Demenz-Prävention: 36 Prozent der Fälle sind vermeidbar
12.06.2026 - 18:10:37 | boerse-global.de
Demenz ist nicht gleich Alzheimer
Demenz ist ein Sammelbegriff für über 50 verschiedene Erkrankungen des Gehirns. Die Alzheimer-Krankheit macht mit rund zwei Dritteln aller Fälle den größten Anteil aus. Sie tritt meist nach dem 65. Lebensjahr auf und wird mit Ablagerungen von Beta-Amyloid und Tau-Proteinen in Verbindung gebracht.
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Zwischen fünf und zehn Prozent der Betroffenen entwickeln eine früh beginnende Form. Diese kann bereits Menschen in den 30ern oder 40ern treffen.
Die zweithäufigste Form sind vaskuläre Demenzen. Sie entstehen durch Durchblutungsstörungen im Gehirn. Mischformen machen Schätzungen zufolge zehn bis 15 Prozent der Fälle aus.
Davon abzugrenzen sind sekundäre Demenzen. Sie machen rund zehn Prozent der Fälle aus und sind oft behandel- oder sogar heilbar, da sie auf andere Grunderkrankungen zurückgehen. Eine seltenere Form ist die frontotemporale Demenz (FTD), die häufig zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr auftritt.
App erkennt Veränderungen frühzeitig
Die Diagnostik setzt zunehmend auf digitale Verfahren. Eine Studie des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) untersuchte den Einsatz einer Smartphone-App zur Gedächtnisprüfung. 202 Erwachsene zwischen 52 und 85 Jahren nahmen teil, darunter 50 Personen mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen.
Die Ergebnisse der in der Fachzeitschrift „npj digital medicine“ veröffentlichten Studie zeigen: Regelmäßige Online-Tests können kognitive Veränderungen schneller erfassen als herkömmliche klinische Untersuchungen. Diese finden oft nur in jährlichen Abständen statt.
Innerhalb weniger Monate lieferte die App Daten, die mit langjährigen klinischen Beobachtungen übereinstimmten. Die Durchhaltequote lag nach 30 Wochen bei 73 Prozent – ein vielversprechender Wert für den Alltag.
Forschung setzt neue Schwerpunkte
Die Pharmaindustrie richtet ihre Forschung strategisch neu aus. Ein aktueller Pipeline-Report zählt 158 Wirkstoffe in 192 klinischen Studien mit über 54.000 Teilnehmern. Auffallend: Der Fokus auf Amyloid-Ablagerungen sinkt.
Vor zehn Jahren zielte noch ein Drittel der Wirkstoffe darauf ab. Heute sind es nur noch 20 Prozent. Stattdessen rücken Entzündungsprozesse des Immunsystems (18 Prozent), Tau-Eiweiße (20 Prozent) und Neurotransmitter (24 Prozent) in den Vordergrund.
Auch die Versorgung mit neuen Medikamenten kommt voran. Für Donanemab (Handelsname Kisunla) wurde die Vergütung für den deutschen Markt zum 1. Juli neu geregelt. Das Mittel ist seit November 2025 zugelassen und für Patienten im frühen Stadium vorgesehen. Die Therapie ist auf maximal 18 Monate begrenzt. Verordnen dürfen sie nur Fachärzte für Neurologie, Psychiatrie und Nervenheilkunde.
Prävention rückt in den Fokus
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Eine vollständige Heilung ist weiterhin nicht in Sicht. Deshalb fordern Wissenschaftsakademien wie die Leopoldina und Acatech mehr Einsatz für die Prävention. In einer Stellungnahme im Juni betonten die Experten: Rund 36 Prozent der Demenzfälle in Deutschland gehen auf zwölf vermeidbare Risikofaktoren zurück.
Dazu zählen Bluthochdruck, Schwerhörigkeit, erhöhte Blutfettwerte, Bewegungsmangel und ein niedriges Bildungsniveau. Die Akademien gehen davon aus, dass eine Senkung dieser Faktoren um nur 15 Prozent bis 2050 etwa 170.000 Neuerkrankungen verhindern könnte.
Voraussetzung ist eine bessere Erhebung und Auswertung von Gesundheitsdaten. Nur so lassen sich präventive Maßnahmen zielgerichtet steuern. Ergänzend gewinnen biografieorientierte Pflegekonzepte an Bedeutung. Sie schaffen vertraute Umgebungen – etwa Gemeinschaftsräume im Stil früherer Jahrzehnte – und fördern so die Orientierung der Betroffenen.
