Demenz, Abschied

Demenz und Abschied: 29.000 Betroffene verlieren 2026 ihren Partner

Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 01:51 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Ein Vortrag in Brinkum zeigt individuelle Wege, Menschen mit Demenz in Trauer und Bestattung würdevoll zu begleiten.

Hospizverein Stuhr informiert über Abschied mit Demenz
Ein friedlicher Gartenpfad mit einer hölzernen Bank im weichen Morgenlicht als Symbol für Ruhe und Abschied. Illustration mit AI erstellt.

Der Umgang mit dem Verlust eines Angehörigen stellt Familien vor tiefgreifende emotionale Herausforderungen. Wenn Hinterbliebene zudem von einer Demenzerkrankung betroffen sind, herrscht im Umfeld oft Unsicherheit über die angemessene Einbeziehung in den Abschiedsprozess.

Wie eine demenzfreundliche Bestattungskultur in der Praxis gestaltet werden kann, steht im Mittelpunkt einer Informationsveranstaltung des Hospizvereins Stuhr.

Bei dem Vortrag am Donnerstag, 15. Oktober, um 18.30 Uhr in der Bahnhofstraße 14 in Brinkum referiert die Fachfrau Sybille Wetzel über Möglichkeiten, Menschen mit kognitiven Einschränkungen einen würdevollen Abschied zu ermöglichen. Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenfrei, Spenden sind willkommen, und eine Anmeldung ist unter der Rufnummer 0151/75012431 möglich.

Individuelle Begleitung statt starrer Abläufe

Ein zentraler Grundsatz der demenzfreundlichen Bestattung liegt darin, dass Betroffenen die Todesnachricht nicht vorenthalten werden soll. Ein Verschweigen des Verlusts führt häufig zu zusätzlicher Verunsicherung oder Ängsten. Gleichzeitig existiert für die Begleitung kein fester, allgemeingültiger Standard. Vielmehr muss die Einbeziehung der Erkrankten individuell gestaltet werden.

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Dabei kommt es maßgeblich darauf an, welche spezifische Form und welche Phase der Demenz vorliegt. Die Gestaltung des Abschieds orientiert sich daher stets an den individuellen Bedürfnissen und den noch vorhandenen Fähigkeiten der betroffenen Personen. Während manche Betroffene aktiv an Trauerzeremonien teilnehmen können, eignen sich für andere ruhigere, persönliche Momente am Sarg oder an der Urne, um das Geschehene begreifbar zu machen.

Wachsender Bedarf und Schulungen in der Bestattungsbranche

Die gesellschaftliche Bedeutung dieses Themas nimmt stetig zu. Nach Schätzungen von Sybille Wetzel verlieren im Jahr 2026 in Deutschland rund 29.000 Menschen mit Demenz ihren Partner oder ihre Partnerin. Diese Zahl verdeutlicht, wie viele Haushalte und Familienverbände mit der doppelten Herausforderung aus Demenzbetreuung und akuter Trauerbewältigung konfrontiert sind.

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Um Angehörige in dieser sensiblen Situation fachgerecht zu unterstützen, bedarf es qualifizierter Fachkräfte im Bestattungswesen. Wetzel, die seit dem Jahr 2008 als Bestatterin in den Niederlanden tätig ist, führt seit 2017 entsprechende Fortbildungen durch. Die Qualifizierung zielt darauf ab, Berührungsängste abzubauen und praxistaugliche Wege der Kommunikation zu vermitteln.

Derzeit sind in Deutschland rund 200 Bestatter sowie 50 Trauerredner für den professionellen und sensiblen Umgang mit demenzkranken Trauernden geschult. Der Informationsabend in Brinkum soll Angehörigen und Interessierten aufzeigen, wie dieser Ansatz vor Ort Orientierung bieten kann.

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