Demenzdiagnose: Neues MRT-Protokoll soll Scans auf 7 Minuten verkürzen
Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 10:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Diagnose von Demenzerkrankungen steht vor einem technologischen Umbruch. Im Zentrum aktueller klinischer Erprobungen steht ein neues Magnetresonanztomographie-Protokoll (MRT), das die herkömmliche Scan-Dauer massiv reduziert.
Ein von der Universität UCL (University College London) geführtes Projekt arbeitet dabei eng mit den Medizintechnik-Konzernen Philips, Siemens und GE Healthcare zusammen, um die neuen Verfahren an insgesamt 20 Standorten des britischen Gesundheitsdienstes NHS zu testen.
Technologische Optimierung der Bildgebung
Das neue Protokoll, das am UCL Hawkes Institute entwickelt wurde, zielt darauf ab, die für eine Demenzdiagnose erforderliche MRT-Scanzeit von den üblichen 20 bis 30 Minuten auf etwa 7 Minuten zu senken.
Forscher, die an der Entwicklung beteiligt sind, halten sogar eine Reduktion auf 6 Minuten für möglich, was einer Zeitersparnis von rund 70 Prozent entspräche. Diese technologische Beschleunigung wird im Rahmen der sogenannten RADIANCE-Studie und der UCL-ADMIRA-Studie untersucht.
Die Leitung des Vorhabens liegt bei Experten des UCL Hawkes Institute sowie des UCL Queen Square Institute of Neurology. Professor Geoff Parker koordiniert das Projekt gemeinsam mit Professor Nick Fox und Dr. Cath Mummery.
Wer sich mit der Früherkennung von Gedächtnisveränderungen befasst, kann mit diesem Experten-Test in nur zwei Minuten eine erste Einschätzung erhalten. Der kurze Fragebogen hilft dabei, typische Warnsignale diskret von normaler Vergesslichkeit zu unterscheiden. Anonymen Demenz-Selbsttest jetzt kostenlos durchführen
Die Einbindung der großen Gerätehersteller Philips, Siemens und GE ist dabei ein entscheidender Faktor, um die Protokolle direkt in die bestehende Infrastruktur der Kliniken zu integrieren und eine breite Anwendung zu ermöglichen.
Strategische Ziele und staatliche Förderung
Das Projekt ist eingebettet in die staatliche Dementia Challenge und wird maßgeblich durch öffentliche Mittel unterstützt. Über das R&D Missions Accelerator Programme des UKRI (UK Research and Innovation) wird die Initiative mit bis zu 80 Millionen GBP gefördert. Damit reagiert die Regierung auf die problematische Versorgungslage: Aktuell werden nur etwa 60 Prozent der Demenzpatienten innerhalb von 18 Wochen nach einer Überweisung diagnostiziert; teilweise betragen die Wartezeiten mehr als ein Jahr.
Das erklärte Ziel des Programms ist es, die Diagnosequote innerhalb des 18-Wochen-Fensters auf 92 Prozent zu steigern. Angesichts der Tatsache, dass im vergangenen Jahr im Vereinigten Königreich über 72,000 Menschen an Demenz oder Alzheimer starben – was fast jedem achten Todesfall entspricht –, besteht ein dringender Handlungsbedarf.
Laut UKRI-Direktor Andy Hill verdeutlichen diese Zahlen die Schwere der gesundheitspolitischen Herausforderung. Gesundheitsministerin Karin Smyth wies zudem darauf hin, dass das Thema Demenz über einen zu langen Zeitraum vernachlässigt worden sei.
Während die Medizin an schnelleren Diagnoseverfahren forscht, können Betroffene und Angehörige bereits heute selbst aktiv werden, um die geistige Fitness zu fördern. Dieser kostenlose Ratgeber stellt 11 praktische Alltagsübungen vor, die das Gehirn gezielt trainieren und zur Prävention beitragen können. Kostenlosen Ratgeber für geistige Fitness anfordern
Notwendigkeit effizienter Diagnostik für neue Therapien
Die Bedeutung einer schnellen MRT-Bildgebung nimmt auch durch die Zulassung neuer Medikamente wie Lecanemab und Donanemab zu. Diese Wirkstoffe machen MRT-Untersuchungen sowohl vor als auch während der Behandlung zwingend erforderlich, um den Therapieverlauf zu überwachen und mögliche Nebenwirkungen zu erkennen.
Der aktuell Mangel an MRT-Kapazitäten wird jedoch als eine der größten Barrieren für eine flächendeckende Einführung dieser neuen Behandlungsformen angesehen.
Zusätzlich zur MRT-Optimierung werden im Rahmen des Förderprogramms weitere Technologien evaluiert. Dazu gehört DIADEM, ein digitaler Hörtest der Queen Mary University of London, sowie acht weitere Projekte. Diese umfassen unter anderem die Fernüberwachung des kognitiven Verfalls mittels Tablets und Smartphones, Sensoren für die Heimüberwachung sowie Tests für Blut-Biomarker.
Das UKRI verfolgt dabei einen „Fail-Fast“-Ansatz: Nur Projekte, die im klinischen Alltag des NHS nachweisbare Ergebnisse erzielen und festgelegte Meilensteine erreichen, erhalten eine weitere finanzielle Förderung. Nach Angaben der Alzheimer's Society bleibt derzeit jeder dritte Demenzkranke im Vereinigten Königreich ohne formale Diagnose, was den Druck auf die Entwicklung effizienterer Testverfahren weiter erhöht.
