Demenz weltweit: Jährliche Neudiagnosen steigen bis 2050 auf 24,7 Millionen
Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 15:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie weltweite Belastung durch Demenzerkrankungen wird in den kommenden Jahrzehnten drastisch zunehmen. Eine im Oktober 2026 im Fachjournal JAMA Neurology veröffentlichte Untersuchung der Universität New South Wales prognostiziert einen sprunghaften Anstieg der Neuerkrankungen.
Demnach wird die Zahl der jährlichen Neudiagnosen von 11,4 Millionen im Jahr 2023 auf weltweit 24,7 Millionen Fälle im Jahr 2050 steigen. Dies entspricht einer Zunahme um 116 Prozent. Parallel dazu soll die Gesamtzahl der weltweit an Demenz erkrankten Menschen von derzeit 57 Millionen auf rund 150 Millionen im Jahr 2050 anwachsen.
Ungleiche Verteilung nach Geschlecht und Einkommen
Die Untersuchung der Universität New South Wales stützt sich auf eine Datenbasis aus 22 Kohorten mit insgesamt 38.418 Teilnehmenden aus 18 Ländern. Über die Kohorten hinweg ermittelten die Forschenden eine alters- und geschlechtsstandardisierte Inzidenz von 9,7 neuen Fällen pro 1.000 Personenjahre.
Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern sowie zwischen verschiedenen Weltregionen:
- Bei Frauen liegt die Inzidenz bei 10,6 pro 1.000 Personenjahre, während sie bei Männern 8,6 pro 1.000 Personenjahre beträgt.
- In Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen fällt die Inzidenz mit 13,6 pro 1.000 Personenjahre um 64 Prozent höher aus als in Ländern mit hohem Einkommen, wo der Wert bei 8,3 liegt.
- Das Erkrankungsrisiko steigt im Alter steil an: Nach dem 65. Lebensjahr ist den Studiendaten zufolge eine von neun Personen betroffen, nach dem 85. Lebensjahr bereits eine von drei Personen.
Steigende Belastung für Versorgung und Gesundheitssysteme
Die wachsende Relevanz der Erkrankung spiegelt sich auch in globalen Mortalitätsstatistiken wider. Ein Anfang Oktober 2026 vorgelegter Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit Auswertungen für die Jahre 2000 bis 2023 zeigt, dass Demenz weltweit von Platz 19 auf Platz 5 der häufigsten Todesursachen vorgerückt ist.
Die absolute Zahl der registrierten Todesfälle hat sich in diesem Zeitraum verdreifacht. Auch an der Universität Leipzig wird darauf verwiesen, dass sich die weltweiten Demenzfälle künftig verdoppeln könnten.
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Weitere Modellrechnungen gehen für das Jahr 2050 von bis zu 157 Millionen Demenzkranken aus; die WHO nennt eine Größenordnung von mindestens 50 Millionen Menschen mit Alzheimer und prognostiziert 152 Millionen Betroffene bis 2050.
Gleichzeitig offenbaren internationale Berichte erhebliche Versorgungsdefizite. Bislang verfügt weltweit lediglich ein Viertel aller Länder über eine nationale Politik, Strategie oder einen Aktionsplan für Demenzbetroffene und deren Familien. In Lateinamerika leben schätzungsweise 9 Millionen Betroffene.
In Mexiko, wo rund 900.000 Fälle als stark unterdiagnostiziert gelten, stehen landesweit weniger als 700 Geriater zur Verfügung. Die Betreuung lastet vor allem auf den Angehörigen: Im Jahr 2019 widmeten Pflegepersonen im Schnitt fünf Stunden täglich der Unterstützung, wobei 70 Prozent der Pflegenden Frauen waren.
Präventionspotenziale durch Lebensstiländerungen
Trotz der steigenden Fallzahlen verweisen die Forschenden auf signifikante Möglichkeiten der Gegensteuerung. Der Analyse der Universität New South Wales zufolge könnten 14 modifizierbare Risikofaktoren bis zu 45 Prozent der weltweiten Demenzfälle verhindern oder zumindest zeitlich verzögern.
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Auch Untersuchungen aus Russland weisen auf das Potenzial präventiver Maßnahmen hin: Während dort 46,5 Prozent der über 65-Jährigen Anzeichen einer leichten kognitiven Beeinträchtigung und 60 Prozent kognitive Beeinträchtigungen aufweisen, lasse sich das Risiko durch gezielte Lebensstiländerungen um 45 Prozent senken. Die Daten unterstreichen die Notwendigkeit frühzeitiger politischer und gesundheitlicher Interventionen.
