Demenz, Lateinamerika

Demenz in Lateinamerika: Prävalenz steigt an fünf Standorten auf 16,9 Prozent

Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 21:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Universität Heidelberg und Fraunhofer ISI analysieren Japans und Südkoreas Umgang mit demografischem Wandel und Klimafragen.

Heidelberger Forschungsprojekt untersucht Alterung und Klimawandel in Asien
Innenansicht einer ruhigen, menschenleeren Forschungsbibliothek mit Bücherregalen und Holztischen in natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Die Bewältigung des demografischen Wandels und dessen Verknüpfung mit ökologischen Herausforderungen steht im Zentrum eines neuen Forschungsvorhabens der Universität Heidelberg und des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI).

Das Projekt mit dem Titel „JK-superalt“ wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMFTR) gefördert und ist auf einen Zeitraum von 2026 bis 2029 angelegt. Ziel der Untersuchung ist es, die Reaktionen Japans und Südkoreas auf die rapide Alterung der Gesellschaft sowie den Klimawandel zu analysieren, um daraus Handlungsempfehlungen für Deutschland abzuleiten.

An dem Vorhaben sind unter anderem Prof. Dr. Kerstin Cuhls vom Fraunhofer ISI sowie Dr. Vincent Lesch vom Institut für Japanologie beteiligt. Unterstützt wird die Arbeit durch das Netzwerk AlternsfoRschung (NAR). Wie aus einem Bericht der Universität Heidelberg vom September 2026 hervorgeht, dienen die ostasiatischen Staaten aufgrund ihrer fortgeschrittenen demografischen Entwicklung als Referenzmodelle für europäische Akteure.

Internationale Trends bei Demenzerkrankungen und Prävalenz

Die Relevanz solcher Forschungsansätze wird durch aktuelle globale Daten unterstrichen. Eine im Juli 2026 in der Fachzeitschrift JAMA Neurology veröffentlichte Studie der Washington University School of Medicine in St. Louis und der Newcastle University untersuchte die Demenzentwicklung bei über 16.950 Erwachsenen in Lateinamerika.

Den Ergebnissen zufolge stieg die Gesamtprävalenz an fünf untersuchten Standorten von ursprünglich 10,6 Prozent (Erhebungszeitraum 2003–2006) auf 16,9 Prozent (Zeitraum 2016–2020) an.

Besonders deutliche Zunahmen verzeichneten Mexiko (von 9,6 auf 14,5 Prozent), Peru (7,6 auf 11,7 Prozent) und Puerto Rico (10,7 auf 15,7 Prozent). In Kuba und der Dominikanischen Republik blieben die Raten hingegen stabil. Hochgerechnet auf die nationalen Ebenen ergeben sich daraus Fallzahlen von rund 1,2 Millionen Menschen mit Demenz in Mexiko und etwa 416.800 in Peru.

Im Gegensatz dazu stehen Beobachtungen bei den Tsimané und Mosetén in Bolivien. Eine Longitudinalstudie, die im September 2026 thematisiert wurde, weist für diese Gruppen eine Prävalenz von unter 2 Prozent aus.

Forscher führen dies unter anderem darauf zurück, dass Betroffene in diesen Gesellschaften oft nicht lange mit der Erkrankung leben. Zudem zeigten Blutanalysen hier einen Zusammenhang mit Neurofilament-Leichtketten-Proteinen, während klassische Merkmale wie das Amyloid-Profil weniger ausgeprägt waren.

Regionale Herausforderungen und medizinische Fortschritte in Deutschland

In Deutschland zeigt sich ein deutliches regionales Gefälle bei der Alterung der Bevölkerung. Laut Analysen der Soziologin Katja Salomo erreicht die Überalterung in Ostdeutschland bereits das Niveau von Japan. Während in Westdeutschland rund ein Viertel der Menschen im ländlichen Raum lebt, sind es im Osten 60 Prozent.

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In den kommenden zwei Jahrzehnten droht Ostdeutschland zudem ein Verlust von bis zu 1,2 Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter. Eine umfassende regionale Prognose bis zum Jahr 2045 bereiten das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung sowie die Wüstenrot Stiftung derzeit vor.

Parallel dazu rücken neue medizinische Ansätze in den Fokus. Das Universitätsklinikum Gießen (UKGM) informierte im Rahmen der Woche der Demenz über den Einsatz von Antikörper-Therapien. Diese stehen erstmals für früh diagnostizierte Alzheimer-Erkrankungen zur Verfügung und können das Fortschreiten verlangsamen.

Die Behandlung erfordert jedoch spezifische genetische Voraussetzungen, ein frühes Krankheitsstadium sowie eine engmaschige Überwachung mittels MRT und Liquor-Biomarkern. In Mecklenburg-Vorpommern, wo bereits über 40.000 Menschen mit Demenz leben, wurde zudem im August 2026 ein landesweiter Demenzplan mit zehn Handlungsfeldern vorgestellt, um die Versorgung zu strukturieren.

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Soziale Faktoren und technologische Lösungsansätze

Neben medizinischen Innovationen betonen Experten die Bedeutung der sozialen Teilhabe. Auf einem gemeinsamen Jahreskongress der Fachgesellschaften DGG und DGGG in Frankfurt erläuterte der Philosoph Prof. Otfried Höffe, dass nicht die „Überalterung“, sondern die „Unterjüngung“ das eigentliche Problem darstelle.

Gewonnene Lebensjahre müssten als Potenzial begriffen werden. Psychologische Erkenntnisse stützen diese Sichtweise: Laut der klinischen Gesundheitspsychologin Mag. Kerstin Schuller können stabile Beziehungen die Überlebenswahrscheinlichkeit um bis zu 50 Prozent erhöhen. Zudem lebten Menschen mit einem positiven Altersbild im Schnitt sieben Jahre länger.

In Südkorea wird verstärkt auf digitale Lösungen gesetzt, um die Isolation im Alter zu bekämpfen. Das Ministerium für Wissenschaft und IKT (MSIT) betreibt bereits 69 staatlich finanzierte digitale Lernzentren und plant, deren Zahl bis 2029 auf knapp 230 zu erhöhen. Dies geschieht vor dem Hintergrund einer besorgniserregenden sozialen Entwicklung: Im Jahr 2025 wurden in Südkorea fast 4.000 Fälle von einsamen Todesfällen („godoksa“) registriert, wobei vor allem ältere Männer über 80 Jahren betroffen sind.

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