Demenz, Produktivitätsverluste

Demenz: Produktivitätsverluste beginnen 15 Jahre vor Diagnose

Veröffentlicht: 16.07.2026 um 06:03 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Neue Forschung belegt: Berufliche Einbußen treten Jahre vor einer Demenz-Diagnose auf. Zudem zeigen Bluttests hohe prognostische Aussagekraft.

Demenz-Studie: Frühe Einkommensverluste und neue Bluttests
Nahaufnahme von Händen, die einen zerknüllten Finanzbericht halten, im Hintergrund unscharf arbeitende Büroangestellte. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Das belegt eine neue Studie in der Fachzeitschrift Neurology.

Forscher analysierten Daten von 793 Patienten mit früh beginnender Demenz (Early-Onset Dementia, EOD) und verglichen sie mit über 7.900 gesunden Personen. Ergebnis: Die beruflichen Einbußen beginnen bis zu 15 Jahre vor der offiziellen Diagnose.

Einkommensverluste: 74.577 Euro pro Patient

Die kumulierten Einkommensverluste pro Betroffenem belaufen sich auf durchschnittlich 74.577 Euro – über einen Zeitraum von 15 Jahren vor der Diagnose. Pro Jahr sind das rund 12.021 Euro.

Die von Roche Oy mitfinanzierte Studie unterscheidet zwischen verschiedenen Demenzformen:

  • Alzheimer: Produktivitätsverluste beginnen etwa sechs Jahre vor der Diagnose (durchschnittlich 2.767 Euro) und steigen bis zur Diagnose auf 11.431 Euro.
  • Frontotemporale Demenz (FTD): Die Einbußen setzen bereits elf Jahre vor der Diagnose ein (4.799 Euro) und erreichen zum Diagnosezeitpunkt 16.116 Euro.
  • Lewy-Body-Demenz: Signifikante wirtschaftliche Auswirkungen zeigen sich erst unmittelbar zum Zeitpunkt der Diagnose (11.284 Euro).

Risiken erkennen – nicht erst im Alter

Dass kognitive Risiken auch jüngere Menschen betreffen, zeigt die NAKO-Gesundheitsstudie mit rund 150.000 Teilnehmern zwischen 20 und 75 Jahren. Veröffentlicht in Alzheimer's & Dementia: Der LIBRA-Index (Lifestyle for Brain Health) korreliert bereits bei den 20- bis 39-Jährigen mit der kognitiven Leistung.

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Ein höherer Indexwert – also ein ungesünderer Lebensstil – geht in allen Altersstufen mit schlechterer kognitiver Performance einher. Bei jüngeres Erwachsenen dominieren psychosoziale Faktoren, Rauchen, Bewegungsmangel und depressive Symptome. Bei älteren Probanden sind es vor allem kardiovaskuläre Risikofaktoren.

Neue Bluttests: CE-Zertifizierung im Mai 2026

Im Bereich der Labormedizin gab es Fortschritte. Zwei Bluttests auf Basis des Biomarkers p-tau217 erhielten im Mai 2026 die CE-Zertifizierung. Sie werden etwa in der Schweiz für rund 50 Franken angeboten – derzeit primär für Personen mit bereits vorhandenen Symptomen.

Doch die Tests könnten mehr leisten. Daten von der Konferenz AAIC in London und aus dem Fachmagazin JAMA (Juli 2026) deuten darauf hin: Auch bei symptomfreien älteren Erwachsenen (Durchschnittsalter 70 Jahre) hat p-tau217 hohe prognostische Aussagekraft. Bei Probanden mit sehr hohen Werten lag das Risiko für eine kognitive Beeinträchtigung innerhalb von zehn Jahren bei 78 Prozent. Der Test liefert laut Studienautoren zusätzliche Informationen – über Hirnscans oder Gentests hinaus.

WHO: 45 Prozent des Demenzrisikos sind beeinflussbar

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat am 15. Juli 2026 aktualisierte Leitlinien veröffentlicht. Demnach sind bis zu 45 Prozent des Demenzrisikos durch modifizierbare Faktoren beeinflussbar. Weltweit sind rund 57 Millionen Menschen betroffen.

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Erstmals empfiehlt die WHO explizit soziale Aktivitäten, den Einsatz von Hörgeräten bei Hörverlust sowie die Reduzierung von Luftverschmutzung als präventive Maßnahmen. Körperliche Aktivität und kognitive Stimulation bleiben zentral. Die Behandlung von Bluthochdruck, Diabetes und Schlafstörungen ebenfalls. Für Vitaminpräparate hingegen konnte kein Nutzen zur Risikosenkung belegt werden.

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