Demenz: Bis zu 45% des Risikos durch Bewegung und soziale Kontakte senken
Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 10:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Schere zwischen Lebenserwartung und gesunden Jahren wird weltweit größer. Medizinische Fortschritte schieben das Sterbealter nach oben – doch die Zeit mit chronischen Leiden steigt noch schneller.
Laut einer Studie des Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME) in The Lancet Public Health stieg die globale Lebenserwartung zwischen 1990 und 2023 von 64,6 auf 73,8 Jahre. Die gesunde Lebenserwartung kletterte im selben Zeitraum nur von 55,9 auf 63,1 Jahre. Die sogenannte Morbiditätslücke wuchs von 8,8 auf 10,7 Jahre.
Menschen verbringen heute rund 14,5 Prozent ihres Lebens in schlechter Gesundheit. Besonders krass ist die Kluft in Industrienationen: In den USA liegt sie bei 14 Jahren, in Australien bei 13,9 und in Kanada bei 13,7 Jahren.
Frauen kränker, Männer sterben früher
Der Geschlechterunterschied bleibt bestehen. Frauen lebten 2023 im Schnitt 12,1 Jahre mit gesundheitlichen Einschränkungen, Männer nur 9,3 Jahre. Dafür sterben Männer früher.
Die Haupttreiber der verlängerten Morbidität? Muskel-Skelett-Erkrankungen wie Rückenschmerzen, psychische Störungen und Sinnesbeeinträchtigungen – vor allem Hörverlust. Auch Stürze im Alter belasten die Statistik massiv.
Lebensstil als Risikofaktor
Die gute Nachricht: Bis zu 45 Prozent des Demenzrisikos lassen sich durch beeinflussbare Faktoren senken – Bewegung, geistige Aktivitäten und soziale Kontakte wirken präventiv. Auch die frühzeitige Behandlung von Hörverlust schützt vor kognitivem Abbau. Jetzt kostenlosen Präventionsleitfaden anfordern
Hoher Blutzucker, Übergewicht, Rauchen und Mangelernährung – das sind die zentralen Risikofaktoren. Studien der Washington University School of Medicine zeigen zudem: Bei Geburtskohorten der 1990er-Jahre klafft eine wachsende Lücke zwischen chronologischem und biologischem Alter. Die Folge: ein höheres Risiko für früh auftretende Krebserkrankungen. Die Experten machen Adipositas, Bewegungsmangel und schlechten Schlaf dafür verantwortlich.
Demenz als Zeitbombe
Die kognitive Gesundheit wird zum teuersten Gesundheitsproblem. Die WHO schätzt, dass weltweit 57 Millionen Menschen mit Demenz leben. Prognosen für die Schweiz erwarten ab 2030 einen starken Anstieg der Pflegebedürftigkeit. Über 40 Prozent der über 90-Jährigen sind von Demenz betroffen.
Doch es gibt Hoffnung: Bis zu 45 Prozent des Demenzrisikos lassen sich durch beeinflussbare Faktoren senken. Bewegung, geistige Aktivitäten und soziale Kontakte wirken präventiv. Auch die frühzeitige Behandlung von Hörverlust mit Hörgeräten schützt vor kognitivem Abbau. Nahrungsergänzungsmittel ohne nachgewiesenen Mangel? Bringen nichts.
Milliarden für die Gesundheit
Einsamkeit wird zum wachsenden Risikofaktor für Pflegebedürftigkeit – doch Sie können aktiv gegensteuern. Soziale Kontakte und regelmäßige Bewegung senken nachweislich das Demenzrisiko. Dieser Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie beides in Ihren Alltag integrieren. Soziale Kontakte & Bewegung – Leitfaden sichern
Die Alterung der Gesellschaft schlägt sich direkt in den Gesundheitsbudgets nieder. Das Statistische Bundesamt meldete für 2024 deutsche Gesundheitsausgaben von 538,2 Milliarden Euro – ein reales Plus von 3,9 Prozent. Die soziale Pflegeversicherung legte um 11,3 Prozent auf 64,7 Milliarden Euro zu.
Der Forscher François Höpflinger betont: Neben medizinischen Faktoren spielt Einsamkeit eine wachsende Rolle bei der Nachfrage nach Langzeitpflege. Angesichts der prognostizierten Massensteigerung bei Pflegebedürftigen rücken Prävention und gesunde Lebensführung ins Zentrum der Gesundheitspolitik.
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