Demenz-Screening bei PMOS: Fachleute raten von Routineuntersuchungen ab
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 03:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Übersichtsarbeit im Fachblatt Journal of the Endocrine Society unter Leitung von Ricardo Azziz von der University of Alabama at Birmingham untersucht das Risiko neurodegenerativer Erkrankungen bei Frauen mit polyendokrinem metabolischem Ovarialsyndrom (PMOS).
Die früher als polyzystisches Ovarsyndrom (PCOS) bezeichnete Störung steht demnach unter dem Verdacht, mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für Morbus Alzheimer sowie andere Formen von Demenz einherzugehen. Berichte über die Veröffentlichung der Arbeit heben jedoch hervor, dass dieser Zusammenhang noch weiterer Klärung bedarf.
Kognitive Beeinträchtigungen und metabolische Begleitfaktoren
Das Syndrom betrifft weltweit 10-15% der Frauen. Neben Infertilität wird PMOS bereits mit einer Reihe gesundheitlicher Risiken in Verbindung gebracht, darunter Diabetes, Herzkrankheiten, Schlaganfall, Endometriumkarzinom sowie Depression und Angst.
Klinische Untersuchungen zeigen laut Azziz zudem leichte, jedoch reproduzierbare Beeinträchtigungen bei den Exekutivfunktionen und dem Gedächtnis sowie messbare strukturelle und funktionelle Veränderungen im Gehirn.
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Die Autoren betonen allerdings, dass dieser Zusammenhang aller Voraussicht nach über metabolische Komorbiditäten wie Insulinresistenz und Adipositas vermittelt wird und nicht direkt durch das Syndrom selbst entsteht. PMOS löse eine Neurodegeneration nach bisherigem Erkenntnisstand nicht zwangsläufig unmittelbar aus.
Pathologische Mechanismen im Gehirn
In den ausgewerteten Studien fielen bei Betroffenen schlechtere Leistungen bei Exekutivfunktion, Aufmerksamkeit und Gedächtnis auf. Zudem wurden teils erhöhte Werte von Amyloid-Vorläuferprotein und Apolipoprotein E festgestellt – Auffälligkeiten, die in ähnlicher Form bei Typ-2-Diabetes und Alzheimer auftreten und sich bei gleichzeitiger Adipositas häufen.
Mechanistische Studien weisen Adipositas als zentralen Modifikator aus. Neben der Insulinresistenz gelten auch Dyslipidämie, chronische Entzündungen und Veränderungen der Geschlechtshormone als mögliche Erklärungsmodelle.
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Über Jahrzehnte hinweg könnten Regionen wie der Hippocampus und der Frontalcortex durch chronische Hyperinsulinämie und Entzündungsvorgänge anfälliger für synaptisches Versagen werden. Die Datenlage zur tatsächlichen Demenz-Inzidenz gilt dem Journal of the Endocrine Society zufolge jedoch als gemischt. Bislang ist zudem offen, ob eine metabolische Behandlung betroffener Patientinnen die spätere Demenzinzidenz senken kann.
Offene Kausalitätsfragen und Screening-Empfehlungen
Der Zusammenhang zwischen PMOS und Demenzerkrankungen ist nach wie vor als hypothetisch einzustufen. Eine Kausalbeziehung lässt sich auf Basis der aktuellen Daten nicht herstellen, weshalb weiterer Forschungsbedarf besteht. Vor diesem Hintergrund sprechen sich die Verfasser der Arbeit gegen ein Routine-Screening auf Demenz bei Frauen mit PMOS beziehungsweise PCOS aus.
Finanziert wurde die im Journal of the Endocrine Society publizierte Untersuchung durch die Foundation for Research and Education Excellence.
