Demenzhilfe, Pilotphase

Demenzhilfe: Zweite Pilotphase für TrackTech-Sohle startet im November 2026

Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 13:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

QR-Codes erleichtern die Kontaktaufnahme, während ein Start-up Einlegesohlen testet und regionale Projekte Pflegeangebote ausbauen.

Demenz: QR-Kennzeichnung und smarte Sohlen sollen beim Wiederfinden helfen
Ein ruhiger, sonnendurchfluteter Flur in einer modernen Pflegeeinrichtung mit Holzboden und neutralen Wänden. Illustration mit AI erstellt.

Wenn Menschen mit Demenz die Orientierung verlieren oder den Drang entwickeln, ihre gewohnte Umgebung unvermittelt zu verlassen, stellt dies Angehörige und Pflegekräfte vor große Herausforderungen.

Um das Risiko des Verirrens zu verringern und Betroffene im Ernstfall schneller wiederzufinden, rücken zunehmend technische Assistenzsysteme in den Fokus. Aktuelle Entwicklungen reichen von unauffälligen QR-Codes am Körper bis hin zu sensorbasierten Einlegesohlen für Schuhe.

Körpernahe Kennzeichnung per QR-Code

Einen Ansatz zur Personenidentifikation entwickelten die Schülerinnen Elanur Emerce und Nisa Kapar gemeinsam mit dem Lehrer Fatih Aladar an der Mehmet Kolo?lu Anadolu Lisesi in Elaz??. Im Rahmen des Programms TÜB?TAK 4007 entstand ein personenbezogenes Kennzeichnungssystem für Menschen mit Verlustrisiko.

Das Prinzip sieht vor, QR-Codes direkt an sichtbaren Stellen wie dem Handrücken oder auf den Fingernägeln anzubringen. Dies kann über Aufkleber oder als dauerhafte Tätowierung erfolgen.

Finden Passanten eine orientierungslose Person, genügt ein Scan des Codes mit einer handelsüblichen Smartphone-Kamera und einer aktiven Internetverbindung. Das System erlaubt es anschließend, Angehörige direkt zu kontaktieren oder den aktuellen Standort über den Nachrichtendienst WhatsApp zu übermitteln.

Anzeige

Wer sich mit dem Thema geistiger Gesundheit befasst, sollte auch die Möglichkeiten der Prävention kennen. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt Ihnen 11 einfache Übungen, mit denen Sie Ihr Gedächtnis stärken und Demenz gezielt vorbeugen können. Diese 11 Alltagsübungen halten Ihr Gehirn bis ins hohe Alter fit

Während die Variante auf dem Fingernagel monatlich erneuert werden muss, ist die permanente Tätowierung als kostenlose Lösung konzipiert. Allerdings sind für einen solchen Eingriff je nach Situation die Zustimmung der betroffenen Person, ein Antrag der gesetzlichen Betreuer sowie eine gerichtliche Genehmigung erforderlich. Die türkische Religionsbehörde Din ??leri Yüksek Kurulu erteilte für die Notfall-Tätowierung zudem eine entsprechende Fatwa.

Sensorische Einlegesohlen für die Pflege

Einen anderen Weg verfolgt die im Sommer 2025 gegründete TrackTech GmbH. Das Start-up arbeitet unter dem Projektnamen nearby, der zuvor als Clever Sole geführt wurde, an einer smarten Einlegesohle für Menschen mit Demenz oder Hinlauftendenz. Die Sohle registriert Bewegungen und meldet über eine zugehörige Anwendung, wenn Bewohner in Pflegeeinrichtungen Bereiche wechseln oder das Gebäude verlassen.

Bislang stößt das System außerhalb geschlossener Räume an Grenzen: Im Freien ist eine Standortbestimmung derzeit noch nicht möglich. In den kommenden Monaten sind jedoch Praxistests mit Menschen im Freiland geplant, woraufhin später auch eine Funktion zur Sturzerkennung integriert werden soll.

Das Unternehmen führt bereits erste Tests mit privaten Nutzern und Pflegeeinrichtungen durch. Ab Mitte oder Ende November 2026 soll eine zweite Pilotphase starten, für die noch Partnerschaften mit Seniorenresidenzen, Tagespflegen, Heimen und privaten Familien gesucht werden.

Anzeige

Neben technischen Hilfsmitteln spielt die frühzeitige Gewissheit bei Vergesslichkeit eine zentrale Rolle für Betroffene und Angehörige. Ein diskreter Selbsttest mit sieben Fragen bietet Ihnen in nur zwei Minuten eine erste Einschätzung zu möglichen Warnsignalen. Kostenlosen Demenz-Selbsttest jetzt anonym durchführen

Regionale Ansätze zur Unterstützung

Neben konkreten Hardwarelösungen gewinnen regionale Aufklärungs- und Versorgungsstrukturen an Bedeutung. So veranstaltete das Herz-Jesu-Krankenhaus in Fulda Ende September einen Infotag zum Thema Demenz, bei dem neben Medikationsrisiken auch polizeiliche Maßnahmen bei Vermisstenfällen und technische Hilfen für das Wohnumfeld thematisiert wurden. Weitere Informationsangebote der Einrichtung sind für die kommenden Monate bis zum Jahresende angekündigt.

Gleichzeitig starteten in vier Thüringer Landkreisen Tagespflegen und ambulante Dienste ein Modellprojekt im Rahmen der Thüringer Demenzmodellregion, um Hilfen direkt zu den Betroffenen zu bringen.

Auch an anderen Stellen werden Kennzeichnungen erprobt, etwa über ein gelbes Schutzarmband an einer Gießener Klinik oder Initiativen wie das Projekt Aumens, die auf mehr Freiraum für Demenzpatienten abzielen. Die Ansätze verdeutlichen, dass der Schutz von Demenzerkrankten zunehmend als Zusammenspiel aus technischer Innovation, rechtlichen Rahmenbedingungen und Information verstanden wird.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70288433 |