Demenz, Fälle

Demenz: Über ein Drittel der Fälle durch Bewegung vermeidbar

03.06.2026 - 01:04:19 | boerse-global.de

Studie zeigt: Risikofaktoren für Demenz wirken bereits bei jungen Erwachsenen. Bewegung, Tanzen und neue Immuntherapien bieten vielversprechende Ansätze.

Demenz: Über ein Drittel der Fälle durch Bewegung vermeidbar - Bild: über boerse-global.de
Demenz: Über ein Drittel der Fälle durch Bewegung vermeidbar - Bild: über boerse-global.de

In Österreich waren es 2025 rund 172.000 Betroffene. Das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) rechnet vor: Über ein Drittel der Fälle ließe sich durch veränderbare Faktoren verhindern. Die Kombination aus Bewegung, sozialer Teilhabe und geistiger Stimulation steht dabei im Fokus.

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Warum die Risikofaktoren schon bei jungen Erwachsenen wirken

Eine aktuelle Studie der Universität Leipzig zeigt: Das Fundament für die geistige Fitness wird früh gelegt. Die Forscher nutzten den LIBRA-Demenzrisiko-Index und analysierten Daten von knapp 150.000 Teilnehmern der NAKO-Gesundheitsstudie – im Alter zwischen 20 und 75 Jahren.

Das Ergebnis: Schon bei den 20- bis 39-Jährigen sinkt die geistige Leistung, je höher der Risikoindex ausfällt. Allerdings unterscheiden sich die Risikofaktoren je nach Alter. Bei älteren Probanden dominieren Herz-Kreislauf-Probleme. Bei jüngeren Erwachsenen sind es vor allem Rauchen, Bewegungsmangel und depressive Symptome.

Auch der sozioökonomische Status spielt eine Rolle: Menschen mit geringerer Bildung oder niedrigerem Einkommen tragen ungünstigere Risikoprofile. Prof. Steffi G. Riedel-Heller vom Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health betont: Ansätze zur Risikoreduktion müssen bereits im frühen Erwachsenenalter greifen.

Tanzen als Training für Körper und Geist

Tanzen vereint motorische Anforderungen mit kognitiver Herausforderung. Genau deshalb gilt es zunehmend als wirksames Instrument der Gesundheitsförderung. Bundesweit laufen derzeit Projekte, die verschiedene Altersgruppen ansprechen.

In Mannheim startet Anfang Juni ein kostenfreies Tanzprojekt für Jugendliche und junge Erwachsene. Unter professioneller Anleitung entsteht eine eigene Produktion. Das Seniorenbüro der Stadt Bamberg organisiert Mitte Juni eine Veranstaltung, die Herz-Kreislauf-System und geistige Fitness durch Tanzen fördert.

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Die bundesweite Aktionswoche „Gemeinsam aus der Einsamkeit“ nutzt Ende Juni in Heidelberg ebenfalls Tanzformate und Gymnastik. Ziel: soziale Isolation bekämpfen und die psychische Gesundheit von Senioren stärken.

Fachleute erklären den Effekt so: Musik, Rhythmus und komplexe Bewegungsabfolgen stimulieren mehrere Gehirnareale gleichzeitig. Ergänzend zeigt die Gartentherapie, etwa bei Aktionen Anfang Juni in Oberbayern, wie Sinnesanregung durch Kräuter und Pflanzen das Wohlbefinden bei Demenz und Depressionen unterstützt.

Neue Ansätze aus Forschung und Technologie

Neben verhaltenstherapeutischen Maßnahmen liefern Biowissenschaften und Digitalisierung frische Impulse. Eine Studie der Universität Heidelberg und des DKFZ identifizierte im Frühjahr 2026 die Rolle spezifischer Killer-T-Zellen bei Alzheimer. Diese Immunzellen reagieren auf Amyloid-Ablagerungen im Gehirn und treiben Entzündungsprozesse voran – vor allem in späten Krankheitsstadien. Die Identifikation dieser Signalwege könnte die Basis für zeitlich präzise abgestimmte Therapien bilden.

Auf technologischer Ebene entstand im November 2025 die VR-Simulation „SimuDementia“. Die Anwendung lässt Angehörige und Pflegekräfte per Virtual Reality die Wahrnehmungswelt von Demenzkranken in verschiedenen Stadien nachvollziehen. Symptome wie Orientierungsverlust und Gedächtnisstörungen werden erlebbar – mit dem Ziel, Empathie und Versorgungsqualität in Gesundheitsberufen zu verbessern.

In der medikamentösen Forschung untersuchen Wissenschaftler der Texas A&M University neue Verabreichungsformen. Ein Nasenspray auf Basis extrazellulärer Vesikel konnte in Tierversuchen Entzündungen im Gehirn reduzieren und die Gedächtnisleistung über Monate stabilisieren. Ein US-Patent ist angemeldet, klinische Tests am Menschen stehen noch aus.

Die Vernetzung solcher Forschungsansätze mit Investoren und Politik thematisierte auch die Fachveranstaltung bio:cap, die Anfang Juni 2026 in Berlin Premiere feierte. Schwerpunkt: künstliche Intelligenz in den Life Sciences.

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