Demenz: Neue Ernährung senkt Risiko um 29 Prozent
Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 05:51 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Neue WHO-Leitlinie und aktuelle Studien zeigen: Ein erheblicher Teil der Demenzerkrankungen ist vermeidbar. Besonders vielversprechend sind Ansätze aus der Ernährungsforschung.
Bis zu 45 Prozent des Demenzrisikos sind beeinflussbar. Das betont die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in der zweiten Auflage ihrer Leitlinie zur Demenzprävention vom Juli 2026. In der Forschung rücken dabei vor allem Ernährungsmuster und metabolische Ansätze in den Fokus.
Antientzündliche Ernährung senkt Risiko um 29 Prozent
Eine Langzeitstudie mit rund 1.800 Teilnehmern (Durchschnittsalter: 70 Jahre) liefert konkrete Zahlen. Veröffentlicht im Juni 2026 im Fachjournal JAMA Network Open, zeigt sie: Eine antientzündliche Ernährung senkt das Demenzrisiko um 29 Prozent. Besonders stark fiel der Effekt bei Probanden mit erhöhten Werten des Biomarkers p-tau217 aus. Das deutet auf eine Wirksamkeit bereits in frühen Krankheitsstadien hin.
Die WHO empfiehlt in ihren aktualisierten Leitlinien vom Juli 2026 daher die mediterrane sowie die nordische Ernährung. Beide zeichnen sich durch einen hohen Anteil an pflanzlichen Lebensmitteln aus.
Auch Polyphenole rücken in den Fokus. Eine Studie im Fachjournal Nutrients vom Mai 2026 untersuchte die Wirkung dieser Pflanzenstoffe, die unter anderem in Beeren, Olivenöl, Tee, Kakao und Kaffee vorkommen. Die Autoren sehen sie als Schutzfaktoren, die über die Darmflora wirken und das Gehirn durch antioxidative Effekte gesund altern lassen.
Supplemente? Lieber nicht
Trotz der positiven Erkenntnisse zu vollwertigen Lebensmitteln bleibt die WHO skeptisch gegenüber Nahrungsergänzungsmitteln. Die Leitlinie spricht eine starke Empfehlung gegen die Einnahme von Vitamin B, Vitamin E, Omega-3-Fettsäuren oder Multivitaminpräparaten aus – sofern kein klinisch nachgewiesener Mangel vorliegt. Die Evidenz für einen präventiven Nutzen reiche nicht aus.
Auch bei Depressionen oder Schlafstörungen sieht die WHO keine ausreichende Belegtheit für eine direkte Demenzprävention. Eine Untersuchung vom Februar 2026 zeigte lediglich bei behandlungsresistenten Depressionen leichte Verbesserungen durch eine ketogene Diät.
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Diabetes-Medikamente als Trumpfkarte?
Die Forschung verknüpft zunehmend Stoffwechselerkrankungen mit neurologischem Abbau. Da Typ-2-Diabetes das Alzheimer-Risiko um etwa 50 Prozent erhöht, rücken Diabetes-Medikamente in den Fokus. Eine im Juli 2026 in JAMA Network Open veröffentlichte Studie legt nahe: SGLT2-Inhibitoren könnten das Alzheimer-Risiko um 43 Prozent senken, GLP-1-Agonisten um 33 Prozent.
Parallel startete Roche im Juli 2026 die Phase-III-Studie „PrevenTRON“ mit dem Wirkstoff Trontinemab. Weltweit nehmen 1.600 Personen ab 55 Jahren teil, die noch keine Symptome zeigen, aber ein erhöhtes Risiko aufweisen.
3.000 Schritte täglich reichen schon
Neben der Ernährung bleiben Bewegung und die Kontrolle kardiovaskulärer Risikofaktoren zentrale Säulen. Forschungsergebnisse aus Nature Medicine vom Juli 2026 belegen: Bereits 3.000 Schritte täglich verlangsamen die Ausbreitung von Tau-Proteinen im Gehirn. Ein höheres Pensum von 5.000 bis 7.500 Schritten verstärke diesen Effekt noch.
Die wirtschaftliche Belastung unterstreicht die Dringlichkeit: Fachleute beziffern die jährlichen Pflegekosten pro Alzheimer-Patient auf 50.000 bis 70.000 Euro.
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KI erkennt Risiko sieben Jahre vor Symptomen
Zur frühzeitigen Identifikation von Risikogruppen gewinnen technologische Hilfsmittel an Bedeutung. KI-Modelle erreichen laut aktuellen Berichten eine Genauigkeit von über 92 Prozent bei der Vorhersage einer Alzheimer-Erkrankung – bis zu sieben Jahre vor dem Auftreten klinischer Symptome.
Neue Bluttests auf den Marker p-tau217 ermöglichen zudem eine Risikoprognose für bis zu zehn Jahre. Das ist vor allem für die Auswahl von Teilnehmern an klinischen Studien relevant.
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