Demenz-Prävention: 45 Prozent der Fälle durch Lebensstil vermeidbar
Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 06:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Neue Studien belegen: Die Zusammensetzung der Darmflora und unsere Ernährungsgewohnheiten bestimmen maßgeblich über psychische Gesundheit, kognitive Leistungsfähigkeit und das Risiko für neurodegenerative Erkrankungen.
Die Kommunikationswege zwischen Darm und Gehirn
Das Mikrobiom fungiert als entscheidender Faktor für die Psyche. Martin Walter, Forscher für Lebensstil und Gehirn, betont die enge Verknüpfung beider Systeme.
Eine aktuelle Studie in Translational Psychiatry belegt: Von der Darmmikrobiota produzierte Metabolite prägen die Entwicklung stressbedingter psychischer Störungen. Diese Stoffwechselprodukte modulieren die Signalwege der Stressreaktivität und die Neuroentwicklung.
Doch es gibt noch einen weiteren Übertragungsweg: Bei ungesunder Ernährung, die das Mikrobiom negativ verändert, können Bakterien über den Vagusnerv direkt ins Gehirn gelangen. Die Folge: Entzündungen werden gefördert, die Hirnfunktion verändert sich nachhaltig.
Ketogene Diät: Hilfe bei psychischen Störungen?
Die ketogene Ernährung rückt zunehmend in den Fokus der Therapieforschung. Sie verändert den Hirnstoffwechsel grundlegend: Durch die Nutzung von Ketonkörpern als Energiequelle werden Entzündungsprozesse gehemmt und das Verhältnis der Neurotransmitter Glutamat und GABA beeinflusst.
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Eine randomisierte kontrollierte Studie mit 90 Teilnehmern zeigte leichte Verbesserungen bei behandlungsresistenter Depression. Weitere Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Keto-Diät auch bei bipolarer Störung, Schizophrenie und Anorexie lindernd wirken kann.
Wichtig: Experten betonen, dass eine solche Umstellung zwingend unter ärztlicher Begleitung erfolgen muss.
Demenz-Prävention: 45 Prozent der Fälle vermeidbar
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat ihre Leitlinien aktualisiert: Bis zu 45 Prozent der Demenzfälle sind durch beeinflussbare Lebensstilfaktoren vermeidbar. Dazu zählen Bewegung, soziale Aktivität – und vor allem spezifische Ernährungsmuster.
Aktuelle Analysen in JAMA Network Open untermauern diese Empfehlungen:
- Entzündungshemmende Ernährung: Eine Studie mit 1.865 Teilnehmern über 15 Jahre zeigt: Eine entzündungsarme Ernährung senkt das Demenzrisiko selbst bei Personen mit erhöhten Alzheimer-Biomarkern um 29 Prozent.
- Polyphenole: In Beeren, Olivenöl und Tee enthaltene Pflanzenstoffe schützen das Gehirn über die Darmflora. Mediterrane und nordische Ernährung gelten als besonders protektiv.
- Diversität: Wer 30 verschiedene Pflanzen pro Woche isst, senkt das Risiko für entzündungsbedingte Krankenhausaufenthalte um 31 Prozent.
Neben der richtigen Ernährung halten Experten auch gezielte Alltagsübungen für entscheidend, um das Gehirn bis ins hohe Alter fit zu halten. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Leitfaden, wie Sie Ihre Konzentration und Ihr Gedächtnis nachhaltig stärken. 11 Alltagsübungen zur Demenz-Prävention kostenlos herunterladen
Medikamente als neuer Ansatz
Da Typ-2-Diabetes das Alzheimer-Risiko um rund 50 Prozent erhöht, gewinnen Antidiabetika an Bedeutung. SGLT2-Inhibitoren senken das Alzheimer-Risiko um 43 Prozent, GLP-1-Rezeptoragonisten um 33 Prozent.
Parallel dazu testet Roche in der Phase-III-Studie PrevenTRON das Medikament Trontinemab an 1.600 symptomfreien Risikopersonen.
Joghurt, Bewegung und ein synthetisches Peptid
Japanische Forscher zeigen: Die Kombination aus täglichem Naturjoghurt, Ernährungsumstellung und Bewegung verlangsamt das biologische Altern. In einer zwölfwöchigen Studie mit übergewichtigen Männern maßen sie eine Verlangsamung um 2,2 Prozent – ein DNA-Marker für die Nierenfunktion verbesserte sich.
Die Universität Bonn vermeldet zudem Erfolge mit einem synthetischen Peptid namens Pep19-2.5. Es bremst Entzündungsreaktionen über einen neuen Mechanismus an der Zellmembran. Der Ansatz könnte künftig nicht nur bei Asthma, sondern auch bei chronischen Entzündungserkrankungen des Nervensystems zum Einsatz kommen.
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