Demenzdiagnostik, Hospitales

Demenzdiagnostik: HM Hospitales bündelt Tests in neuem Schnellpfad

Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 14:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Diagnoseweg verbindet Tests, Blutmarker und Bildgebung; p-tau217 veränderte in 26,5 Prozent der Fälle die Erstdiagnose.
Moderner, heller Krankenhausflur mit minimalistischer Architektur und einfallendem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Die frühzeitige und präzise Erfassung kognitiver Veränderungen gilt in der neurologischen Versorgung als zentrale Herausforderung. Angesichts langwieriger Untersuchungsschritte und steigender Patientenzahlen setzt die spanische Klinikgruppe HM Hospitales auf eine strukturierte Prozessoptimierung: Mit einem neu konzipierten Schnell-Diagnosepfad für kognitive Verschlechterung bündelt das Unternehmen mehrere Untersuchungsschritte in einem geschlossenen Ablauf.

Das Verfahren integriert die klinische sowie neuropsychologische Bewertung, Blutbiomarker, bildgebende Verfahren des Gehirns, die Therapieauswahl und die strukturierte Nachsorge. Der Pfad startet zunächst am Hospital Universitario HM Sanchinarro in Madrid und soll schrittweise auf die gesamte Klinikgruppe ausgeweitet werden.

Strukturierte Prozesse und neue Screening-Instrumente

Vorgestellt wurde das Modell im Rahmen einer Fachveranstaltung der Stiftung für Forschung von HM Hospitales. Die Notwendigkeit effizienter Strukturen verdeutlicht der zeitliche Verlauf der Erkrankung: Nach Angaben von Dr. Javier Olazarán von HM Hospitales erstreckt sich die durchschnittliche Krankheitsentwicklung über einen Zeitraum von 19 Jahren.

Nach Prognosen der Klinikgruppe könnten bis zum Jahr 2050 weltweit mehr als 150 Millionen Menschen mit einer Demenz leben, wobei etwa zwei von drei Fällen auf eine Alzheimer-Erkrankung zurückzuführen sind.

Ein zentraler Baustein des Verfahrens ist das Instrument „CogniScan“. Dieser kognitive Kurztest umfasst neun Elemente, die gezielt Orientierung, Gedächtnisleistung sowie visuell-räumliche Fähigkeiten prüfen.

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In einer Untersuchung mit 183 Teilnehmern zeigte der Test bei einem Schwellenwert von zwei oder mehr Fehlern eine Sensitivität von 96 Prozent und eine Spezifität von 99 Prozent zur Abgrenzung kognitiver Verschlechterungen gegenüber Kontrollpersonen.

Stellenwert von Blutbiomarkern im Diagnoseprozess

Neben neuropsychologischen Tests spielen blutbasierte Marker eine Schlüsselrolle in dem beschleunigten Diagnosepfad. Dr. Roberto Sánchez-Soblechero von der Gedächtniseinheit der HM Hospitales erklärte, dass neun von zehn der untersuchten Alzheimer-Patienten mittels einer Blutprobe korrekt diagnostiziert werden konnten.

Der Marker p-tau217 wies eine hohe diagnostische Genauigkeit auf und führte in 26,5 Prozent der analysierten Fälle zu einer Änderung der ursprünglichen Diagnose.

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Gleichzeitig betonte Sánchez-Soblechero die Grenzen des Verfahrens: Der Biomarker p-tau217 solle nicht als allgemeines Screening-Instrument bei beschwerdefreien Personen außerhalb von Forschungsprojekten eingesetzt werden, sondern ausschließlich in einem individualisierten klinischen Kontext Anwendung finden.

Internationale Leitlinien und methodische Ergänzungen

Dieser vorsichtige Ansatz spiegelt sich auch in internationalen Richtlinien wider. So formulierten die britischen Fachgesellschaften ABN und RCPsych in einer Veröffentlichung in der Fachzeitschrift Practical Neurology 22 Empfehlungen für den Einsatz von Alzheimer-Bluttests.

Auch diese Fachgremien befürworten Plasma-p-tau217 zwar als Marker, beschränken den Einsatz jedoch strikt auf Personen mit objektiv nachweisbarer kognitiver Beeinträchtigung und klinischem Verdacht. Für einen eigenständigen Test fordern die Fachverbände prädiktive Werte von über 90 Prozent, da Begleitfaktoren wie Niereninsuffizienz oder stark abweichende Körpergewichte die Werte verzerren können.

Parallel dazu arbeiten Forschungseinrichtungen an der weiteren Verfeinerung blutbasierter Verfahren. Forschende der Universitätsmedizin Halle stellten in einer Studie mit 315 Probanden in Nature Communications ein Zwei-Schritt-Verfahren vor, bei dem hirneigenes Tau-Protein vor der Messung mit einem spezifischen Antikörper isoliert wird.

Wie Prof. Markus Otto und Privatdozent Dr. Samir Abu Rumeileh darlegten, könnten solche Anreicherungsverfahren falsch-positive Ergebnisse bei anderen neurodegenerativen Erkrankungen reduzieren. Ergänzt durch automatisierte Bildgebungsverfahren verdeutlichen diese Entwicklungen den internationalen Trend hin zu standardisierten, mehrstufigen Abklärungsmodellen.

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