Demenz-Pflege, NHS

Demenz-Pflege: NHS testet Sensortechnik statt Kameras bei 250 Familien

Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 05:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue Ansätze gegen Demenz reichen von diskreter Haustechnik über THC und CBD bis zu Robotern und KI-Hilfen für Pflege und Früherkennung.

Demenzforschung: Sensoren, Medikamente und KI verändern die Pflege
Ein helles, modern eingerichtetes Schlafzimmer mit einem ordentlich gemachten Bett und natürlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Weltweit suchen Forschungseinrichtungen und Pflegeeinrichtungen nach Wegen, die wachsende Zahl von Demenzerkrankungen mit technologischer Unterstützung zu bewältigen. Ein aktueller Überblick zeigt, wie unterschiedlich die Ansätze ausfallen – von unauffälliger Sensorik in Privatwohnungen bis zu Sozialrobotern in Pflegeheimen.

Sensortechnik statt Kameras: Die britische NHS-Studie

Das UK Dementia Research Institute und das Imperial College London testen, finanziert von LifeArc, in einer Studie mit über 250 Familien, wie Sensortechnik Demenzpatienten im Alltag begleiten kann, wie die BBC berichtete.

Anders als bei klassischer Videoüberwachung kommen dabei Türsensoren, Bewegungsmelder, Sensoren an Küchengeräten sowie eine smarte Matratze zur Erfassung von Herz- und Atemfrequenz zum Einsatz.

Ergänzent wird das System durch spezielle Socken und eine Uhr, die Körpertemperatur und Gangbild messen – Audio- oder Videoaufnahmen sind laut BBC ausdrücklich nicht Teil des Systems. Die erwarteten Kosten für Monitoring und Personal liegen bei rund 2.000 britischen Pfund pro Jahr.

In einem der mit Sensoren ausgestatteten Häuser in West-London werden die erfassten Daten laut einem Bericht von narrative-news.com direkt an das behandelnde Ärzte- und Pflegeteam übermittelt.

Ein Bericht von neuraweb.io beschreibt, dass die Sensorik Bewegung, Stürze, Herz- und Atemfrequenz sowie Schlafmuster erfasst. Zu den Testfamilien gehören laut einem Bericht von sepe.gr auch Jyoti und Bharat Patel, die die Technik mit Sensoren in Socken, Bett und Wohnung im Alltag erproben.

Der BBC-Bericht ordnet die Studie in den Kontext einer erwarteten Zunahme der Demenzfälle in Großbritannien ein: Bis 2040 wird demnach mit einem Anstieg um 40 Prozent gerechnet, aktuell sind in Großbritannien bereits fast eine Million Menschen betroffen.

Medikamentöse Ansätze: THC/CBD gegen Agitation

Parallel zu technischen Lösungen wird auch medikamentös an der Linderung von Demenzsymptomen geforscht. Die Phase-2-Studie LiBBY mit 120 Teilnehmern an zehn US-Zentren, durchgeführt mit hospizberechtigten Alzheimer- und Demenzpatienten, untersuchte die Wirkstoffkombination T2:C100 (4 mg THC, 200 mg CBD, zweimal täglich verabreicht).

Laut einem Bericht von helpdementia.com senkte das Präparat Agitationswerte nach der Cohen-Mansfield-Skala um 6,27 Punkte gegenüber Placebo in Woche 2 und um 8,23 Punkte in Woche 12. Die Ansprechrate lag bei 83,9 Prozent (Woche 2) beziehungsweise 87,2 Prozent (Woche 12), verglichen mit 30,5 beziehungsweise 23,6 Prozent unter Placebo.

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Allerdings traten schwere Nebenwirkungen bei 23,3 Prozent der Behandelten auf, gegenüber 11,9 Prozent unter Placebo; es wurden 8 von 61 Todesfällen in der Behandlungsgruppe verzeichnet gegenüber 3 von 59 unter Placebo. Das Präparat ist bislang nicht von der FDA zugelassen.

Roboter und KI-Assistenten in der Pflegepraxis

In Frankreich testen sieben von 29 Alzheimer-Patienten im Ehpad La Septfontoise in Tarn-et-Garonne die KI-Telefonlösung Livana, die personalisierte Gespräche ohne Audiospeicherung ermöglicht, wie lequotidien.re berichtete. Das Broca Living Lab der AP-HP erprobt zudem die Roboter Miroki und Paro zur kognitiven Stimulation. Frankreich zählt laut France-Alzheimer rund 1,4 Millionen Alzheimer-Erkrankte.

In Deutschland setzt das BRK-Seniorenzentrum Neuburg seit Juni den Sozialroboter Henry ein, der das Betreuungsteam bei interaktiven Gesprächen, Spielen und humorvollen Momenten unterstützt, berichtete die Augsburger Allgemeine.

Die Diakonie Himmelsthür nutzt in Hildesheim erstmals den Roboter Maatje zur Unterstützung von Menschen mit Behinderungen im Pflegealltag – ermöglicht durch eine Spende des Freundeskreises der Einrichtung, wie die Hildesheimer Allgemeine berichtete.

In München hat Markus C. Müller die Pflege-App Nui Care mitentwickelt, die pflegende Angehörige durch Dokumentensammlung und einen KI-gestützten Pflegeplan entlasten soll, wie die Abendzeitung München berichtete.

Auf der IFA 2026 präsentierte der Hersteller Everthine den KI-Companion Everthine A1 mit gebogenem 8,01-Zoll-OLED-Display, sechs Mikrofonen sowie Kameras vorne und hinten mit Gesichtserkennung, wie netzwelt.de berichtete. Der Marktstart der Hardware ist demnach für Ende 2026 geplant, zunächst soll die Software verfügbar sein; laut Herstellerangaben soll der Preis unter 1.000 Euro liegen.

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Politische Forderungen und Einordnung

Zum Welt-Alzheimertag am 21. September forderte die Präsidentin des österreichischen Pensionistenverbands PVÖ, Gerstorfer, einen Rechtsanspruch auf demenzgerechte Versorgung.

Laut dem Österreichischen Demenzbericht 2025 leben in Österreich rund 170.000 Demenzkranke, zwei Drittel davon Frauen; bis 2050 wird ein Anstieg auf über 290.000 Betroffene für möglich gehalten. Die PVÖ fordert unter anderem Entlastungstage und einen Angehörigenbonus ab Pflegegeldstufe 3.

Dr. Nikos Karfakis ordnete gegenüber hellenic.news ein, dass Automatisierung die körperliche Belastung des Pflegepersonals verringern und Zeit für zwischenmenschliche Kontakte schaffen könne. Die zentrale Frage sei, wie Technologie die Pflegequalität tatsächlich unterstütze. Als Beispiel verwies er auf Japan und Südkorea, wo Roboter und KI im Gesundheitswesen aufgrund alternder Bevölkerung und Arbeitskräftemangels bereits etabliert seien.

Ergänzend zu den pflegerischen Innovationen rücken auch Früherkennungsmethoden in den Fokus: Die schottische Initiative AWAKE Check unter Leitung von Dr. Phyllis Murphie hat bislang 2.650 Teilnehmer erreicht und strebt 5.000 an.

Bis zu 80 Prozent der Schlafapnoe-Fälle blieben demnach unentdeckt, weitere 10 bis 15 Prozent seien zusätzlich von Insomnie betroffen; das Online-Screening dauert rund fünf Minuten und liefert ein sofortiges Risiko-Feedback.

Auch Bluttests zur Alzheimer-Früherkennung, die eine Diagnose Jahre vor Symptombeginn ermöglichen sollen, gewinnen an Bedeutung – Betroffene berichten laut intellinews.org von spürbaren Veränderungen im Umgang mit der eigenen Diagnose.

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de | wissenschaft | 70140809 |