Demenz im Alter: 40% der über 65-Jährigen zeigen Störungen
Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 03:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die medizinische Fachwelt und soziale Institutionen richten ihren Fokus verstärkt auf die Identifikation gesundheitlicher Warnsignale im Alter sowie auf die Steigerung der Lebensqualität durch ganzheitliche Konzepte. Dabei stehen sowohl die klinische Früherkennung von Demenzerkrankungen als auch präventive Lebensstilfaktoren und eine würdevolle Begleitung in der Hospizarbeit im Mittelpunkt der aktuellen Fachdiskussion.
Diagnostik und klinisches Management von kognitiven Störungen
Im klinischen Alltag gewinnt die systematische Erfassung kognitiver Beeinträchtigungen an Bedeutung. Das CaritasKlinikum Saarbrücken setzt im Rahmen des seit drei Jahren laufenden SEBDem-Modellprojekts verstärkt auf Demenz-Screenings, um potenzielle Delir-Risiken frühzeitig zu identifizieren.
Nach Angaben der Klinik weisen rund 40 Prozent der über 65-jährigen Patienten bereits bei der Aufnahme kognitive Störungen auf. Schätzungen zufolge erleidet etwa jeder fünfte Patient über 70 Jahre während eines Krankenhausaufenthalts ein Delir, wobei bis zu 60 Prozent dieser Zustände unerkannt bleiben.
Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, werden spezialisierte Schulungen in den Bereichen Schmerzmanagement, Kommunikation und Sturzprävention durchgeführt.
Parallel dazu treibt die Medizinische Universität Graz die Forschung zur Früherkennung voran. Im Fokus stehen dabei Biomarker in Blut und Liquor sowie die computergestützte Auswertung von MRT-Daten, insbesondere zur Bestimmung des Hippocampus-Volumens.
An der dortigen Gedächtnisambulanz kommen für die Behandlung des frühen Alzheimer-Stadiums bereits Anti-Amyloid-Antikörper wie Lecanemab und Donanemab zum Einsatz. Marisa Koini von der Universität Graz wies darauf hin, dass ein erheblicher Teil des Erkrankungsrisikos durch beeinflussbare Faktoren bedingt sei.
Versorgungspolitik und präventive Infrastruktur
Angesichts steigender Patientenzahlen fordern Patientenvertreter strukturelle Veränderungen. Die Präsidentin des PVÖ, Birgit Gerstorfer, sprach sich für einen Rechtsanspruch auf demenzgerechte Versorgung aus. Dies umfasse spezialisierte Demenzbereiche und österreichweit verbindliche Qualitätsstandards.
Laut dem Österreichischen Demenzbericht 2025 leben derzeit rund 170.000 Menschen mit Demenz in Österreich, eine Zahl, die bis zum Jahr 2050 auf über 290.000 ansteigen könnte.
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In Thüringen zeigen Daten der AOK, dass rund 47.000 Menschen betroffen sind, wobei etwa 86 Prozent der Pflegebedürftigen häuslich versorgt werden. Zur Unterstützung pflegender Angehöriger erprobt die Universität Jena im Projekt „AnDem-RoSe“ psychotherapeutische Angebote.
Auf staatlicher Ebene werden Präventionsangebote zunehmend digital gebündelt. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit stellt über ein Online-Portal über 400 Angebote zur Verfügung. Gesundheitsministerin Gerlach bezeichnete dies als zentrale Anlaufstelle für Maßnahmen von der Bewegung bis zur Suchtprävention.
Auch regionale Initiativen wie der „Aktivtag 65+“ im Landkreis Uelzen, der für den 10. Oktober 2026 geplant ist, fördern durch Workshops zu Kraft- und Gleichgewichtstraining die Gesundheitsvorsorge.
Lebensstil, Medikation und psychosoziale Faktoren
Wissenschaftliche Untersuchungen unterstreichen die Relevanz des Lebensstils. Eine zwölfwöchige Studie der Texas A&M University mit 64 Teilnehmenden zeigte, dass die tägliche Einnahme von 10 Gramm Kreatin die fettfreie Gewebemasse auch ohne zusätzliches Training steigern kann. In Kombination mit Sport und einem Kaloriendefizit erhöhte sich die fettfreie Masse um 1,27 Kilogramm im Vergleich zu 0,14 Kilogramm in der Placebogruppe.
Die Psychologin Jana Nikitin von der Universität Wien betonte zudem die Bedeutung eines positiven Altersbildes. Forschungsergebnisse deuteten darauf hin, dass Menschen mit einer positiven Einstellung zum Altern im Durchschnitt etwa sieben Jahre länger leben.
Eine Auswertung mit über 11.000 Teilnehmenden ergab, dass fast die Hälfte der älteren Personen über einen Zeitraum von zwölf Jahren ihre kognitive und körperliche Verfassung stabilisieren oder verbessern konnte.
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Kritisch beleuchtet eine BMJ-Studie die medikamentöse Versorgung. Eine Auswertung von fast 2,3 Millionen älteren Erwachsenen bestätigte zahlreiche problematische Medikamentenkombinationen. So erhielten etwa 12 Prozent der Nutzer von Eisenpräparaten innerhalb eines Jahres Abführmittel, während rund 11 Prozent der Statin-Nutzer Schmerzmittel verschrieben bekamen.
Ganzheitliche Begleitung und Hospizarbeit
Neben der medizinischen Versorgung rückt die Lebensqualität in der letzten Lebensphase in den Fokus. Der Verein Rollende Engel ermöglicht schwer kranken und bettlägerigen Patienten die Erfüllung letzter Wünsche, sofern eine medizinische Betreuung gewährleistet ist. Auch bürgerschaftliches Engagement spielt eine Rolle: So gründete Andrea Berg den Verein „Andrea Berg hilft e.V.“, um Hospize und pflegende Angehörige finanziell zu unterstützen.
Während neue Versorgungsformen wie die Seniorenolympiade in der Deutschsprachigen Gemeinschaft, die für den Zeitraum vom 21. bis 25. September 2026 initiiert wurde, die soziale Teilhabe fördern, stehen stationäre Einrichtungen vor ökonomischen Herausforderungen.
So wird das Marienhospital Oelde aufgrund sinkender Fallzahlen zum 31. Dezember 2026 schließen, woraufhin das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium die Einrichtung einer Arbeitsgruppe für sektorübergreifende Versorgung anstrebte.
