Demenz, Gewicht

Demenz und Gewicht: Adipositas zum Diagnosezeitpunkt mit 27 % geringerem Sterberisiko

Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 12:44 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine US-Beobachtungsstudie verknüpft Übergewicht bei der Diagnose mit geringerem Sterberisiko, belegt jedoch keinen ursächlichen Zusammenhang.

Demenz: Höherer BMI bei Diagnose mit längerer Überlebensdauer verbunden
Ein heller, minimalistischer Raum mit einfallendem Tageslicht, der eine ruhige Atmosphäre vermittelt. Illustration mit AI erstellt.

Eine Untersuchung der Columbia Mailman School of Public Health und der NYU School of Global Public Health liefert neue Erkenntnisse zum Einfluss des Körpergewichts auf den Verlauf von Demenzerkrankungen. Wie die im Journal of Alzheimer's Disease veröffentlichte Analyse darlegt, weisen Personen mit Übergewicht oder Adipositas zum Zeitpunkt ihrer Demenzdiagnose eine längere Überlebensdauer auf als normalgewichtige Betroffene.

Geringeres Sterberisiko bei höherem Body-Mass-Index

Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede bei der Mortalität in Abhängigkeit vom Body-Mass-Index (BMI). Im Vergleich zu Personen mit Normalgewicht wiesen Betroffene mit Übergewicht (BMI 25–29,9) ein um 16% niedrigeres Sterberisiko auf.

Bei Personen mit Adipositas der Klasse 1 (BMI 30–34,9) lag das Sterberisiko um 27% niedriger. Für Teilnehmer mit Adipositas der Klassen 2 und 3 (BMI ?35) ergab die Erhebung ein um 22% geringeres Sterberisiko gegenüber der normalgewichtigen Vergleichsgruppe.

Bei der statistischen Auswertung berücksichtigten die Forscher verschiedene Begleitfaktoren. Die Berechnungen wurden für Geschlecht, Alter, Bildung, Ethnie, Rauchgewohnheiten sowie vorliegende chronische Erkrankungen adjustiert.

Als eine mögliche Erklärung für die beobachteten Unterschiede nennen Experten größere Energiereserven, die den Betroffenen bei auftretender Appetitlosigkeit oder Ernährungsproblemen im Krankheitsverlauf zugutekommen könnten. Gleichzeitig bleibt Adipositas im mittleren Lebensalter weiterhin ein bekannter Risikofaktor für das Auftreten einer Demenz.

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Umfangreiche Datenbasis und methodische Kontrollen

Die Untersuchung stützt sich auf Angaben der US Health and Retirement Study. Die Datenbasis umfasst 4.523 US-Erwachsene ab 51 Jahren, die zu Beginn der Erfassung keine Demenz aufwiesen und im weiteren Verlauf erkrankten. Der erfasste Zeitraum reicht von 1998 bis 2022 mit einem Nachbeobachtungszeitraum von bis zu 20 Jahren.

Um mögliche Verzerrungen in den Daten auszuschließen, prüften die Wissenschaftler systematische Fehlerquellen. Dazu gehörte die Analyse des Gewichtsverlaufs im Vorfeld der Erkrankung, da ein Gewichtsverlust bereits bis zu einer Dekade vor der eigentlichen Diagnose auftreten kann.

Auch ein möglicher Survivor-Bias wurde kontrolliert. Yuan Zhang von der Columbia Mailman School of Public Health erklärte hierzu, dass die untersuchten Verzerrungsquellen den festgestellten Überlebensvorteil nicht erklären können.

Grenzen der Aussagekraft und medizinische Einordnung

Trotz der statistischen Zusammenhänge raten Fachleute von verfrühten Schlüssen für den Alltag ab. Virginia Chang von der NYU School of Global Public Health heb hervor, dass die Resultate kein Grund seien, gezielt eine Gewichtszunahme anzustreben. Die Studie sei nicht darauf ausgelegt zu prüfen, ob eine gezielte Gewichtszunahme therapeutisch helfe.

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Zudem erfasse der BMI lediglich das Verhältnis von Gewicht zu Körpergröße und könne nicht zwischen Fett- und Muskelmasse unterscheiden. Chang betonte, dass ein Gewichtsverlust bei Demenz stets ärztlich abgeklärt werden sollte, das Gewicht zum Diagnosezeitpunkt jedoch als prognostisches Signal dienen könne.

Methodisch handelt es sich um eine Beobachtungsstudie, die keine ursächlichen Kausalzusammenhänge nachweisen kann. Die Arbeit wurde von den National Institutes of Health (NIH) finanziert (DOI: 10.1177/13872877261491694). Fachleute weisen zudem darauf hin, dass die relativen Risiken in der Veröffentlichung ohne Angaben zu den jeweiligen Gruppengrößen, absoluten Sterberaten oder Konfidenzintervallen berichtet wurden.

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de | wissenschaft | 70300667 |