Demenz, Film

Demenz im Film: Zwei Schweizer Dokumentationen zeigen Würde und Selbstbestimmung

Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 11:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Zwei Dokumentationen beleuchten persönliche Lebenswege mit Alzheimer; ein Vorsorgebuch und vernetzte Betreuung unterstützen den Erhalt individueller Bedürfnisse.

Schweizer Demenzfilme zeigen Würde, Autonomie und kreative Ausdruckskraft
Ein lichtdurchfluteter, ruhiger Wohnraum mit einem Sessel und einer Vase mit Trockenblumen, der eine Atmosphäre der Würde und Stille ausstrahlt. Illustration mit AI erstellt.

Die Darstellung von Menschen mit Demenz in der Öffentlichkeit ist häufig von Defiziten und Verlusten geprägt. Zwei Schweizer Dokumentarfilme setzen hier einen anderen Schwerpunkt: Sie rücken die Würde, die persönliche Autonomie und die verbleibenden Ausdrucksmöglichkeiten der Betroffenen in den Mittelpunkt.

Anstatt Erkrankte auf eine passive Opferrolle zu reduzieren, zeigen die filmischen Arbeiten Wege auf, wie Teilhabe und Selbstbehauptung trotz fortschreitender kognitiver Einschränkungen gelebt werden können.

Individuelle Lebenswege jenseits von Hilflosigkeit

Im Zentrum des Dokumentarfilms «Wenn die Erinnerung verblasst» steht Birgitta Martensson, die frühere Direktorin von Alzheimer Schweiz. Das Filmprojekt begleitete sie über einen Zeitraum von drei Jahren.

Zum Abschluss der Dreharbeiten war Martensson 76 Jahre alt, neun Jahre nach ihrer ursprünglichen Alzheimer-Diagnose. Durch die langjährige Dokumentation wird sichtbar, wie eine ehemals in der Aufklärungs- und Verbandsarbeit führende Persönlichkeit ihre eigene Erkrankung reflektiert und gestaltet.

Einen künstlerischen Ansatz wählt die Dokumentation «Das unendliche Jetzt» von Kaspar Kasic. Der Regisseur begleitet sechs Menschen mit Alzheimer, die an einem Improvisationstheater teilnehmen.

Das Projekt veranschaulicht, dass spontane Kreativität, Humor und emotionale Interaktion auch dann noch möglich sind, wenn das Kurzzeitgedächtnis nachlässt. Beide Filme verdeutlichen, dass das Erleben im gegenwärtigen Moment eine eigene Qualität behält und Menschen mit Demenz nicht auf ihren Betreuungsbedarf begrenzt werden dürfen.

Demografischer Kontext und Erhalt der Persönlichkeit

Die filmische Auseinandersetzung trifft auf eine wachsende gesellschaftliche Relevanz des Thema. Nach Angaben von Fachberichten entfallen 60 bis 65 Prozent aller Demenzfälle auf die Alzheimer-Krankheit.

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Laut der Deutschen Alzheimer Gesellschaft leben in Deutschland rund 1,78 Millionen Menschen mit einer Demenzerkrankung; diese Zahl könnte bis zum Jahr 2050 auf bis zu 2,6 Millionen ansteigen. Einflussfaktoren wie Bewegung, Ernährung, Schlaf sowie soziale und geistige Aktivität können das Erkrankungsrisiko zwar beeinflussen, eine Demenz jedoch nicht sicher verhindern.

Um die individuellen Eigenheiten von Betroffenen auch in fortgeschrittenen Phasen der Pflege zu wahren, gewinnen Instrumente zur emotionalen Vorsorge an Bedeutung. So entwickelte Samira Keshani auf Basis ihrer Masterarbeit aus den Jahren 2019 und 2020 das sogenannte «if-Vorsorgebuch».

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Dieses Dokumentationswerkzeug hält persönliche Vorlieben, bevorzugte Musik, alltägliche Routinen und Essenswünsche fest. Auf diese Weise können Angehörige und Pflegekräfte die Gewohnheiten der Erkrankten berücksichtigen, selbst wenn diese sich im späteren Verlauf nicht mehr selbst artikulieren können.

Vernetzung und Kontinuität in der Betreuung

Neben künstlerischen Impulsen und persönlicher Vorsorge befasst sich auch die Versorgungslandschaft mit dem Anspruch, Menschen mit Demenz ohne Brüche zu begleiten. Auf Fachebene widmet sich unter anderem der 12. St.Galler Demenz-Kongress am 11. November 2026 auf dem Gelände der Olma Messen St.Gallen dieser Aufgabe.

Fachpersonen diskutieren dort über abgestimmte Schnittstellen zwischen ambulanten Diensten, Spitälern und Pflegeinstitutionen, um eine kontinuierliche und würdevolle Unterstützung im Versorgungsnetz sicherzustellen.

Mehr zum Thema bei NZZ: „Demenz und Würde: Schweizer Filme erzählen Geschichte Betroffener“

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