Demenz: Fast die Hälfte aller Fälle lässt sich verhindern
Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 08:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Geistige Aktivitäten, regelmäßige Bewegung und kontinuierlicher sozialer Austausch können das Gehirn wirksam vor den sichtbaren Folgen altersbedingter Veränderungen schützen. Fachleute betonen, dass eine ausgeprägte kognitive Reserve dazu beiträgt, neuropathologische Schäden im Alter abzufedern und kognitive Funktionen länger aufrechtzuerhalten. Im Vorfeld des Welt-Alzheimertags am 21. September rücken präventive Ansätze verstärkt in den Fokus.
Modifizierbare Faktoren senken das Erkrankungsrisiko
Nach Angaben der Alzheimer Forschung Initiative (AFI) gehen weltweit 45 Prozent aller Demenzerkrankungen auf veränderbare Einflussgrößen zurück. Rein rechnerisch ließe sich somit fast die Hälfte der Demenzfälle verzögern oder verhindern.
Die Lancet-Kommission identifizierte im Jahr 2024 insgesamt 14 modifizierbare Demenz-Risikofaktoren, darunter Übergewicht, hoher Alkoholkonsum, Typ-2-Diabetes sowie Depressionen und soziale Isolation. Allerdings führt Einsamkeit oder eine depressive Erkrankung laut der AFI keineswegs zwangsläufig zu Alzheimer.
Das Universitätsklinikum Freiburg zählt neben geistiger und sozialer Aktivität auch ausreichend Bewegung, Nichtrauchen sowie die konsequente Behandlung von Bluthochdruck und Diabetes zu den entscheidenden Schutzfaktoren. Für Betroffene in frühen Krankheitsstadien stehen an der Freiburger Klinik seit September 2025 zudem neuere Antikörpertherapien mit Donanemab und Lecanemab zur Verfügung.
Geistige Anregung und synaptische Netzwerke
Dass gezielte mentale Betätigung das Gehirn stärkt, untermauern neuere wissenschaftliche Auswertungen. Eine Übersichtsarbeit der Universität Cambridge in der Fachzeitschrift Psychological Medicine bringt das Lesen zum Vergnügen mit einer besseren psychischen Verfassung, gestärkter Empathie und einem geringeren Demenzrisiko in Verbindung. Auch die Teilnahme an organisierten Lesegruppen kann zur Risikominderung beitragen.
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Gleichzeitig wandelt sich das neurologische Verständnis der Erkrankung. Ein Übersichtsartikel von Forschern der Universität Magdeburg und des Leibniz-Instituts für Neurobiologie legt dar, dass Gedächtnisprobleme bei Alzheimer nicht allein auf das Absterben von Nervenzellen zurückzuführen sind.
Häufig sind Synapsen und neuronale Netzwerke bereits vor dem eigentlichen Zelltod beeinträchtigt. Der Ansatz des sogenannten „Circuit Utilisation Framework“ setzt daher auf gezielte kognitive und körperliche Übungen sowie ergänzende Maßnahmen, um verbleibende neuronale Ressourcen bestmöglich zu nutzen.
In der pflegerischen Praxis setzen Einrichtungen hierbei unter anderem auf multimodale Konzepte wie die an der FAU Erlangen-Nürnberg entwickelte MAKS-Therapie, welche motorische, alltagspraktische, kognitive und soziale Bausteine verbindet.
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Hohe Relevanz für Versorgung und Gesellschaft
Die Stärkung kognitiver Ressourcen ist angesichts des demografischen Wandels von wachsender Bedeutung. In Deutschland leben gegenwärtig rund 1,8 Millionen Menschen mit Demenz, wobei die Zahl jährlich um bis zu 40.000 Betroffene zunimmt.
Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft zufolge ist bei den 60-Jährigen jede hundertste Person betroffen, bei den 80-Jährigen jeder Achte und bei Menschen über 90 Jahren mehr als jeder Dritte. Über 100.000 Erkrankte haben das 65. Lebensjahr noch nicht erreicht.
Auch die wirtschaftlichen Belastungen sind beträchtlich. Eine im Journal of Alzheimer's Disease veröffentlichte Studie unter Leitung der Universität Duisburg-Essen beziffert die jährlichen Gesamtkosten für Demenz in hochentwickelten europäischen Ländern auf 221,4 Milliarden Euro, was im Durchschnitt 25.218 Euro je erkrankter Person entspricht.
Der größte Teil dieser Belastung – rund 58 Prozent – entfällt auf die informelle Pflege durch Angehörige, während 42 Prozent auf direkte medizinische und professionelle Pflegeleistungen zurückgehen.
