Demenz-Prävention, Fälle

Demenz-Prävention: 45 Prozent der Fälle durch Lebensstil vermeidbar

Veröffentlicht am: 02.08.2026 um 10:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Auswertung von acht klinischen Studien zeigt: Lithium schützt nicht nachweisbar vor Demenz. Experten warnen vor den Risiken einer unkontrollierten Einnahme.

Lithium gegen Demenz: Studien belegen keine Schutzwirkung
Ein Laborbecher mit klarer Flüssigkeit auf einem sterilen Labortisch als Symbol für wissenschaftliche Analysen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Hoffnung, Lithium könnte Demenz vorbeugen, hat einen schweren Dämpfer erlitten. Eine systematische Auswertung klinischer Studien findet keine belastbaren Belege für eine Schutzwirkung. Fachleute warnen zugleich vor den gesundheitlichen Risiken einer unkontrollierten Einnahme.

Ernüchternde Bilanz klinischer Prüfprogramme

Eine am 2. August 2026 veröffentlichte Auswertung von acht placebo-kontrollierten, randomisierten Studien kommt zu einem klaren Ergebnis: Es gibt keine belastbaren Belege für eine Schutzwirkung von Lithium gegen Demenz. Bereits am 31. Juli 2026 hatte „Medizin transparent“ (Cochrane Österreich und Donau-Universität Krems) auf die widersprüchliche Datenlage hingewiesen.

Das Bild ist ernüchternd: Vier der acht Studien zeigten keinerlei Effekt, drei lieferten uneindeutige Resultate. Nur eine einzige Studie deutete auf eine mögliche Schutzwirkung hin – wies jedoch gravierende methodische Schwächen auf. Auch frühere Beobachtungen, die Lithium im Trinkwasser als präventiven Faktor identifiziert hatten, konnten wissenschaftlich nicht bestätigt werden.

Die Experten betonen: Lithium ist eine hochtoxische Substanz. In der Europäischen Union ist der Einsatz in Nahrungsergänzungsmitteln untersagt. Eine therapeutische Anwendung darf ausschließlich unter strenger ärztlicher Aufsicht erfolgen, da die Grenze zwischen wirksamer und vergiftender Dosis sehr schmal ist.

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Prävention durch Lebensstil statt Supplementierung

Statt auf Medikamente setzen internationale Gesundheitsorganisationen auf veränderbare Lebensstilfaktoren. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nennt in ihren Leitlinien wirksame Alternativen: regelmäßige körperliche Aktivität, ausgewogene Ernährung, Verzicht auf Tabak sowie konsequente Blutdruckkontrolle.

Auch die Lancet Commission wies 2024 darauf hin, dass bis zu 45 Prozent der weltweiten Demenzfälle durch 14 beeinflussbare Risikofaktoren vermieden oder hinausgezögert werden könnten. Neben der Behandlung von Hörverlust und sozialer Integration spielt die kognitive Reserve eine entscheidende Rolle. Eine Untersuchung der University of Queensland zeigte zudem: Das sogenannte Frailty-Syndrom – ein Zustand körperlicher Schwäche und ungewollten Gewichtsverlusts – kann eine Demenzdiagnose um zwei bis sechs Jahre beschleunigen.

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Neue Ansätze in der Wirkstoff- und Begleitforschung

Während die präventive Wirkung von Lithium widerlegt scheint, untersuchen Forscher andere Ansätze. Eine israelische Studie, veröffentlicht am 31. Juli 2026 im Journal of Cannabis Research, testete Cannabisblüten-Extrakte im Labor. In-Vitro-Versuche deuteten darauf hin, dass bestimmte Fraktionen Enzyme hemmen können, die bei der Entstehung von Alzheimer eine Rolle spielen. Die Autoren betonen jedoch: Diese Zellkultur-Ergebnisse lassen keine direkte therapeutische Aussage zu.

Einen anderen Fokus setzt die Phase-2-Studie „LiBBY“. Hier wurde eine spezifische CBD/THC-Formulierung bei Patienten mit fortgeschrittener Demenz getestet. Ziel war nicht die Heilung, sondern die Reduktion von Agitation und Unruhezuständen. Nach zwölf Wochen zeigten über 80 Prozent der Probanden eine signifikante Verbesserung des klinischen Zustands im Vergleich zur Kontrollgruppe.

Parallel gewinnen digitale und psychosoziale Angebote an Bedeutung. Am Städel Museum in Frankfurt entstand die App „Artemis Digital“, die Menschen mit Demenz den Zugang zu Kunstwerken ermöglicht. Eine begleitende Studie mit 40 Teilnehmern deutet darauf hin, dass solche Angebote die Lebensqualität und die Beziehungsqualität zwischen Betroffenen und Angehörigen messbar steigern können.

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