Demenz-Früherkennung: KI-Tests spüren Gedächtnisprobleme in 11 Minuten auf
Veröffentlicht: 12.07.2026 um 21:42 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die WHO schätzt, dass rund 57 Millionen Menschen betroffen sind – mit jährlich zehn Millionen Neuerkrankungen. Um die Lücke zwischen ersten Symptomen und Diagnose zu schließen, setzen Forscher zunehmend auf digitale Tools und KI.
Online-Test spürt Gedächtnisprobleme auf
Ein vielversprechendes Projekt kommt aus Tschechien. „DigiDiaDem“ – entwickelt von der Charles University und der Akademie der Wissenschaften – bietet einen kostenlosen Online-Test für Menschen über 50. In nur elf Minuten analysiert eine KI Gedächtnis- und Sprachleistungen. Die Ergebnisse werden mit gesunden Vergleichsdaten abgeglichen. Das Projekt läuft noch bis August 2026.
Parallel dazu testet das LMU Klinikum München ein Modell für die Früherkennung vor Ort. Im Projekt „Dare“ bieten 14 Apotheken im Stadtgebiet Gedächtnis-Checks für Menschen ab 60 an. Der Tablet-basierte Test dauert rund 30 Minuten und wurde in den vergangenen elf Monaten von über 160 Teilnehmern genutzt. Ziel: kognitive Einschränkungen erkennen, bevor sie ernst werden.
Sensoren überwachen das Zuhause
Noch einen Schritt weiter gehen kontaktlose Überwachungssysteme. Das KAIST (Korea Advanced Institute of Science and Technology) stellte im Juni 2026 in npj Digital Medicine eine Studie vor. Das System erkennt Hirngefäßerkrankungen in der präklinischen Phase mit 96,5 Prozent Genauigkeit. Als Risiko-Indikatoren dienen unter anderem unregelmäßige nächtliche Aktivitäten zwischen 22 und 2 Uhr sowie eine erhöhte Sitzzeit. Solche Daten könnten Diagnosen Wochen vor schweren Symptomen ermöglichen.
Im High-End-Bereich gibt es den „Kernel Flow“-Helm. Das Gerät misst per Infrarotspektroskopie und EEG die Gehirnaktivität. Der Haken: Es kostet über 110.000 US-Dollar und wird nur in US-Spezialkliniken eingesetzt. Breit nutzbare Daten sind laut Experten erst in etwa einem Jahrzehnt zu erwarten.
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Bluttests liefern Klarheit
Die digitale Diagnostik bekommt Verstärkung aus dem Labor. Seit Juli 2026 sind EU-weit pTau217-Bluttests im klinischen Einsatz. Anbieter wie Roche, Fujirebio und Beckman Coulter versprechen eine Genauigkeit von über 90 Prozent bei der Erkennung von Alzheimer. Die Kosten liegen zwischen 100 und 150 Euro. Problem: Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten noch nicht.
Dabei könnte Früherkennung enorm helfen. Laut der Lancet Commission sind rund 45 Prozent der Demenzfälle durch Lebensstil-Anpassungen vermeidbar. Schon 3.000 Schritte täglich verlangsamen die Ablagerung von Tau-Proteinen im Gehirn, wie Forschung aus 2025 zeigt. Metaanalysen belegen zudem: Regelmäßiges aerobes Training verbessert die kognitive Leistung um bis zu 30 Prozent.
Gehirntraining wirkt – auch Jahrzehnte später
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Dass sich gezieltes Training lohnt, zeigt die „ACTIVE“-Studie aus den 1990er Jahren. Wie Forscher in Alzheimer's & Dementia berichten, hatten Teilnehmer mit speziellem Training der Verarbeitungsgeschwindigkeit auch 20 Jahre später ein um 25 Prozent geringeres Demenzrisiko.
Diese Erkenntnisse treiben die Forschung an. Digitale Tests sollen nicht nur diagnostizieren, sondern auch motivieren – zu mehr kognitivem Training und einem gesünderen Lebensstil. Das Projekt „MeXenz“ der Hochschule Kaiserslautern plant ab 2027 kostengünstige elektrochemische Biosensoren. Ziel: Früherkennung für die breite Bevölkerung.
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