Demenz: Neue Bluttests erkennen Alzheimer 15 Jahre früher
Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 12:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle Berichte verdeutlichen die anhaltenden Schwierigkeiten bei der Diagnosestellung und den Mangel an wirksamen Heilmitteln für Menschen, die bereits in jüngeren Lebensjahren an Demenz erkranken. Während neurodegenerative Erkrankungen in der Öffentlichkeit primär mit hohem Alter assoziiert werden, betreffen kognitive Einschränkungen auch Personen im erwerbsfähigen Alter oder sogar im Kindesalter.
Frühe Diagnosen und seltene Verlaufsformen
Demenzerkrankungen treten vereinzelt lange vor dem Rentenalter auf. Ein dokumentierter Fall ist Jürgen Deerhake aus Nottuln-Appelhülsen, der im Alter von 54 Jahren die Diagnose Demenz erhielt und seit 2013 in einer Pflegeeinrichtung lebt.
Noch seltener und folgenschwerer sind pädiatrische Formen wie die Kinderdemenz, eine unheilbare Stoffwechselkrankheit. In Deutschland sind davon etwa 700 Fälle bekannt, weltweit rund 70.000. Ein Beispiel ist die sechsjährige Isabella aus Simmerath, die seit September 2026 die Förderschule Stolberg besucht.
Zur Verlangsamung des Krankheitsverlaufs erhält sie alle 14 Tage eine vierstündige Eiweiß-Enzym-Infusion im Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein Kemperhof Koblenz.
Nach Schätzungen der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie leben in Deutschland rund 1,8 Millionen Menschen mit Demenz. Die Fachgesellschaft veröffentlichte zum Welt-Alzheimertag am 21. September 2026 einen kostenlosen Comic, der Symptome und Unterstützungsmöglichkeiten aufzeigt.
Zudem erfassten Abrechnungsdaten der AOK Erfurt für das Jahr 2024, dass in Thüringen mehr als drei Prozent der Bevölkerung ab 40 Jahren an Demenz erkrankt waren; hochgerechnet betrifft dies im Land etwa 47.000 Menschen. Im Kreis Höxter lebten nach Angaben der AOK Nordwest im selben Jahr rund 2.400 Betroffene.
Diagnostische Fortschritte und therapeutische Grenzen
Weil frühe Symptome oft unspezifisch sind, wird intensiv an biologischen Früherkennungsmethoden geforscht. In Österreich wurden im September 2024, Juli 2025 und Mai 2026 drei Alzheimer-Bluttests zugelassen, die krankheitsbedingte Veränderungen bis zu 15 Jahre vor dem Auftreten erster Symptome nachweisen können.
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Bei einem negativen Ergebnis liegt die Wahrscheinlichkeit, nicht an Demenz erkrankt zu sein, bei 97 Prozent. Die privat zu tragenden Kosten betragen 100 bis 175 Euro; der Einsatz wird bei entsprechendem Verdacht ab einem Alter von 50 bis 55 Jahren empfohlen. In Österreich leben derzeit rund 170.000 Erkrankte, bis 2050 werden mehr als 290.000 Betroffene erwartet.
An der Med Uni Graz wird die Früherkennung über Biomarker in Blut und Nervenwasser sowie mittels MRT-Auswertungen und Neurofilamenten weiter erforscht.
Auf therapeutischer Seite stehen mit den Anti-Amyloid-Antikörpern Lecanemab und Donanemab Medikamente zur Verfügung, die seit einigen Monaten in der EU zugelassen sind. Sie zielen auf Plaque-Ablagerungen ab und kommen ausschließlich im Frühstadium für fünf bis zehn Prozent der Betroffenen infrage.
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Nach 18 Monaten Behandlungsdauer können sie den Krankheitsverlauf um rund 30 Prozent verlangsamen, was etwa fünf Monaten entspricht. Eine Heilung ermöglichen sie nicht.
Begleitung und Forschung
Neben der medikamentösen Verlangsamung spielen Betreuung und Entlastung eine zentrale Rolle. AOK-Serviceregionsleiter Wehmhöner betonte im Kontext der Pflege, dass herausforderndes Verhalten wie Schreien oder Schlagen ein Krankheitssymptom darstelle und nicht-medikamentöse Maßnahmen oft wirksamer seien als Arzneimittel.
Zur Unterstützung von Familien bestehen regionale Hilfsangebote, wie etwa eine neue Angehörigengruppe für früh Erkrankte im Augsburger Seniorenprogramm 2026. Parallel dazu sucht die Universität Jena im Rahmen der Woche der Demenz vom 21. bis 27. September 2026 Teilnehmende für ein AOK-unterstütztes Forschungsprojekt, das Möglichkeiten zur Entlastung pflegender Angehöriger untersucht.
