Demenz, Musiktherapie

Demenz: Musiktherapie zeigt positive Effekte bei Kognition und Angst

Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 07:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Zum Welt-Alzheimertag verlangen Verbände bessere Unterstützung für Betroffene und Angehörige. Zugleich steigen die Demenzzahlen in Deutschland weiter.

Welt-Alzheimertag: Verbände fordern bessere Teilhabe und Pflege
Eine leere Parkbank in einem sonnendurchfluteten, grünen Stadtpark im Herbst. Illustration mit AI erstellt.

Anlässlich des Welt-Alzheimertages verlangen Politik und Verbände verstärkte Maßnahmen zur gesellschaftlichen Teilhabe von Menschen mit Demenz. Unter dem Motto „Demenz – (k)eine Frage des Alters“ rückten Fachorganisationen und Initiativen die Lebenssituation der Betroffenen sowie die Belastungen pflegender Angehöriger in den Fokus.

Im Rahmen der bundesweiten Woche der Demenz, die vom 21. bis 27. September 2026 stattfindet, mahnen Experten und politische Vertreter gleichermaßen strukturelle Verbesserungen in Pflege, Betreuung und Alltagsintegration an.

Regionale Initiativen und Versorgungsrealität in Deutschland

Zum Auftakt der Woche der Demenz in Schwerin rief die mecklenburg-vorpommersche Sozialministerin Stefanie Drese dazu auf, Betroffene und ihr Umfeld stärker ins Zentrum der gesellschaftlichen Aufmerksamkeit zu rücken.

In Mecklenburg-Vorpommern leben mehr als 40.000 Menschen mit einer demenziellen Erkrankung. Um deren Versorgung gezielt zu steuern, stellte das Land im August 2026 den ersten Demenzplan MV vor, der zehn konkrete Handlungsfelder umfasst.

Bundesweit stellt sich die Lage ähnlich herausfordernd dar. Nach Berechnungen der Deutschen Alzheimer Gesellschaft leben in Deutschland derzeit rund 1,78 Millionen Menschen mit einer Demenzerkrankung. Berechnungen von Prof. Dr. René Thyrian und Dr. Iris Blotenberg vom DZNE, die sich auf neue Prävalenzraten von Alzheimer Europe 2026 stützen, prognostizieren bis zum Jahr 2050 einen Anstieg auf 2,3 bis 2,6 Millionen Fälle.

Regional zeigen sich deutliche Unterschiede: Den höchsten Anteil von Menschen mit Demenz an der Gesamtbevölkerung verzeichnen Sachsen und Sachsen-Anhalt mit je 2,6 Prozent, dicht gefolgt von Thüringen mit 2,5 Prozent.

Die niedrigsten Werte weisen Berlin mit 1,8 Prozent und Hamburg mit 1,7 Prozent auf. Zudem sind rund 85.000 Betroffene – fast 5 Prozent aller Fälle in Deutschland – jünger als 65 Jahre.

Kritik an Kürzungsplänen und Forderung nach Perspektivwechsel

Fachverbände blicken mit Sorge auf bundespolitische Weichenstellungen. In einer gemeinsamen Stellungnahme vom 18. September 2026 warnten die Deutsche Alzheimer Gesellschaft, die Deutsche Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie sowie die Hirnliga vor den Plänen des Pflegeneuordnungsgesetzes.

Demnach soll der Entlastungsbetrag nach § 45b SGB XI von bis zu 131 Euro monatlich beziehungsweise bis zu 1.572 Euro im Jahr bei Pflegegrad 1 ab 2027 gestrichen werden. Auch wenn der Pflegegrad 1 selbst bestehen bleiben soll und Zuschüsse zur Verbesserung des Wohnumfeldes weiterhin vorgesehen sind, stufen die Verbände die geplante Streichung als falsches Signal ein.

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Das Kuratorium Deutsche Altershilfe sprach sich für einen grundlegenden Perspektivwechsel aus. Christian Heerdt, wissenschaftlicher Leiter der Organisation, forderte eine Demenzpolitik, die stärker von den konkreten Lebensrealitäten ausgeht.

Menschen mit Demenz sollten primär nach ihrer Lebenssituation und nicht allein über Diagnose oder Alter bewertet werden. Vor dem Hintergrund der aktuell laufenden internationalen Vergleichsstudie DECIDE zu nationalen Demenzstrategien plädiert die Organisation zudem dafür, die Maßnahmen der Nationalen Demenzstrategie enger zu verzahnen.

Neben Fachdebatten machten auch symbolische Aktionen auf das Thema aufmerksam. Am 21. September 2026 versammelten sich auf dem Steinmüllergelände in Gummersbach mehr als 150 Personen – darunter Kursteilnehmer der Akademie Gesundheitswirtschaft und Senioren – zu einem Bademantel-Flashmob, an den sich die Vorführung des Dokumentarfilms „Human Forever“ anschloss.

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Künstlerische Therapien und Debatten in Österreich und der Schweiz

Als ergänzender Baustein rückt die nicht-medikamentöse Versorgung ins Blickfeld. Die 2022 initiierte Bundesinitiative Musik & Demenz forderte anlässlich des Welt-Alzheimertages einen breiteren Zugang zu qualifizierten Musikangeboten. Für den 20. November 2026 plant die Initiative ein entsprechendes Vernetzungsforum in Leipzig.

Wissenschaftliche Daten unterstreichen das Potenzial: Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2026, die 24 randomisierte Studien mit 2.316 Teilnehmenden auswertete, verzeichnete positive Tendenzen bei Kognition, Angst, Lebensqualität und Angehörigenbelastung, wenngleich die robuste klinische Evidenz als begrenzt eingestuft wird. Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2022 mit 327 Probanden belegte bereits kurzfristige Vorteile bei Schmerz, Kognition und Angst.

In den Nachbarländern dominieren ähnliche Problemstellungen. In Österreich sind rund 170.000 Menschen betroffen; bis 2050 wird ein Anstieg auf über 290.000 prognostiziert, während sich die Zahl allein in Niederösterreich bis dahin verdoppeln dürfte.

Diakonie-Präsidentin Maria Katharina Moser kritisierte, dass die täglichen Betreuungskosten in den 260 österreichischen Tageszentren zwischen 25 und 80 Euro schwanken, und forderte Preisobergrenzen.

Eine Analyse der Fachhochschule Oberösterreich am Diakoniewerk Wels belegt positive Effekte der Tagesbetreuung: Neben einer Stabilisierung des Demenzverlaufs und sinkendem Medikamentenbedarf berichteten 89 Prozent der Angehörigen von zeitlicher und seelischer Entlastung.

Derzeit nutzen etwa 10.000 Menschen entsprechende Einrichtungen, was lediglich zwei Prozent der Pflegegeldbezieher entspricht – der tatsächliche Bedarf liegt laut Schätzungen viermal so hoch.

In der Schweiz belaufen sich die volkswirtschaftlichen Kosten der Erkrankung laut Zahlen vom September 2026 auf geschätzte 11,8 Milliarden Franken jährlich, wovon 5,5 Milliarden Franken als versteckte Kosten auf pflegende Angehörige entfallen.

Bei 166.300 Betroffenen und mehr als 35.800 Neuerkrankungen pro Jahr forderte Alzheimer-Schweiz-Direktorin Dr. Martine Bourqui verstärkte Investitionen in Prävention, da rund 45 Prozent der Risikofaktoren als beeinflussbar gelten.

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