Demenz-Biomarker, Diagnose

Demenz-Biomarker: p-tau217 ermöglicht frühe Diagnose bei Frauen

Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 03:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien zeigen veränderbare Demenzrisiken, Fortschritte bei Bluttests und neue Versorgungsmodelle, doch viele Zusammenhänge bleiben ungeklärt.

Demenzforschung: Neue Ansätze bei Prävention und Früherkennung
Ein heller, minimalistisch eingerichteter Raum mit einem Holztisch, auf dem frisches Obst und Gemüse liegen, vor einem Gartenblick. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen verdeutlichen den Einfluss von Zweisprachigkeit auf die kognitive Reserve und identifizieren spezifische Biomarker für eine frühzeitige Diagnose bei Frauen. Parallel dazu rücken potenzielle präventive Effekte von Gürtelrose-Impfungen sowie die Identifikation modifizierbarer Risikofaktoren in den Fokus der medizinischen Forschung, um die steigende Zahl von Demenzerkrankungen weltweit zu adressieren.

Modifizierbare Risikofaktoren und Lebensstil

Die Alzheimer Forschung Initiative e.V. verweist auf Erkenntnisse der Lancet Commission aus dem Jahr 2024, wonach 14 modifizierbare Risikofaktoren identifiziert wurden. Demnach ließen sich weltweit rund 45 % der Demenzfälle theoretisch verzögern oder sogar verhindern. Zu den zentralen Faktoren zählen unter anderem unbehandelte Schwerhörigkeit sowie Sehverlust. Ein Erhalt der Hör- und Sehfähigkeit könne das Gehirn maßgeblich schützen.

Ergänzende Daten einer JAMA-Neurology-Studie heben die Bedeutung spezifischer Gewohnheiten hervor. Laut Veröffentlichungen im British Journal of Sports Medicine aus dem Jahr 2024 senke eine körperliche Aktivität von 150 Minuten pro Woche das Demenzrisiko um bis zu 40 %.

Auch kognitives Training und die Einhaltung der sogenannten MIND-Diät werden als wirkungsvoll beschrieben; beide Maßnahmen könnten das Risiko um jeweils bis zu 25 % reduzieren. Als weitere präventive Maßnahmen gelten das Nichtrauchen sowie ein moderater Alkoholkonsum, der bei Frauen ein Getränk und bei Männern zwei Getränke pro Tag nicht überschreiten sollte.

Fortschritte in der Diagnostik und Pharmakologie

In der klinischen Diagnostik gewinnen Blut-Biomarker an Bedeutung. Prof. Paolo Maria Rossini vom IRCCS San Raffaele erklärte, dass sich der Biomarker p-tau217 der klinischen Praxis nähere. Allerdings erlaube dieser derzeit noch keine individuelle Prognose über den Krankheitsverlauf.

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Im Bereich der medikamentösen Therapie nannte Rossini die Anti-Amyloid-Antikörper Lecanemab und Donanemab. Diese setzten erstmals direkt am Krankheitsmechanismus an, stellten jedoch keine Heilung dar und bergen das Risiko für Nebenwirkungen wie ARIA (Amyloid-related imaging abnormalities).

Die INTERCEPTOR-Studie, unterstützt durch das italienische Gesundheitsministerium, untersucht zudem den Einsatz von Algorithmen. Diese sollen in der Lage sein, die Progression einer Demenz aus einer leichten kognitiven Beeinträchtigung (MCI) innerhalb von drei Jahren vorherzusagen.

Ein Review unter der Leitung von Giulio Superti-Furga am CeMM befasste sich zudem mit 464 SLC-Transportproteinen beim Menschen. Während erste Wirkstoffe gegen Epilepsie oder chronische Schmerzen in der Entwicklung sind, stehe für Alzheimer und Parkinson noch keine nachgewiesene Therapie auf dieser Basis zur Verfügung.

Physiologische Zusammenhänge und systemische Gesundheit

Studien der Universität Lüttich untersuchten den Zusammenhang zwischen Schlafqualität und Alzheimer-Risiko. Bei älteren Probanden mit höherem genetischem Risiko wurden häufige kurze Aufwachreaktionen ohne erhöhten Muskeltonus beobachtet, die mit stärkeren kognitiven Einbußen über einen Zeitraum von bis zu sieben Jahren korrelierten.

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Auch die systemische Gesundheit spielt eine Rolle. Eine Beobachtungsstudie auf Basis dänischer Gesundheitsregister zeigt, dass die Einnahme von Statinen innerhalb des ersten Jahres nach einer Typ-2-Diabetes-Diagnose mit einem um 15 % niedrigeren Demenzrisiko über zehn Jahre assoziiert ist.

Zudem weist eine Cochrane-Auswertung auf den Zusammenhang zwischen Mundgesundheit und gesundem Altern hin. Eine systematische Parodontitistherapie könne demnach den HbA1c-Wert bei Diabetes-Patienten senken. Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Parodontitis und Demenz ist jedoch noch nicht bewiesen.

Psychosoziale Aspekte und Versorgungsstrukturen

Neben der medizinischen Forschung gewinnen psychosoziale Konzepte an Bedeutung. Prof. Pauline Boss prägte bereits in den 1970er Jahren den Begriff des uneindeutigen Verlusts („Ambiguous loss“), um den Zustand zu beschreiben, in dem Betroffene physisch anwesend, aber kognitiv nicht mehr erreichbar sind.

Prof. Anette Kersting von der Universität Leipzig und die Trauerexpertin Chris Paul beschreiben diesen Prozess als eine Serie kleiner Verluste, die einen klassischen Abschied erschweren.

In der praktischen Versorgung etablieren sich zunehmend alternative Wohnformen. Ein Beispiel ist das „Kölner Modell“ einer Demenz-WG am Stammheimer Ufer, die als GbR geführt wird und seit Januar 2025 mit den Krankenpflegediensten Köln kooperiert.

Solche Konzepte zielen darauf ab, den Bewohnern ein weitgehend selbstbestimmtes Leben in einem geschützten Rahmen zu ermöglichen. Zudem informieren Kommunen verstärkt über Prävention, etwa im Rahmen der Bayerischen Demenzwoche oder spezieller Themenwochen in Niedersachsen.

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