Demenz-Prävention, Fälle

Demenz-Prävention: 45% aller Fälle durch Optimierung vermeidbar

31.05.2026 - 01:50:36 | boerse-global.de

Studie zeigt: Gestörter Schlaf beeinträchtigt die Gehirnreinigung und erhöht das Demenzrisiko. Neue Biomarker und KI-Modelle verbessern die Früherkennung.

Demenz-Prävention: 45% aller Fälle durch Optimierung vermeidbar - Bild: über boerse-global.de
Demenz-Prävention: 45% aller Fälle durch Optimierung vermeidbar - Bild: über boerse-global.de

Das legt eine aktuelle Übersichtsarbeit in der Fachzeitschrift Science nahe.

Die Neurowissenschaftlerin Maiken Nedergaard von der University of Rochester veröffentlichte die Studie am 26. Mai. Ihr Fazit: Chronischer Stress, Depressionen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und der natürliche Alterungsprozess beeinträchtigen alle das glymphatische System. Dieses Reinigungssystem ist für die Abfallentsorgung im Gehirn zuständig.

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Wie das Gehirn sich reinigt

Der Reinigungsprozess läuft primär während des Non-REM-Schlafs. Neuromodulatoren wie Noradrenalin steuern ihn. Dabei werden potenziell schädliche Proteine wie Amyloid und Tau aus dem Gewebe entfernt. Ist dieser biologische Takt gestört, bleibt die Entsorgung unvollständig. Pathogene Ablagerungen können sich ansammeln.

Weitere Forschungen untermauern die Komplexität des Systems. Die Gladstone Institutes stellten am 29. Mai ein Modell vor, das die Abtransportwege präziser kartiert. Mithilfe des ZsGreen-Proteins identifizierten sie lokale Routen in der Dura, dem Schädel oder der Nasenhöhle, über die Abfallstoffe das Gehirn verlassen. Bei Alzheimer scheinen diese Wege blockiert zu sein.

KI misst Reinigungsgeschwindigkeit

Die University of Rochester veröffentlichte am 30. Mai Ergebnisse eines KI-Modells. Damit ließ sich erstmals die Geschwindigkeit der Flüssigkeitsströme im lebenden Gehirn messen. Die Reinigung nahe der Gehirnoberfläche läuft demnach deutlich schneller ab als in tiefen Gewebeschichten – dort kann sie bis zu fünfzigmal langsamer sein. Ein Ansatz für neue Diagnoseverfahren.

Biomarker: Bluttests und Wearables

Zwei im Mai in The Lancet veröffentlichte Studien unterstreichen Fortschritte bei der Früherkennung. Eine Untersuchung der UCSF an 1.350 Teilnehmern zwischen 53 und 69 Jahren zeigte: Blutbiomarker wie p-tau217 und Amyloid korrelieren mit einem signifikant erhöhten Risiko für kognitiven Abbau.

Als nichtinvasiver Biomarker wird zudem die Herzratenvariabilität (HRV) diskutiert. Über Wearables messbar, könnte sie Schlafrhythmen und deren Einfluss auf die Gehirngesundheit kontinuierlich überwachen. Wissenschaftliche Übersichten vom 30. Mai weisen darauf hin, dass die HRV den biologischen Takt widerspiegelt, der auch die glymphatische Reinigung steuert. Zur klinischen Validierung sind jedoch weitere Studien nötig.

Bewusstseinssignatur im Schlaf entdeckt

Forscher der Ludwig-Maximilians-Universität München veröffentlichten am 29. Mai eine Studie zur Differenzierung von Bewusstseinszuständen. Im Thalamus entdeckten sie eine schnelle Oszillation im Bereich von 20 bis 45 Hertz. Diese tritt ausschließlich im Wachzustand und während des REM-Schlafs auf, fehlt jedoch im Non-REM-Schlaf. Die Forscher werten sie als biophysiologische Signatur für Bewusstsein.

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Prävention: 45 Prozent der Fälle vermeidbar

Ein Bericht der Lancet-Kommission vom Mai 2026 identifizierte insgesamt 14 Risikofaktoren. Durch deren Optimierung ließen sich theoretisch bis zu 45 Prozent aller Demenzfälle vermeiden oder zeitlich hinauszögern. In Deutschland sind derzeit etwa 1,8 bis 1,9 Millionen Menschen von Demenz betroffen, jährlich kommen rund 450.000 Neuerkrankungen hinzu.

Neben medizinischen Faktoren wie Impfungen – eine US-Studie vom April deutet auf ein geringeres Alzheimer-Risiko durch hochdosierte Grippeschutzimpfungen hin – spielt das soziale Umfeld eine wesentliche Rolle. Eine am 29. Mai veröffentlichte Studie der Universität Krems belegt: Ältere Menschen mit starken sozialen Netzwerken haben ein deutlich geringeres Risiko für kognitiven Verfall. Dieser Effekt zeigte sich unabhängig von Bildung oder allgemeinem Gesundheitszustand.

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