Demenz-Therapie: Antikörper Lecanemab verlangsamt Verlauf um 27%
Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 22:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Im Vorfeld des Welt-Alzheimertags am 21. September 2026 und der begleitenden Woche der Demenz vom 21. bis 27. September rücken nationale Demenzstrategien und wissenschaftliche Fortschritte zur frühzeitigen Erkennung in den Mittelpunkt. Gesundheitsbehörden und neurologische Institute verweisen auf die wachsende Dringlichkeit, Versorgungsangebote auszubauen und diagnostische Verfahren weiterzuentwickeln.
Epidemiologische Entwicklung und Versorgungsinitiativen
Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) leben rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland mit einer Demenz. Zum Welt-Alzheimertag veröffentlicht die Junge Geriatrie einen kostenlosen Demenz-Comic auf Basis einer französischen Graphic Novel.
Bundesweit liegt die Zahl der diagnostizierten Demenzerkrankungen bei etwa 1,8 Millionen, wobei rund 86 % der Pflegebedürftigen im häuslichen Umfeld betreut werden; die AOK wirbt anlässlich des Aktionstags für eine stärkere Unterstützung pflegender Angehöriger.
Laut Abrechnungsdaten und Hochrechnungen der AOK Thüringen sind im Freistaat rund 47.000 Personen betroffen; im Jahr 2024 litten dort mehr als 3 % der Bevölkerung ab 40 Jahren an einer Demenz. Zur Entlastung Angehöriger sucht die Universität Jena derzeit Teilnehmende für das Projekt AnDem-RoSe, das vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses mit rund 3 Millionen Euro gefördert wird.
Im stationären Bereich beteiligt sich das CaritasKlinikum Saarbrücken seit drei Jahren am Modellprojekt SEBDem und bietet Screenings, Schulungen sowie Patientenbetreuung an. Nach Klinikangaben weisen rund 40 % der über 65-Jährigen bei der Aufnahme kognitive Störungen auf.
Zudem erleidet laut einer Mitteilung des Hauses etwa jeder fünfte Patient über 70 Jahren im Krankenhaus ein Delir, wovon bis zu 60 % unentdeckt bleiben. Als lokale Anlaufstellen für betroffene Familien stehen in Augsburg der Pflegestützpunkt Mittlerer Lech 5 sowie das Alzheimer-Telefon unter 0821 3193-110 bereit.
In Österreich verzeichnet der Österreichische Demenzbericht 2025 rund 170.000 Demenzbetroffene, von denen zwei Drittel Frauen sind; bis 2050 ist demnach ein Anstieg auf mehr als 290.000 möglich.
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PVÖ-Präsidentin Gerstorfer fordert vor diesem Hintergrund einen Rechtsanspruch auf demenzgerechte Versorgung, Entlastungstage und einen Angehörigenbonus ab Pflegegeldstufe 3. In Kärnten, wo etwa 10.000 Betroffene leben, setzen das Land und die Landespolizeidirektion nach einem Testlauf in Villach und Velden auf eine flächendeckende Schulungsinitiative: Ein Dreistufenkonzept aus E-Learning, Präsenzunterricht und Praxiseinheiten in Heimen soll pro Bezirk rund 160 weitere Polizeikräfte qualifizieren.
In Graz sind schätzungsweise rund 5.000 Menschen von Demenz betroffen, in der gesamten Steiermark rund 27.000. Vom 21. bis 25. September 2026 findet in Graz die Aktionswoche „Langer Tag der Demenz“ unter dem Motto „Von Gestern ins Morgen“ statt, die am 25. September mit einem Informationstag am Kaiser-Josef-Markt endet, auf dem die Organisation SALZ und die Stadt Graz einen neuen Demenzwegweiser präsentieren.
In Ungarn beziffern Experteninterviews der Nachrichtenagentur MTI die Zahl der Erkrankten auf 200.000 bis 300.000 Menschen, was etwa 10 % der über 65-Jährigen entspricht. Einschließlich Angehöriger und Pflegekräfte ist dort fast eine Million Menschen direkt oder indirekt betroffen.
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Fortschritte in Diagnostik, Genomforschung und Therapie
In Deutschland versprechen neue Bluttests eine Diagnose bereits Jahre vor dem Ausbruch einer Demenz. An der Med Uni Graz konzentriert sich die Forschung auf die Früherkennung über Bildgebung, kognitive Tests sowie Blut- und Liquor-Biomarker. Dabei werden Neurofilamente mit Prozessen des alternden Gehirns verknüpft; zudem wurde die Hippocampus-Volumenmessung verbessert.
An der dortigen Gedächtnisambulanz ist die Behandlung des frühen Alzheimers mit den Antikörpern Lecanemab und Donanemab etabliert; die Einrichtung beteiligt sich am InRAD-Register und an der LETHE-AT-Studie.
Lecanemab ist seit kurzem in Österreich erhältlich und verlangsamt den Krankheitsverlauf laut Studien um 27 %. In Österreich leben schätzungsweise 50.000 Menschen mit mildem Alzheimer und 200.000 mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen; nach Abzug von Gegenanzeigen kommen voraussichtlich 5 bis 20 % dieser Gruppe für eine Antikörpertherapie infrage. Bei einem Fünftel der Behandelten treten Schwellungen oder Ödeme im Gehirn auf.
Auf molekularer Ebene ergab eine in der Fachzeitschrift Science publizierte Untersuchung von Forschern der Carnegie Mellon University, der University of Pittsburgh und der University of Washington neue Einsichten in die 3D-Genomorganisation.
Unter Einsatz der Methode GAGE-seq an Proben des präfrontalen Kortex stellten die Wissenschaftler eine verstärkte Vermischung aktiver und inaktiver Genomkompartimente sowie eine reduzierte Genaktivität bei Alzheimer-Patienten fest, woraus sich Ansätze für künftige Therapien ergeben könnten.
Hinsichtlich der Risikofaktoren beginnt im österreichischen Forschungsprojekt LETHE-AT im Herbst 2025 eine Teststudie mit Risikopersonen ohne Demenz. Entwickelt werden eine App zur Modifikation von Bewegung und Ernährung sowie Konzepte für Brain Health Services Zentren.
Laut dem Projekt sind 45 % aller Demenzfälle auf veränderbare Risikofaktoren zurückzuführen, was sich mit den Erkenntnissen der Lancet-Kommission aus dem Jahr 2024 deckt, die 14 potenziell beeinflussbare Faktoren benennt.
