Demenz-Prävention: Strukturierte Lebensstil-Programme senken Risiko um 55%
Veröffentlicht: 15.07.2026 um 15:18 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Eine groß angelegte Studie aus Lateinamerika belegt erstmals: Strukturierte Lebensstil-Programme verbessern die kognitive Leistungsfähigkeit älterer Menschen deutlich.
Die LatAm-FINGERS-Studie ist die erste nicht-pharmakologische klinische Studie dieser Größenordnung in der Region. Die Ergebnisse wurden am 13. Juli auf der Alzheimer’s Association International Conference in London sowie im Fachjournal The Lancet veröffentlicht.
Bewegung, Ernährung und soziales Training
An der Untersuchung nahmen 1.065 Probanden zwischen 60 und 77 Jahren aus elf lateinamerikanischen Ländern teil. Alle hatten ein erhöhtes Risiko für Demenzerkrankungen, zeigten aber zu Beginn keine kognitiven Beeinträchtigungen.
Die Forscher teilten die Teilnehmer in zwei Gruppen auf. Eine Gruppe erhielt strukturierte Lebensstil-Interventionen (SLI), die andere lediglich allgemeine Gesundheitsempfehlungen. Die strukturierte Intervention umfasste fünf Kernbereiche: körperliche Aktivität, gesunde Ernährung, Kontrolle kardiovaskulärer Risikofaktoren, kognitives Training und soziale Teilhabe.
Nach zwei Jahren zeigte die SLI-Gruppe eine um 55 Prozent stärkere Verbesserung der globalen Kognition. Die positiven Effekte betrafen besonders das episodische Gedächtnis, die exekutiven Funktionen und die Verarbeitungsgeschwindigkeit.
Kolumbianische Forscher passen Maßnahmen an
Ein wesentlicher Bestandteil der Studie war die Beteiligung kolumbianischer Wissenschaftler. Die Neuroscience Group of Antioquia der Universität von Antioquia überwachte 100 Bewohner aus Sabaneta und Medellín.
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Lokale Forschungsteams ermöglichten eine kulturelle Anpassung der Maßnahmen. So integrierten sie regionale Tänze wie Salsa und Tango in das Bewegungsprogramm. Auch die MIND-Diät wurde auf lokale Lebensmittel abgestimmt.
Die Alzheimer’s Association unterstützte das Projekt mit Investitionen von über 81 Millionen US-Dollar. Rund 82,3 Prozent der Teilnehmer schlossen die zweijährige Nachbeobachtung ab. Die aufgetretenen unerwünschten Ereignisse standen laut den Berichten in keinem Zusammenhang mit den Interventionen.
Demenz-Prävalenz steigt rasant
Die Notwendigkeit präventiver Ansätze zeigt eine weitere Studie aus dem Juli 2026 in JAMA Neurology. Forscher der Washington University und der Newcastle University werteten Daten von 16.950 Erwachsenen über 65 Jahren aus fünf Regionen aus, darunter Mexiko, Peru und Puerto Rico.
Die über zwei Jahrzehnte erhobenen Daten belegen einen deutlichen Anstieg der Demenz-Prävalenz. Lag der Anteil der Betroffenen zu Beginn bei durchschnittlich 10,6 Prozent, stieg er zuletzt auf 16,9 Prozent. Besonders starke Zunahmen verzeichneten Mexiko (von 9,6 auf 14,5 Prozent) und Peru (von 7,6 auf 11,7 Prozent).
Bluttest soll Risiko vorhersagen
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Parallel zu den Präventionsstudien gab es Fortschritte in der Diagnostik. Eine in JAMA veröffentlichte Studie mit 2.684 gesunden älteren Erwachsenen untersuchte einen Bluttest zur Messung des p-tau217-Werts.
Personen mit den höchsten Werten hatten eine Wahrscheinlichkeit von 38 Prozent, innerhalb von fünf Jahren kognitive Beeinträchtigungen zu entwickeln. Nach zehn Jahren stieg dieses Risiko auf 78 Prozent. Fachleute betonen: Der Test dient vorerst dazu, Teilnehmer für klinische Studien zu identifizieren – für den allgemeinen klinischen Einsatz ist er noch nicht vorgesehen.
Neue Milliarden-Studie startet
Die Alzheimer’s Association startete im Juli 2026 die mit 100 Millionen US-Dollar dotierte PROTECT-Cog-Studie. In dieser weltweiten Untersuchung soll über drei Jahre geprüft werden, ob die Kombination aus strukturierten Lebensstil-Interventionen und einem GLP-1-Rezeptoragonisten das Risiko eines kognitiven Abbaus weiter senken kann.
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