Demenz-Prävention, Käse

Demenz-Prävention: Käse und Vitamin D senken Risiko um bis 53%

Veröffentlicht am: 13.09.2026 um 00:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien verknüpfen MIND-Ernährung, Bewegung und bestimmte Nährstoffe mit geringerem Demenzrisiko, warnen jedoch vor hoch dosierten Präparaten.

Alzheimer vorbeugen: Ernährung, Bewegung und Vitamine im Check
Eine Auswahl frischer, gesunder Lebensmittel wie Olivenöl, Nüsse, grünes Blattgemüse und Fisch auf einem Holztisch. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen und Langzeitstudien liefern differenzierte Erkenntnisse darüber, wie Ernährungsgewohnheiten und Mikronährstoffe die kognitive Gesundheit beeinflussen können. Im Fokus stehen dabei insbesondere die Prävention von Alzheimer sowie der allgemeine Erhalt der Gehirnfunktion im Alter.

Milchprodukte und Fettkonsum im Kontext neurodegenerativer Erkrankungen

Eine schwedische Langzeitstudie, die 27.670 Erwachsene über einen Zeitraum von 25 Jahren begleitete, deutet auf einen Zusammenhang zwischen dem Konsum bestimmter Vollfett-Milchprodukte und einem reduzierten Demenzrisiko hin.

Den Ergebnissen zufolge war der Verzehr von mehr als 50 g Vollfettkäse täglich bei Personen ohne genetische Veranlagung mit einem um 13 bis 17 % geringeren Alzheimer-Risiko verbunden.

Zudem wurde bei einem täglichen Konsum von mehr als 20 g Vollfett-Sahne ein um 16 bis 24 % niedrigeres Demenzrisiko beobachtet. Bei fettarmer Milch oder fermentierten Milchprodukten stellten die Forscher hingegen keinen derartigen Zusammenhang fest.

Im Gegensatz dazu weisen Untersuchungen der Forscherin Olivia Okereke darauf hin, dass hohe Mengen gesättigter Fettsäuren, wie sie etwa in Butter vorkommen, bei Frauen langfristig mit einer schlechteren kognitiven Leistung assoziiert sind. Gesättigte Fette könnten die Glukoseaufnahme im Gehirn beeinträchtigen. Als gesundheitsförderlich gelten hingegen Omega-3-Fettsäuren aus Fisch, Nüssen und Olivenöl.

Die Bedeutung der MIND-Diät und allgemeiner Lebensgewohnheiten

In Fachpublikationen wie JAMA Neurology werden fünf wesentliche Gewohnheiten hervorgehoben, die das Demenzrisiko signifikant senken können: Nichtrauchen, geistige Stimulation, ein moderater Alkoholkonsum sowie körperliche Aktivität von mindestens 150 Minuten pro Woche. Sport könne das Risiko laut Daten aus dem Jahr 2024 um bis zu 40 % reduzieren.

Ein zentraler Baustein der Prävention ist die sogenannte MIND-Diät, eine Kombination aus mediterraner Ernährung und der DASH-Diät. Studien der Universität Hawaii und des Instituto Español de Medicina de Estilo de Vida belegen die Wirksamkeit: Probanden mit hohen MIND-Scores wiesen eine um 53 % niedrigeres Alzheimer-Rate auf, während moderate Scores die Rate noch um 35 % senkten. Kognitives Training und die konsequente Einhaltung dieser Diätform können das Risiko jeweils um etwa 25 % mindern.

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Mikronährstoffe: Potenziale und Risiken von Vitaminpräparaten

Die Versorgung mit Vitaminen spielt bereits in der frühen Entwicklung eine Rolle. Eine dänische Studie der Universität Kopenhagen vom Mai 2026 zeigte bei Kindern im Alter von etwa zehn Jahren Vorteile beim verbalen und visuellen Gedächtnis, wenn die Mütter während der Schwangerschaft täglich 70 µg Vitamin D eingenommen hatten. Auch eine US-Beobachtungsstudie aus dem Jahr 2023 verknüpfte einen höheren Vitamin-D-Status mit weniger Verhaltensproblemen bei Kindern.

Für Senioren ab 70 Jahren sind neben Vitamin D auch B12, C, E, K2 und Folsäure (B9) von Bedeutung. Schätzungen zufolge nehmen rund 90 % der Erwachsenen zwischen 51 und 70 Jahren nicht ausreichend Vitamin D über die Nahrung auf.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) gibt einen Höchstwert von 100 µg pro Tag an, während die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) bei fehlender Sonnenlicht-Exposition 20 µg täglich empfiehlt.

Experten mahnen jedoch zur Vorsicht bei der Supplementierung: Die Deutsche Krebsgesellschaft weist darauf hin, dass sehr hohe Dosen Vitamin B12 das Wachstum vorhandener Krebszellen verstärken könnten. Zudem begünstige die zusätzliche Einnahme der Antioxidantien A, C und E laut einer Studie von 2023 unter Umständen das Risiko für bösartige Lungentumore.

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Medizinische Ansätze und ergänzende Faktoren

Über die Ernährung hinaus zeigen pharmakologische Daten neue Perspektiven. Eine Beobachtungsstudie des Universitätsklinikums Kopenhagen, die Daten von 132.000 Typ-2-Diabetikern aus den Jahren 2006 bis 2019 auswertete, stellte fest, dass der Beginn einer Statintherapie im ersten Jahr nach der Diabetesdiagnose das Demenzrisiko nach zehn Jahren um 15 % senken konnte.

Zudem wird das Potenzial von Vitalpilzen wie der Löwenmähne (Hericium erinaceus) untersucht. Bioaktive Verbindungen in diesem Pilz können die Blut-Hirn-Schranke überwinden und das Nervenwachstum stimulieren. Eine Studie aus dem Jahr 2008 zeigte kognitive Verbesserungen bei leichter Beeinträchtigung, die jedoch nach Ende der Einnahme wieder verschwanden. Klinische Belege für eine Heilung von Alzheimer liegen bisher nicht vor.

Fachleute wie die Apothekerin Susanne Donate betonen ergänzend die Wichtigkeit einer ausreichenden Proteinzufuhr im Alter, etwa durch Skyr oder Hülsenfrüchte. Für gesunde Erwachsene gilt eine Menge von bis zu 2,0 g Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht als sicher.

Gleichzeitig warnen Erhebungen des Robert Koch-Instituts (RKI) aus dem Zeitraum 2021 bis 2023 vor Defiziten im Lebensstil: Rund 78 % der Menschen über 65 Jahre bewegen sich zu wenig, und 72 % konsumieren unzureichende Mengen an Obst und Gemüse.

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