Demenzbetreuung, KI-Begleiter

Demenzbetreuung: KI-Begleiter Livana startet Feldtest im Pflegeheim

Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 19:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Im Ehpad La Septfontoise wird Livana mit sieben Bewohnern erprobt. Die KI soll Alzheimer-Patienten unterstützen und menschliche Pflege ergänzen.

Livana: KI-Begleiter unterstützt Demenzpflege im französischen Pflegeheim
Ein heller, freundlicher Raum in einer Pflegeeinrichtung mit Blick in einen Garten. Illustration mit AI erstellt.

Im französischen Pflegeheim Ehpad La Septfontoise im Departement Tarn-et-Garonne wird seit dem 17. September 2026 ein neuartiger technologischer Ansatz in der Demenzbetreuung erprobt. Dort kommt der KI-Begleiter Livana zum Einsatz, um die Lebensqualität von Alzheimer-Patienten zu verbessern. Derzeit nutzen sieben der insgesamt 29 Bewohner des Heims die digitale Unterstützung.

Personalisierte Interaktion durch Künstliche Intelligenz

Die Anwendung Livana wurde von Nicolas Raulin entwickelt und zielt auf eine hochgradig individualisierte Interaktion ab. Vor der Nutzung wird das System von Familienangehörigen und psychologischem Fachpersonal konfiguriert, um eine hundertprozentige Personalisierung zu gewährleisten. Ein besonderes Merkmal ist die Fähigkeit der Künstlichen Intelligenz, vertraute Stimmen zu imitieren, wie etwa die des Enkels einer Patientin.

Die Gespräche mit dem digitalen Gegenüber dauern im Schnitt etwa zehn Minuten. Ein wesentlicher Aspekt bei der Entwicklung war der Datenschutz: Laut Projektangaben werden keine Audiodaten der Gespräche gespeichert. Die Direktorin der Einrichtung betonte im Rahmen der Testphase, dass die Technologie das pflegerische Fachpersonal ergänze, jedoch keinesfalls ersetzen könne.

Wachsender Bedarf an technologischen Lösungen

Der Bedarf an innovativen Unterstützungssystemen ist angesichts der demografischen Entwicklung hoch. Die Organisation France-Alzheimer schätzt die Zahl der an Alzheimer erkrankten Menschen in Frankreich auf etwa 1,4 Millionen.

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Neben Livana gewinnen weltweit weitere technologische Lösungen an Bedeutung. Das Broca Living Lab setzt beispielsweise den Roboter Miroki zur kognitiven Stimulation sowie die Roboterrobbe Paro zur Beruhigung von Patienten ein.

Auch im Bereich der virtuellen Realität gibt es Fortschritte: Otsuka Pharmaceutical und Jolly Good haben in Japan ein VR-Modul gestartet, das es ermöglicht, die Demenz-Erfahrung aus der Ich-Perspektive nachzuvollziehen. Das System wird bereits von Kommunen und Kliniken genutzt; ein ergänzendes 2D-Programm für Fachkräfte ist für Oktober 2026 geplant.

Schulung und Unterstützung für Angehörige

Auch in der Ausbildung und im häuslichen Umfeld rückt KI verstärkt in den Fokus. Das Unternehmen Mentia Health hat mit „CarePlay“ ein immersives Rollenspiel-Videospiel für Schulungen entwickelt. Während ein Pilotprojekt in den USA das Wissen über die Demenzpflege bereits verbessert habe, läuft derzeit ein weiterer Testlauf mit einem Homecare-Anbieter in Australien. In Neuseeland erfolgt der Vertrieb durch Alzheimers New Zealand.

Für das familiäre Umfeld wurde zudem die KI-basierte App Alzcare entworfen, die Funktionen wie Medikamenten-Erinnerungen, GPS-Alarme beim Verlassen von Sicherheitsbereichen sowie eine Koordinationsplattform für Familien bietet. Das Projekt, das Ende 2024 in Kalifornien startete, erhielt bereits im Frühjahr 2025 eine Auszeichnung beim A' Design Award.

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Ergänzung der menschlichen Pflege

Fachleute wie Jasper Jia, Professor an der Quinnipiac University, bewerten das Potenzial von KI-Chatbots als positiv. Diese könnten insbesondere die Zeiten zwischen den persönlichen Kontakten mit der Familie oder Therapeuten überbrücken. Die KI solle dabei die menschliche Verbindung ergänzen, nicht ersetzen.

Ein weiteres Anwendungsfeld ist die Überwindung von Sprachbarrieren. Da Demenzkranke oft ihre Zweitsprache verlieren und in ihre Muttersprache zurückfallen, wird der Einsatz von neuronaler Übersetzung für Pflegekräfte zunehmend als hilfreiches Assistenzwerkzeug eingestuft. Die Kosten für solche Lösungen variieren dabei je nach Funktionsumfang von kostenlosen Anwendungen bis hin zu spezialisierten Enterprise-Lösungen.

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