 1 zuzahlungsfrei über die Pflegekasse abgerechnet werden kann; das System arbeitet bundesweit über Mobilfunk und GPS-Ortung und weist eine Akkulaufzeit von bis zu 72 Stunden auf.
Auch der VdK Ortsverband Burgrieden widmete sich im Rahmen von Informationsangeboten digitalen Helfern wie Sturzsensoren, Mini-GPS-Trackern sowie smarten Blutdruckmessgeräten zur Erkennung von Herzrhythmusstörungen.
Gezielte Wissensvermittlung für pflegende Angehörige
Parallel zu technischen Hilfsmitteln erweitern Fachstellen das Spektrum wohnortnaher Schulungen. Die Pflegeberatung des Landes Salzburg setzt auf praxisnahe Mikroschulungen im häuslichen Umfeld. Die Einheiten decken Themen wie den Umgang mit Demenz, Medikamentenverabreichung, Vitalzeichenkontrolle sowie Selbstfürsorge ab und werden durch spezialisierte Module zu Dekubitusprophylaxe, Flüssigkeitsmanagement und Positionierungstechniken ergänzt.
In Deutschland organisieren Träger wie der Landesverband der Alzheimer Gesellschaften Nordrhein-Westfalen gemeinsam mit der AOK Rheinland/Hamburg mehrtägige Kompaktkurse, unter anderem in Ratingen.
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Ähnliche Qualifizierungsangebote für pflegende Angehörige halten die LVR-Klinik Mönchengladbach im Rahmen von der Familialen Pflege, das St. Elisabeth-Krankenhaus Dorsten sowie das Albert-Schweitzer-Trainingszentrum in Graz bereit.
In Schleswig-Holstein bieten Begegnungszentren in Bad Schwartau und Witzeeze mehrstündige Orientierungskurse an, um pflegenden Angehörigen Grundlagen über Krankheitsverlauf, Diagnostik und Kommunikation zu vermitteln.
Kulturelle Teilhabe und nicht-medikamentöse Begleitung
Neben technischer und pflegerischer Unterstützung rücken psychosoziale Interventionen in den Fokus. Ein Cochrane-Review von van der Steen et al. aus dem Jahr 2025 belegt, dass musikbasierte Betreuung die Stimmung von Menschen mit Demenz zuverlässig verbessert.
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Das Schweizer Projekt Musikspiegel des Zentrums für Gerontologie der Universität Zürich zeigte zwischen 2017 und 2021, dass biografisch ausgewählte Musik Unruhe, Apathie, Aggression und depressive Symptome reduzieren kann.
Kulturelle Einrichtungen greifen diese Erkenntnisse auf. Das KOENIGmuseum in Landshut ermöglicht im Rahmen des Kooperationsprojekts „KUNST-Brücke“ museumsbezogene Führungen für Demenzkranke und deren Angehörige in Kleingruppen.
Auch innovative Entlastungskonzepte finden Anerkennung: In Bayern, wo mehr als 270.000 Demenzkranke leben und bis 2040 mit einem Anstieg auf 380.000 gerechnet wird, verlieh die bayerische Gesundheits- und Pflegeministerin Judith Gerlach am 13. Oktober 2026 den Bayerischen Demenzpreis 2026. Der mit 5.000 Euro dotierte erste Preis ging an wohlBEDACHT e.V. für ein nächtliches Betreuungsangebot, das pflegenden Familien die nötige Regeneration ermöglicht.
