Demenz: Verzicht auf drei Risikofaktoren verlängert Leben um 13 Jahre
Veröffentlicht am: 18.08.2026 um 21:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen verdeutlichen den massiven Einfluss der gesundheitlichen Verfassung im mittleren Lebensalter auf die spätere kognitive Gesundheit. Eine im August 2026 im Fachjournal Neurology veröffentlichte US-Studie (ARIC) von NYU Langone Health zeigt, dass die Vermeidung zentraler Risikofaktoren die demenzfreie Lebenszeit signifikant verlängern kann.
Demnach gewinnen Personen, die im Alter von durchschnittlich 56 Jahren weder an Bluthochdruck noch an Diabetes leiden und zudem nicht rauchen, bis zu 13 Jahre an Lebensqualität ohne kognitive Einschränkungen.
Signifikante Verlängerung der demenzfreien Lebensspanne
Die Langzeituntersuchung, an der 12.409 Probanden im Alter zwischen 45 und 64 Jahren teilnahmen, begleitete die Teilnehmer über einen Zeitraum von 26 Jahren. Die Ergebnisse verdeutlichen die Korrelation zwischen der vaskulären Gesundheit und dem Risiko eines geistigen Verfalls. Personen ohne die drei genannten Risikofaktoren – Hypertonie, Diabetes und Rauchen – erreichten eine durchschnittliche demenzfreie Lebenszeit von 30,1 Jahren.
Im Gegensatz dazu reduzierte sich dieser Zeitraum bei Probanden, bei denen alle drei Faktoren vorlagen, auf lediglich 17 bis 17,5 Jahre. Das Vorhandensein dieser kombinierten Risikofaktoren erhöhe das Demenzrisiko laut den Studienergebnissen um das 2,7-Fache.
Während des Untersuchungszeitraums wurden insgesamt 3.008 Demenzfälle sowie 5.238 Todesfälle dokumentiert. Die Daten weisen zudem demografische Unterschiede auf: Frauen und weiße Bevölkerungsgruppen verzeichneten im Durchschnitt eine längere demenzfreie Lebenszeit als Männer oder Angehörige anderer ethnischer Gruppen.
Globale Relevanz und modifizierbare Risikofaktoren
Die Bedeutung dieser Erkenntnisse wird durch Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gestützt. Weltweit sind derzeit rund 55 bis 57 Millionen Menschen von Demenz betroffen, wobei jährlich etwa 10 Millionen Neudiagnosen hinzukommen. Bis zum Jahr 2050 wird ein Anstieg auf 139 Millionen Betroffene prognostiziert. Laut WHO und der Lancet-Kommission gelten bis zu 45 Prozent des Demenzrisikos als durch modifizierbare Faktoren vermeidbar.
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Zu diesen beeinflussbaren Faktoren zählen neben Rauchen, Bluthochdruck und Diabetes auch übermäßiger Alkoholkonsum, körperliche Inaktivität, soziale Isolation sowie Umweltbelastungen wie Luftverschmutzung.
Neuere Analysen der Lancet-Kommission identifizierten insgesamt 14 solcher Risikofaktoren, wobei auch Hörverlust und hohe LDL-Cholesterinwerte mit jeweils rund 7 Prozent zum Gesamtrisiko beitragen. Experten raten daher dazu, Präventionsmaßnahmen spätestens ab einem Alter von 40 Jahren konsequent zu verfolgen.
Lifestyle-Einflüsse und Präventionsansätze
Neben der medizinischen Kontrolle von Blutdruck und Zuckerwerten spielt der Lebensstil eine entscheidende Rolle. Eine Metaanalyse von 74 Studien mit über 4,2 Millionen Teilnehmern aus 30 Ländern ergab, dass Freizeitsport das Demenzrisiko um 24 Prozent senken kann. Interessanterweise beobachteten die Autoren, darunter David Raichlen und Natan Feter, dass körperlich schwer belastende Arbeit das Risiko hingegen um 20 Prozent erhöhen kann.
Auch die Ernährung steht im Fokus der Forschung. Eine chinesische Studie aus Guangzhou deutet darauf hin, dass ein geringerer Zuckerkonsum in der frühen Kindheit und während der Schwangerschaft mit einem niedrigeren Demenzrisiko im späteren Leben assoziiert ist. Ein Neurologe betonte in diesem Zusammenhang, dass neben Bewegungsmangel auch ungesunde Ernährungsmuster die Gefahr kognitiver Einbußen verschärfen.
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In der Praxis werden derzeit neue Ansätze zur Risikominimierung erprobt. In Österreich sucht das Programm LETHE-AT aktuell 300 Teilnehmer im Alter zwischen 55 und 75 Jahren, die ein erhöhtes Demenzrisiko aufweisen. Das 18-monatige Projekt nutzt digitale Hilfsmittel wie Apps und Smartwatches an Standorten in Wien, Graz und Innsbruck, um Präventionsstrategien im Alltag zu implementieren.
Die WHO unterstreicht jedoch, dass Nahrungsergänzungsmittel ohne einen klinisch nachgewiesenen Mangel keine empfohlene Maßnahme zur Vorbeugung darstellen.
