Demenz-Früherkennung, Bluttests

Demenz-Früherkennung: Bluttests steigern Genauigkeit von 65 auf 93 Prozent

Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 19:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Erhöhte p-tau217-Werte hängen mit späteren kognitiven Einschränkungen zusammen; für den Routineeinsatz sind weitere Studien nötig.
Ein gläsernes Reagenzglas mit Blutplasma in einer sterilen klinischen Laborumgebung. Illustration mit AI erstellt.

In der Demenzforschung gewinnen Bluttests als minimalinvasive Methode zur Früherkennung zunehmend an Bedeutung. Eine im Fachjournal JAMA Network Open publizierte Langzeituntersuchung eines Forschungsteams um Aladdin H. Shadyab an der University of California San Diego liefert neue Erkenntnisse zur Aussagekraft des Blutbiomarkers p-tau217. Die Analyse von 2.766 kognitiv gesunden Frauen im Alter zwischen 65 und 79 Jahren, die Ende der 1990er-Jahre im Rahmen zweier klinischer Studien zur oralen Hormontherapie rekrutiert worden waren, belegt einen Zusammenhang zwischen erhöhten Biomarker-Werten zu Studienbeginn und dem späteren Auftreten kognitiver Beeinträchtigungen.

Langzeitbeobachtung über bis zu 25 Jahre

Während der Nachbeobachtungszeit von 1 bis 25 Jahren entwickelten 1.311 Teilnehmerinnen eine leichte kognitive Beeinträchtigung (MCI) oder eine Demenz. Bei der Auswertung der in einer Biobank archivierten Blutproben zeigte sich, dass höhere p-tau217-Ausgangswerte mit einem höheren Risiko für kognitive Einschränkungen assoziiert waren.

Besonders ausgeprägt war dieser Zusammenhang bei Frauen ab 70 Jahren sowie bei Trägerinnen der genetischen Variante APOE-?4. Zudem fiel die Assoziation bei Teilnehmerinnen, die eine Kombinationstherapie aus Östrogen und Progesteron erhalten hatten, deutlicher aus als in der Placebogruppe.

Die Untersuchung legte zudem Unterschiede offen: Weiße Frauen mit höheren p-tau217-Werten wiesen eine höhere Wahrscheinlichkeit für Demenz oder MCI auf als schwarze Frauen. Die Verknüpfung des Biomarkers mit dem Lebensalter erwies sich als präziserer Prädiktor als der Laborwert allein.

Bei Demenzerkrankungen funktionierte dieses Modell für weiße und schwarze Frauen gleichermaßen verlässlich, bei leichten kognitiven Einschränkungen fiel die Vorhersage bei schwarzen Frauen jedoch weniger präzise aus.

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Diagnostische Einordnung über verschiedene Bevölkerungsgruppen

Ergänzende Erkenntnisse liefert eine im Fachblatt JAMA Neurology veröffentlichte Untersuchung der Keck School of Medicine of USC. In einer Kohorte von 15.612 kognitiv unbeeinträchtigten Erwachsenen im Alter von 55 bis 80 Jahren, basierend auf Screening-Daten der AHEAD 3-45-Studien aus 106 Zentren weltweit, identifizierte ein Plasma-%p-tau217-Assay erhöhtes Hirn-Amyloid über verschiedene ethnische Gruppen hinweg zuverlässig.

Auch dort wiesen Träger des APOE-?4-Gens gruppenübergreifend höhere Werte auf. Die Basiswerte lagen bei asiatischen und schwarzen Teilnehmenden niedriger als bei weißen Personen, ebenso fielen sie bei hispanischen Probanden geringer aus als bei nicht-hispanischen Teilnehmenden.

Vorläufig kein Instrument für die Routineanwendung

Trotz der diagnostischen Fortschritte betonen Experten, dass Bluttests bildgebende Hirnscans oder Nervenwasseruntersuchungen in der breiten Praxis noch nicht vollständig ablösen können.

Daten einer schwedischen Real-World-Studie unter Leitung von Sebastian Palmqvist belegen zwar, dass die diagnostische Genauigkeit in der Primärversorgung durch den Einsatz von Bluttests von etwa 65 Prozent auf rund 93 Prozent stieg und bei Spezialisten Werte zwischen 89 und 94 Prozent erreichte.

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Allerdings empfehlen Leitlinien wie jene der Alzheimer's Association, entsprechende Tests gegenwärtig ausschließlich durch medizinisches Fachpersonal bei symptomatischen Patienten einzusetzen und nicht als ungezieltes Screening für symptomfreie Personen zu nutzen.

Auch das Forschungsteam der University of California San Diego hält fest, dass der Biomarkertest derzeit kein Routineinstrument darstellt. Bevor ein breiter Einsatz erfolgt, seien weitere Studien zur praktischen Umsetzung und zu den klinischen Folgen einer sehr frühen Risikoerkennung erforderlich.

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