Demenz-Diagnose, Bluttests

Demenz-Diagnose: Bluttests und Mikroprotein-Atlas revolutionieren Früherkennung

Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 12:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue Zulassungen für Bluttests, ein Mikroprotein-Atlas und Chiles Demenzregister stärken Diagnostik, Forschung und Versorgung weltweit.

Demenzforschung: Bluttests, Mikroproteine und Datennetzwerke
Ein klinisches Labor mit automatisierten Analysegeräten im Hintergrund und einer leeren, glatten Edelstahlarbeitsfläche im Vordergrund. Illustration mit AI erstellt.

Die Erfassung neurodegenerativer Erkrankungen steht vor einem grundlegenden Wandel. Weltweit sind nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) rund 57 Millionen Menschen von Demenz betroffen, jährlich kommen etwa 10 Millionen Neufälle hinzu.

Auf die Alzheimer-Krankheit entfallen dabei 60 bis 70 Prozent der Diagnosen. Um den steigenden Anforderungen in Versorgung und Forschung zu begegnen, treiben internationale Einrichtungen und Unternehmen sowohl labordiagnostische Verfahren als auch multizentrische Datennetzwerke voran.

Fortschritte bei blutbasierten Biomarkern

In der Routinediagnostik gewinnen blutbasierte Tests zunehmend an Bedeutung, da sie im Vergleich zu invasiven Liquorpunktionen oder aufwendiger Bildgebung leichter zugänglich sind. Das Diagnostikunternehmen Fujirebio hat für seine Tests Lumipulse G NfL Blood und Lumipulse G pTau 217 Plasma auf der Plattform LUMIPULSE G die Marktzulassung der brasilianischen Gesundheitsbehörde ANVISA erhalten.

Der Test pTau 217 Plasma zielt auf den Nachweis von Alzheimer-Amyloidpathologie bei Personen ab 50 Jahren ab, während der NfL-Test neuro-axonale Schädigungen in Serum und Plasma erfasst.

Den Zulassungen in Südamerika gingen CE-gekennzeichnete In-vitro-Diagnostik-Zulassungen voraus, Anfang September 2026 folgte zudem eine MDL-Klasse-II-Zulassung durch Health Canada. Nach Angaben des Unternehmens unter der Leitung von Christiaan De Wilde, Geschäftsführer von Fujirebio Europe, bauen die Tests auf einer bereits etablierten vollautomatisierten Laborplattform auf.

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Molekulare Kartierung im Gehirn

Parallel zur Markerentwicklung liefert die Grundlagenforschung tiefere Einblicke in molekulare Krankheitsmechanismen. Forschende des Salk Institute haben in der Fachzeitschrift Nature Aging den ersten Mikroprotein-Atlas des menschlichen Frontalcortex mit und ohne Alzheimer-Befund vorgelegt. Anhand von 480 Proben aus der ROSMAP-Kohorte identifizierte und bestätigte das Team 1.067 bisher uncharakterisierte Mikroproteine mittels Massenspektrometrie.

Hunderte dieser Mikroproteine zeigten eine veränderte Expression bei erkrankten Personen. Ein spezifisches Mikroprotein brachten die Wissenschaftler direkt mit Funktionsstörungen der Mikroglia in Verbindung: Die gezielte Entfernung des entsprechenden Gens führte in Experimenten zu Schädigungen der Mitochondrien. Die Forschungsarbeit wurde von den US-amerikanischen National Institutes of Health (NIH) sowie privaten Stiftungen gefördert.

Vernetzung klinischer Daten

Neben Laborparametern rückt die flächendeckende Dokumentation in den Fokus der Gesundheitssysteme. In Chile entstand mit REMEMVER die erste landesweite klinische Datennetzwerk-Plattform für Demenzerkrankungen, die im Juli 2026 auf der Alzheimer’s Association International Conference (AAIC) in London vorgestellt wurde. Das 2025 von der Alzheimer's Association geförderte Netzwerk verknüpft sieben öffentliche Kliniken in fünf Regionen von Santiago bis Chiloé.

Die Initiative adressiert erhebliche Versorgungsdiskrepanzen: Gemäß dem nationalen chilenischen Demenzplan (Plan Nacional de Demencia 2025–2035) leben im Land rund 200.000 Demenzkranke.

Während die durchschnittliche Prävalenz bei Personen über 60 Jahren bei etwa 7 Prozent liegt, weist die ländliche Bevölkerung mit 10,3 Prozent einen deutlich höheren Anteil auf als der städtische Raum mit 6,3 Prozent.

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Hohe Krankheitslast belegt Handlungsbedarf

Die Dringlichkeit verbesserter Früherkennung spiegelt sich auch in europäischen Gesundheitsdaten wider. Das Robert Koch-Institut (RKI) ermittelte in seinen Berechnungen zur Krankheitslast in Deutschland für die Jahre 2017 bis 2022 nach der Methodik der Global Burden of Disease, dass Alzheimer und andere Demenzen zu den fünf Hauptursachen für verlorene Lebensjahre (YLL) gehören – neben koronarer Herzkrankheit, Lungenkrebs, Schlaganfall und COPD.

RKI-Präsident Lars Schaade bezeichnete die regional und demografisch aufgeschlüsselten Krankheitslastdaten als wesentliche Grundlage für künftige Präventions- und Versorgungsstrategien.

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