Demenz-App schlägt Kliniktests: Smartphone erkennt kognitiven Abbau früher
12.06.2026 - 21:02:48 | boerse-global.de
Forscher haben gleich mehrere nicht-invasive Verfahren entwickelt, um Demenz, Übermüdung und kognitive Defizite frühzeitig zu erkennen. Die Methoden reichen von Speichelanalysen bis zu Smartphone-Tests.
Speichel verrät akuten Schlafmangel
Ein Team der Universität Zürich hat zehn Biomarker im Speichel identifiziert, die akuten Schlafmangel nachweisen. Die Studie erschien am 6. Mai im Journal of Proteome Research.
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20 junge Männer durchliefen verschiedene Schlafszenarien – darunter eine komplette Nacht ohne Schlaf und Phasen mit stark reduzierter Ruhezeit. Die Analyse per Massenspektrometrie und maschinellem Lernen zeigte: Rund zehn Prozent aller messbaren Biomoleküle im Speichel verändern sich bei Schlafentzug.
Akute Übermüdung ließ sich klar erkennen. Bei chronischem Schlafmangel fiel die Abgrenzung schwerer. Langfristig wollen die Forscher einen Schnelltest entwickeln – etwa für die Verkehrssicherheit oder bei Unfallermittlungen. Eine Feldstudie im Schichtbetrieb soll die Ergebnisse im Alltag validieren.
App erkennt Demenz früher als Kliniktests
Neben biochemischen Markern setzen Wissenschaftler auf digitale Verfahren. Eine Studie in npj digital medicine vom 10. Juni untersuchte die Gedächtnistest-App „neotiv“. 202 Erwachsene über 52 Jahre nahmen teil.
Die Smartphone-Anwendung erfasste subtile kognitive Verschlechterungen bei beginnender Demenz präziser als herkömmliche Kliniktests. Die App spricht gezielt verschiedene Hirnregionen an und ermöglicht häufige Messungen zu Hause.
73 Prozent der Probanden waren nach 30 Wochen noch aktiv dabei. Die kontinuierliche Datenerhebung könnte kognitive Veränderungen schneller sichtbar machen und Therapiestudien effizienter gestalten.
Bluttest erkennt Alzheimer Jahre früher
Ein weiterer Durchbruch kommt aus den USA. Eine Studie von Harvard und dem Mass General Brigham – veröffentlicht am 14. April in Nature Communications – belegt die Wirksamkeit eines Bluttests auf das Protein pTau217.
Das Verfahren erkennt Alzheimer-typische Veränderungen im Gehirn bereits Jahre vor PET-Scans. Die FDA hat den Test bereits zugelassen. Die positive Bestätigungsrate liegt bei 91,7 Prozent, die negative bei 97,3 Prozent.
Niedriger Blutdruck als Risikofaktor
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Eine groß angelegte Analyse der UK Biobank und des „All of Us“-Programms liefert neue Erkenntnisse zu Risikofaktoren. Die Studie im Journal of the American Heart Association wertete Daten von 800.000 Erwachsenen aus.
Ergebnis: Niedriger Blutdruck erhöht das Alzheimer-Risiko um das Zwei- bis Dreifache. Damit könnte Hypotonie statistisch relevanter sein als Bluthochdruck oder Schlaganfälle.
Parallel identifizierten weitere Forschungen 74 Genpositionen für Angstzustände sowie spezifische Darmbakterien-Marker, die mit kognitivem Abbau in Verbindung stehen könnten.
