Demenz-Vorsorge: 45 Prozent des Risikos durch Lebensstil senkbar
28.05.2026 - 18:05:06 | boerse-global.de
Gedächtnisprobleme, veränderte Handschrift und nachlassender Geruchssinn – neue Studien zeigen: Demenz kündigt sich oft Jahre vor den ersten schweren Symptomen an.
Forscher weltweit konzentrieren sich zunehmend auf die subjektive Wahrnehmung der Betroffenen. Denn wer früh weiß, dass etwas nicht stimmt, kann gegensteuern. Rund 45 Prozent des Demenzrisikos gelten als beeinflussbar.
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Subjektive Gedächtnisprobleme als ernster Hinweis
Eine Studie der Universität Leipzig in der Fachzeitschrift Alzheimer’s Research & Therapy zeigt: Das subjektiv empfundene Nachlassen der geistigen Leistungsfähigkeit ist ein klinick relevanter Indikator.
Das Team um Dr. Andrea Zülke wertete Daten von rund 19.000 Personen ab 60 Jahren aus Deutschland und Großbritannien aus. Ergebnis: Etwa 40 Prozent der Teilnehmer erfüllten die Kriterien für ein sogenanntes „SCD Plus“ – ein erhöhtes Risiko für spätere Demenz.
Die Forscher fanden enge Zusammenhänge mit bestehenden Erkrankungen wie Depressionen, Bluthochdruck, Diabetes und Herz-Kreislauf-Problemen. Wer solche Beschwerden hat und gleichzeitig Gedächtnisprobleme bemerkt, sollte das ernst nehmen.
Vom Schreibfluss zum Geruchssinn
Doch nicht nur das Gedächtnis verändert sich früh. Eine Studie der Universität Évora untersuchte motorische Fähigkeiten beim Schreiben. Bei Tests mit 58 älteren Menschen zeigte sich: Kognitiv beeinträchtigte Probanden schrieben langsamer, zerstückelter und unkoordinierter.
Besonders deutlich waren die Defizite im Bewegungsfluss und Rhythmus – vor allem beim Schreiben nach Diktat.
Auch der Geruchssinn gibt Hinweise. Eine Langzeitstudie mit 5.474 Erwachsenen aus den USA, veröffentlicht in JAMA Otolaryngology–Head & Neck Surgery, belegt: Ein nachlassendes Riechvermögen geht oft mit schnellerem Abbau von Gehgeschwindigkeit, Gleichgewicht und Kraft einher.
Warum Frauen häufiger betroffen sind
Rund zwei Drittel aller Alzheimer-Patienten sind Frauen. Neue Analysen der University of California San Diego zeigen, warum das so ist.
In einer Studie mit über 17.000 Erwachsenen stellten die Forscher fest: Risikofaktoren wie Hörverlust oder Diabetes wirken sich bei Frauen stärker auf die kognitive Leistung aus als bei Männern. Zudem sind Frauen häufiger von Depressionen und Bewegungsmangel betroffen.
Die gute Nachricht: Etwa 45 Prozent des Demenzrisikos sind durch beeinflussbare Faktoren bedingt. Wer also aktiv wird, kann etwas verändern.
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Soziale Kontakte schützen das Gehirn
Eine Untersuchung der Universität Krems auf Basis der europäischen SHARE-Studie zeigt: Menschen über 50 mit stabilen sozialen Kontakten haben ein geringeres Risiko für kognitiven Abbau. Dieser Effekt tritt unabhängig von Bildungsgrad oder Gesundheitszustand auf.
Interessant: Einsamkeit korreliert zu Beginn einer Beobachtung oft mit schwächeren Gedächtnisleistungen. Sie beschleunigt den Abbauprozess über die Zeit aber nicht zwangsläufig, so eine weitere europäische Studie mit über 10.000 Teilnehmern.
Ernährung als Schlüsselfaktor
Die Ernährung bleibt ein zentraler Baustein der Prävention. Eine großangelegte Studie in Neurology mit über 92.000 Erwachsenen untersuchte den Effekt pflanzlicher Kost über elf Jahre.
Das Ergebnis: Hochwertige pflanzliche Ernährung senkte das Demenzrisiko um sieben Prozent. Ungesunde pflanzliche Kost – etwa mit vielen verarbeiteten Produkten – erhöhte das Risiko dagegen um satte 25 Prozent.
Forscher des Forschungszentrums Jülich untersuchten zudem das sogenannte „Exposom“ – also die Gesamtheit aller Umweltfaktoren. Die Analyse von über 260 Faktoren zeigt: Die Dauer und die Lebensphase, in der Risiken wie Rauchen oder Luftverschmutzung auftreten, sind entscheidend für das Gehirnalter. Auch sozioökonomische Ungleichheit spielt eine Rolle.
Neue Technologien für die Früherkennung
Das österreichische Start-up Thyra Imaging, eine Ausgründung der MedUni Wien, nutzt Methoden der adaptiven Optik aus der Astronomie für Augenscans. Zelluläre Veränderungen der Netzhaut sollen so Rückschlüsse auf beginnende Demenz erlauben. Das Verfahren wurde im Mai 2026 beim Connect Day ausgezeichnet.
Auf mikroskopischer Ebene entdeckte ein Team der Oregon Health and Science University eine bisher unbekannte Immunzellpopulation im Gehirn von Alzheimer-Patienten. Diese als HPAM (human plaque-associated microglia) bezeichneten Zellen reichern sich direkt an den charakteristischen Amyloid-beta-Plaques an. Die in Nature Neuroscience veröffentlichten Ergebnisse könnten neue Ansätze für immunologische Therapien eröffnen.
Herausforderungen für jüngere Betroffene
Trotz aller Fortschritte bleibt die Situation für jüngere Betroffene schwierig. In Deutschland leben laut Angaben der Hans-und-Ilse-Breuer-Stiftung etwa 100.000 Menschen unter 65 Jahren mit einer Demenzdiagnose.
Für diese Gruppe fordern Experten verbesserte Handlungsempfehlungen. Denn die Diagnose erfolgt in jungen Jahren oft mit erheblicher Verzögerung – wertvolle Zeit geht verloren.
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