Demenz, Schlaganfall

Demenz und Schlaganfall: 45–70% der Fälle sind vermeidbar

Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 12:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Ehrenamtliche Projekte in Deutschland fördern soziale Teilhabe und senken nachweislich das Risiko für Demenz und Schlaganfall.

Soziale Kontakte senken Demenz- und Schlaganfallrisiko deutlich
Ein älterer Mensch und ein freiwilliger Helfer sitzen gemeinsam an einem Tisch und unterhalten sich freundlich. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Jährlich erkranken in Deutschland rund 300.000 Menschen an Demenz, 270.000 erleiden einen Schlaganfall. Dabei könnten 70 Prozent der Schlaganfälle und 45 Prozent der Demenzerkrankungen vermieden werden – durch gezielte Prävention und soziale Einbindung.

Warum soziale Kontakte das Gehirn schützen

Die Kontrolle von Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes und Bewegungsmangel ist entscheidend. Doch auch Stress und soziale Isolation spielen eine große Rolle. Dr. Hassan Soda, Chefarzt für Akutneurologie in Bad Neustadt, betont: Wer konsequent Risiken minimiert, kann sein Demenzrisiko um das Fünffache senken.

Genau hier setzt ehrenamtliches Engagement an. Es holt Betroffene aus der Isolation und fördert geistige Aktivität. Soziale Interaktion und kognitive Forderung gelten in der Medizin als wesentliche Faktoren für geistige Fitness bis ins hohe Alter.

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Von Nachbarschaftshilfe bis Mittagstisch

Viele Kommunen haben bereits wirksame Projekte etabliert. In Moers unterstützt die Nachbarschaftshilfe Hülsdonk seit fast zehn Jahren Senioren und Familien mit Besuchen und organisierten Treffen. Die Gemeinde Petershagen/Eggersdorf vermittelt seit Februar 2026 gezielt ehrenamtliche Helfer – finanziert über den Entlastungsbetrag des Sozialgesetzbuches.

In Maintal-Dörnigheim organisiert eine Kirchengemeinde seit Herbst 2025 einen monatlichen Mittagstisch für Senioren. In Wiesbaden nutzt die Stadt die traditionelle Gibber Kerb für geförderte Seniorenfrühschoppen. „Soziale Kontakte sind der beste Schutz vor Einsamkeit“, sagt Sozialdezernentin Dr. Patricia Becher.

Digitale Kompetenz als kognitives Training

Ein moderner Schwerpunkt der Ehrenamtsarbeit: die Förderung von Medienkompetenz bei Älteren. Auf der 12. Silver Surfer-Fachtagung in Mainz diskutierten über 140 Multiplikatoren über KI, digitale Bezahlsysteme und den Umgang mit Falschnachrichten. Dr. Marc Jan Eumann, Direktor der Medienanstalt Rheinland-Pfalz, sieht einen direkten Zusammenhang zwischen Medienkompetenz und gesellschaftlicher Teilhabe.

Konkrete Angebote gibt es bereits: In Freilassing eröffnete im April 2026 eine Begegnungsstätte mit Fachberatungen zu digitaler Sicherheit. In Ratingen werden Digitalpaten ausgebildet, die Internetanfängern helfen. Für den 13. September 2026 ist dort ein Speed-Dating-Format geplant, das Generationen direkt vernetzt.

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Inklusion und Begleitung in besonderen Lebenslagen

Auch in spezialisierten Bereichen zeigt Ehrenamt Wirkung. Beim Musikfestival „Dong Open Air“ in Neukirchen-Vluyn arbeiteten im Juli 2026 erstmals Menschen mit Behinderung in den Logistik-Teams. Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet, um die Auswirkungen auf das Zugehörigkeitsgefühl zu untersuchen.

In Frankfurt existiert seit 2009 das Programm „Buddycare“: Es bringt Ausstiegswillige aus der Drogenszene mit ehrenamtlichen Begleitern zusammen. Gemeinsame Aktivitäten wie Kinobesuche oder Spaziergänge sollen die gesellschaftliche Reintegration fördern.

In der medizinischen Nachsorge plant der Verein „Hilfe im Kampf gegen Krebs“ in Würzburg ein neues Zentrum. Am Rotkreuzhof in Oberdürrbach sollen 18 barrierearme Appartements entstehen – als Brücke zwischen Klinik und Alltag. Ziel: Patienten und Angehörige durch Schulung und Beratung so zu stärken, dass dauerhafte gesellschaftliche Teilhabe möglich wird.

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