Demenz-Prävention, Fälle

Demenz-Prävention: 45% der Fälle sind vermeidbar durch Lebensstil

Veröffentlicht am: 11.08.2026 um 20:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Apotheken etablieren sich als wichtige Anlaufstelle für Demenz-Prävention. Neue Studien und Pilotprojekte zeigen, wie Früherkennung und Lebensstilberatung die Versorgung verbessern können.

Apotheken als Schlüssel zur Demenz-Früherkennung: Neue Beratungsansätze und Studien
Eine Apothekerin im Beratungsgespräch mit einem älteren Patienten in einer hellen, modernen Apotheke. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

In der medizinischen Versorgung gewinnt die Rolle der Apotheken bei der Früherkennung von Demenz und der Beratung zur Prävention zunehmend an Bedeutung. Aktuelle Erhebungen und wissenschaftliche Berichte unterstreichen das Potenzial eines niederschwelligen Zugangs zu Gesundheitsdienstleistungen, um den Herausforderungen der kognitiven Alterserkrankungen zu begegnen. Da Apotheken oft die erste Anlaufstelle im Gesundheitssystem darstellen, wird ihre Funktion über die reine Arzneimittelabgabe hinaus im Bereich der kognitiven Gesundheit im Sommer 2026 verstärkt thematisiert.

Präventionspotenzial durch Lebensstiländerungen

Wissenschaftliche Analysen verdeutlichen, dass ein erheblicher Teil der Demenz-Erkrankungen durch präventive Maßnahmen vermeidbar oder zumindest verzögerbar ist. Die Lancet-Kommission stellte fest, dass mehr als 45 % der Demenz-Fälle auf beeinflussbare Risikofaktoren zurückzuführen sind. In Deutschland zeigen Daten des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), dass etwa 36 % der Fälle durch einen gesunden Lebensstil beeinflusst werden können. Diese Erkenntnisse basieren unter anderem auf dem Alterssurvey 2023, an dem rund 5.000 Personen ab einem Alter von 40 Jahren teilnahmen.

Besonders die Lebensmitte stellt laut Fachleuten der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) eine entscheidende Phase für die Prävention dar. Eine Langzeituntersuchung, die ARIC-Studie, welche in der Fachzeitschrift „Neurology“ publiziert wurde, belegt diesen Zusammenhang. Die Untersuchung begleitete über 12.400 Teilnehmer mit einem Durchschnittsalter von 55 Jahren über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren. Die Ergebnisse zeigen, dass Personen ohne die Risikofaktoren Bluthochdruck, Diabetes und Rauchen ab einem Alter von 55 Jahren durchschnittlich 30,1 demenzfreie Jahre erwarten können. Bei Vorliegen aller drei Risikofaktoren sinkt dieser Wert auf 17,5 Jahre – eine Differenz von 12,6 Jahren.

Pilotprojekte und Schulungsinitiativen in Apotheken

Um dieses Wissen in die Fläche zu tragen, werden spezifische Beratungskonzepte erprobt. Im Rahmen des Pilotprojekts „Dare“ in München wurde ein 15-minütiger Demenztest für Apotheken entwickelt. Dieser basiert auf einem wissenschaftlichen Fragebogen der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) und soll eine erste Einschätzung ermöglichen. Parallel dazu setzen Bundesländer wie Baden-Württemberg auf eine fachliche Qualifizierung des Personals. Dort werden Online-Schulungen angeboten, die Apotheken dabei unterstützen, sich als zertifizierte Demenz-Partner zu etablieren.

Ziel dieser Initiativen ist es, Hemmschwellen abzubauen und die Früherkennung zu beschleunigen. Eine rechtzeitige Diagnose gilt als Voraussetzung für eine optimale Behandlung und die Planung der weiteren pflegerischen Versorgung.

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Forderungen nach strukturellen Verbesserungen in der Geriatrie

Ein am 21. Juli 2026 in der „Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie“ veröffentlichtes Expertenpapier fordert über die Apothekenberatung hinausgehende strukturelle Anpassungen. Die Autoren betonen die Notwendigkeit, geriatrische Assessments als Standard zu etablieren und die Prävention im Alter massiv zu stärken. Zu den zentralen Forderungen gehören:

  • Der Aufbau ambulanter geriatrischer Zentren und multiprofessioneller Teams.
  • Die Überwindung von Sektorengrenzen in der Finanzierung und Versorgung.
  • Eine Vergütung, die sich stärker an der Komplexität der Fälle orientiert.
  • Die Förderung von Forschung, Lehre und einer patientenorientierten Digitalisierung.

Hintergrund dieser Forderungen ist unter anderem die hohe Zahl von jährlich rund 700.000 Frakturen in Deutschland, von denen viele durch gezielte Sturzprävention und geriatrische Betreuung vermeidbar wären.

Regionale Informationsangebote für Betroffene und Angehörige

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Begleitend zur strukturellen Entwicklung finden im Spätsommer und Herbst 2026 zahlreiche Informationsveranstaltungen statt. Die Alzheimer Gesellschaft Düsseldorf bietet in Krefeld eine kostenfreie Vortragsreihe an. In der zweiten Augusthälfte stehen Themen wie die Erstdiagnose, Kommunikation im Umgang mit Erkrankten sowie gesetzliche Pflegeleistungen im Fokus.

Ein weiterer Termin zur Früherkennung und Diagnostik ist für den 8. Oktober 2026 in Langenhagen angesetzt. Im Rahmen der regionsweiten Wochen der Demenz referieren dort Fachärzte der Gerontopsychiatrie und Demenzbeauftragte über die klinischen Wege der Abklärung. Solche Angebote ergänzen die Beratung in der Apotheke und dienen der Vernetzung von medizinischer Fachkenntnis und praktischer Unterstützung für pflegende Angehörige.

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