Demenz: Tageszentren reduzieren Medikamentenbedarf messbar
Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 16:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Anlässlich des Weltalzheimertags wurde in Wien die zentrale Bedeutung von Tageszentren für Menschen mit Demenz sowie deren Umfeld hervorgehoben. In einer Pressekonferenz unterstrich die Diakonie die Notwendigkeit, das bestehende Angebot deutlich auszuweiten, um der steigenden Zahl an Erkrankten gerecht zu werden und die häusliche Pflege langfristig abzusichern.
Positive Auswirkungen auf Krankheitsverlauf und Lebensqualität
Die Bedeutung sozialer Teilhabe für Demenzerkrankte wird durch wissenschaftliche Untersuchungen gestützt. Petra Rösler, Sozialexpertin der Diakonie, verwies auf eine Wirkungsanalyse des Diakoniewerks Wels und der FH Oberösterreich. Demnach verbessere der Besuch von Tageszentren nicht nur die Lebensqualität der Betroffenen, sondern wirke sich auch positiv auf den Demenzverlauf aus.
Ein wesentlicher Aspekt dieser Betreuungsform sei die Entlastung der pflegenden Angehörigen. Durch die professionelle Unterstützung in den Zentren könnten Erkrankte deutlich länger in ihrem gewohnten häuslichen Umfeld verbleiben. Zudem zeigten die Beobachtungen, dass die Betroffenen oft weniger Medikamente benötigten, wenn sie regelmäßig an sozialen Aktivitäten in den Einrichtungen teilnähmen.
Versorgungslücken und wirtschaftliche Barrieren
Trotz der belegten Vorteile ist das Angebot laut Diakonie derzeit noch ausbaufähig. Ein Hindernis stelle unter anderem die Preisgestaltung dar: Die Tagespreise bewegen sich zwischen 25 und 80 Euro. Zudem sei nicht jede Einrichtung explizit für Menschen mit Demenz geöffnet, was den Zugang für diese spezifische Gruppe erschwere.
Aktuell nehmen rund 10.000 Personen in Österreich eine Tagesbetreuung in Anspruch. Dies entspricht etwa 2 % der Menschen mit einem Anspruch auf Pflegegeld. Die Diakonie weist jedoch darauf hin, dass der tatsächliche Bedarf wesentlich höher einzustufen sei. Basierend auf internationalen Umfragen werde vermutet, dass der Bedarf etwa das Vierfache der derzeitigen Nutzerzahlen erreiche.
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Prognosen und politisches Ausbauziel
Die Relevanz des Thema ergibt sich auch aus der demografischen Entwicklung. Nach Angaben des Berufsverbands Österreichischer Psychologinnen und Psychologen (BÖP) leben in Österreich derzeit rund 170.000 Menschen mit einer Demenzerkrankung. Bis zum Jahr 2050 wird ein Anstieg auf über 290.000 Betroffene prognostiziert.
Das Sozialministerium hat diese Entwicklung im aktuellen Pflegevorsorgebericht berücksichtigt und sieht einen Ausbau der Kapazitäten um 36 % vor. Allerdings warnte die Diakonie davor, dass dieses Ziel durch mögliche Sparmaßnahmen gefährdet sein könnte. Eine adäquate Finanzierung sei unerlässlich, um die geplante Infrastruktur tatsächlich realisieren zu können.
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Psychosoziale Unterstützung und interdisziplinäre Ansätze
Ergänzend zu den infrastrukturellen Forderungen der Diakonie betont der BÖP, dass Demenz nicht rein neurologisch, sondern als psychosoziale Erkrankung begriffen werden müsse. Der Verband fordert daher einen niederschwelligen und kassenfinanzierten Zugang zu psychologischer Behandlung für Erkrankte in allen Stadien.
Darüber hinaus brauche es eine systematische psychologische Unterstützung für pflegende Angehörige sowie die Verankerung fixer psychologischer Stellen in Wohn- und Pflegeheimen, Tageszentren und mobilen Diensten. Um die Versorgungsqualität zu sichern, spricht sich der BÖP zudem für den Ausbau spezialisierter Weiterbildungen in der Gerontopsychologie und eine engere interdisziplinäre Zusammenarbeit der beteiligten Berufsgruppen aus.
