Demenz-Prävention: 36 Prozent der Fälle durch Lebensstil vermeidbar
17.06.2026 - 22:30:29 | boerse-global.de
Das zeigt eine aktuelle Schätzung des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE). Angesichts der demografischen Entwicklung wird der Handlungsdruck für das Gesundheitssystem immer größer.
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Risikofaktoren zeigen sich schon bei jungen Erwachsenen
Eine im Mai 2026 in der Fachzeitschrift Alzheimer's & Dementia veröffentlichte Leipziger Studie untersuchte Daten von rund 150.000 Teilnehmern der NAKO-Gesundheitsstudie zwischen 20 und 75 Jahren. Das Ergebnis: Schon bei 20- bis 39-Jährigen sind Risikofaktoren für eine spätere Demenz messbar – und sie korrelieren mit schlechterer kognitiver Leistung.
Bei jüngeren Erwachsenen dominieren Rauchen, Bewegungsmangel und Depressionen das Risikoprofil. Mit zunehmendem Alter rücken Bluthochdruck und erhöhte Cholesterinwerte in den Fokus. Die Studie nutzte den LIBRA-Score zur Bewertung. Männer und Menschen mit niedrigerem sozioökonomischem Status schnitten tendenziell schlechter ab. Daten des Robert Koch-Instituts weisen zudem auf Schlafmangel als weiteren Risikofaktor hin.
Demenz-Zahlen könnten auf 2,1 Millionen steigen
Prognosen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) im European Journal of Epidemiology zeichnen ein düsteres Bild. Demnach könnte die Zahl der Demenzkranken in Deutschland bis 2060 von derzeit 1,3 Millionen auf bis zu 2,1 Millionen steigen. Das DZNE erwartet bereits für 2050 bis zu 2,7 Millionen Betroffene – ausgehend von aktuell 1,8 Millionen.
Besonders betroffen ist der ländliche Osten. In Regionen wie Elbe-Elster könnte der Anteil der Erkrankten an der Bevölkerung bis zu 6,2 Prozent erreichen. In München läge er dagegen bei etwa 1,7 Prozent. Die Folgen für den Arbeitsmarkt sind enorm: Das Verhältnis von Erwerbstätigen zu Demenzkranken sinkt von derzeit 38 zu 1 auf voraussichtlich 21 zu 1.
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Doch es gibt Hoffnung: Durch gezielte Prävention bei Bluthochdruck, Diabetes und Bildung ließe sich die Zahl der Fälle laut Experten bei 1,3 bis 1,5 Millionen stabilisieren.
Impfung gegen Gürtelrose schützt womöglich auch vor Demenz
Neue Studien deuten auf einen überraschenden Schutzfaktor hin: Impfungen gegen Herpes Zoster – besser bekannt als Gürtelrose – könnten das Demenzrisiko senken. Eine südkoreanische Studie analysierte Daten von über 2,5 Millionen Erwachsenen über zwölf Jahre. Bei Empfängern einer Lebendimpfung zeigte sich eine Risikoreduktion von 12 Prozent für Gedächtnisstörungen und 25 Prozent für Alzheimer.
Der stärkste Effekt trat in den ersten zwei bis vier Jahren nach der Impfung auf. Allerdings schwächten Alkohol und Rauchen die Schutzwirkung ab.
Parallel dazu belegen US-Studien die Wirksamkeit der rekombinanten Herpes-Zoster-Impfung (RZV). Eine Untersuchung der Brown University an über 500.000 Pflegeheimbewohnern ab 66 Jahren ergab eine relative Risikoreduktion von 24 Prozent über vier Jahre. Während 24,6 Prozent der Ungeimpften eine Demenz entwickelten, lag dieser Anteil bei Geimpften bei 18,8 Prozent. Finanziert wurde die Studie von GSK – das Unternehmen hatte laut Autoren aber keinen Einfluss auf das Studiendesign.
Blutdruck und Zellen im Fokus der Forschung
Auch der Zusammenhang zwischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Demenz wird präziser. Eine US-Studie im Journal of the American Heart Association von Juni 2026 identifizierte niedrigen Blutdruck (Hypotonie) als den stärksten Korrelationsfaktor zu Alzheimer unter zehn untersuchten Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ob hier eine direkte Kausalität vorliegt oder ob eine beginnende Alzheimer-Erkrankung das autonome Nervensystem beeinträchtigt, bleibt unklar.
Auf molekularer Ebene machten Forscher der Universität Málaga alternde Stützzellen im Gehirn (Astrozyten) als Treiber von Alzheimer-Prozessen aus. Eine im Fachmagazin Cell veröffentlichte Untersuchung vom 15. Juni 2026 belegte zudem spezifische Genmutationen in den Immunzellen des Gehirns (Mikroglia) bei Alzheimer-Patienten.
An der ETH Zürich arbeiten Forscher derweil an einem Wirkstoffkandidaten namens CPD10. In Mausmodellen reduzierte er die für Alzheimer typischen Beta-Amyloid-Plaques.
