Demenz in Deutschland: 1,8 Millionen Betroffene, 2,7 Millionen bis 2050
Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 06:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Rund um den Welt-Alzheimertag am 21. September und die daran anschließende Woche der Demenz (21. bis 27. September 2026) organisieren Krankenhäuser, Kommunen, Wohlfahrtsverbände und Krankenkassen in Deutschland und Österreich eine breite Palette an Informationsveranstaltungen.
Von Vorträgen über Screening-Tage bis zu Fotoausstellungen reicht das Spektrum der Aktionen, die Betroffene, Angehörige und die breite Öffentlichkeit für das Thema sensibilisieren sollen.
Vorträge und Informationsabende in mehreren Städten
Im Alexius/Josef Krankenhaus Neuss findet am 21. September eine kostenfreie Veranstaltung unter dem Titel „Demenz – und trotzdem Hoffnung: Wege für Betroffene und Angehörige“ statt, bei der es unter anderem um beeinflussbare Risikofaktoren für die Hirngesundheit, Hirnstimulationsverfahren und die Therapie der frühen Alzheimer-Erkrankung geht. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
In Ingolstadt bietet die örtliche Alzheimer-Gesellschaft am 22. September einen Online-Vortrag „Demenz – ist Vorbeugung möglich?“ für Audi-Beschäftigte an, zwei Tage später folgt ein Vortrag zum Thema „Demenz in der Kirchengemeinde“ bei der Mennonitengemeinde Ingolstadt. Am 26. September ist die Alzheimer Ingolstadt zudem mit einem Infostand in der Ludwigstraße präsent.
Die Stadtbibliothek Dorsten eröffnet am 22. September im Rahmen der ersten Dorstener Demenzwoche den Bereich „Zeitlos aktiv“ mit einer begleitenden Infoveranstaltung. Die Ergotherapeutin Michaela Felsner informiert dort über Aktivierung und Beschäftigung von Menschen mit Demenz.
Aktionstage auf Marktplätzen und im öffentlichen Raum
Der Pflegestützpunkt Ludwigslust veranstaltet am 25. September auf dem Wochenmarkt in Hagenow unter dem Motto „Demenz – (k)eine Frage des Alters“ einen Informationstag mit einem „Lila Sofa“ als Anlaufstelle, betreut von Sozialberaterin Andrea Schawe mit Unterstützung der Gleichstellungsbeauftragten Nadine Glade.
Bereits am 16. September fand im Saarpfalz-Kreis auf dem Christian-Weber-Platz in Homburg der Informationstag „Memory Walk“ statt, organisiert vom Gerontopsychiatrischen Netzwerk Demenz gemeinsam mit Psychosoziale Projekte Saarpfalz und der Landesfachstelle Demenz Saarland. Geboten wurden Infostände, ein Demenzparcours, ein Museumskoffer sowie eine Schwungtuch-Aktion.
Ebenfalls am 16. September führte die „Tour Demenz“ über rund 190 Kilometer durch das Oberbergische mit zwölf Stationen, unter anderem am Engelskirchener Rathaus und in Gummersbach. Die Tour geht auf die Landesinitiative Demenz-Service NRW aus dem Jahr 2017 zurück und stand 2026 unter dem Motto „Krisenresilienz stärken“.
Screening-Angebote und Kunstprojekte
Im Rahmen des Digitalen Demenzregisters Bayern finden während der Bayerischen Demenzwoche vom 18. bis 27. September insgesamt 75 Screening-Veranstaltungen statt. Seit 2022 wurden dabei über 7000 Menschen getestet, bei 26 Prozent der Getesteten ergab sich ein abklärungsbedürftiges Ergebnis.
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Nach Angaben von Projektleiter und Neurologe Peter Kolominsky-Rabas erfolgt die Diagnose Demenz im Schnitt erst 1,5 Jahre nach den ersten Anzeichen, wobei rund 45 Prozent aller Demenz-Risikofaktoren beeinflussbar seien, insbesondere Schwerhörigkeit.
In Dillingen an der Donau ließen im Rahmen eines solchen Screening-Tags mehr als 60 Menschen ab 65 Jahren ihr Gedächtnis überprüfen, begleitet unter anderem von Landrat Markus Müller und Geschäftsführer Philip Schaal von der Station Mensch.
Auf künstlerischer Ebene zeigt die Initiative Desideria vom 18. bis 28. September auf dem Willi-Daume-Platz im Olympiapark München die frei zugängliche Open-Air-Fotoausstellung „Demenz neu sehen“ mit 24 Fotografien aus dem Desideria Preis für Fotografie 2022 und 2024, die Ausstellung erhielt 2025 den zweiten Platz beim europäischen Anti-Stigma Award von Alzheimer Europe.
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Am 21. September findet dazu ein Aktionstag mit Eröffnung, einem Markt der Möglichkeiten, Führungen und einem kostenfreien Open-Air-Konzert von Sarah Straub statt. Die Ausstellung entstand in Kooperation mit der AOK Bayern und dem Sparkassenverband Bayern.
Zahlen und politische Einordnung
Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft weist zum Welt-Alzheimertag darauf hin, dass durch konsequente Prävention rund 36 Prozent aller Demenzerkrankungen in Deutschland vermieden werden könnten.
Aktuell leben demnach rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland mit einer Demenzerkrankung, bis 2050 werden bis zu 2,7 Millionen erwartet. Die Gesellschaft kritisiert zudem das Pflegeneuordnungsgesetz, wonach ab dem kommenden Jahr niedrigschwellige Alltagshilfen bei Pflegegrad 1 voraussichtlich wegfallen sollen.
In Sachsen läuft vom 19. bis 27. September die Woche der Demenz mit etwa 400 Veranstaltungen. Im Freistaat leben laut Angaben rund 104.000 Menschen mit diagnostizierter Demenz; die Demenzrate bei über 40-Jährigen liegt laut AOK-Gesundheitsatlas bei 3,75 Prozent beziehungsweise 375 je 10.000 Erwachsenen ab 40 – bundesweit ein Spitzenwert.
Im Auftrag des sächsischen Sozialministeriums ist zudem eine Umfrage der Landesinitiative Demenz gestartet. Das sächsische Gesundheitsministerium betont, Demenz sei keine reine Altersfrage.
In Österreich verweisen die Häuser zum Leben anlässlich des Welt-Alzheitmertages auf ihren Ansatz aus Pflege, Betreuung, Aktivierung und sozialer Einbindung sowie auf ihre TagFamilien für strukturierte Tagesbetreuung.
Gesundheits- und Sozialstadtrat Peter Hacker und Geschäftsführer Christian Hennefeind betonen dabei die Bedeutung von Selbstbestimmung und Entlastung für Angehörige; in Österreich leben demnach rund 170.000 Menschen mit Demenz.
Die Volkshilfe startet zum Welt-Alzheimertag zudem die fünfte Staffel ihres Podcasts „TROTZ DEMENZ“, gefördert vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz.
Der Fonds Soziales Wien beziffert die Zahl der Menschen mit Demenz in Wien auf rund 30.000, bis 2050 könnten es nach FSW-Schätzungen mehr als 60.000 sein. Einer Studie zufolge sorgen sich 82 Prozent der Wiener Bevölkerung, im Krankheitsfall ihrer Familie zur Last zu fallen.
Zwei der elf FSW-Tageszentren für Seniorinnen und Senioren sind auf Demenz spezialisiert, die Plattform Demenzfreundliches Wien vernetzt mehr als 100 Organisationen im Rahmen der Wiener Demenzstrategie bis 2035.
