Demenz: 45 Prozent des Risikos durch Lebensstil vermeidbar
Veröffentlicht am: 20.07.2026 um 18:40 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Sowohl das soziale Umfeld als auch der persönliche Lebensstil beeinflussen das Erkrankungsrisiko maßgeblich.
Partner von Demenzkranken tragen erhöhtes Risiko
Eine taiwanesische Kohortenstudie in JAMA Network Open hat einen bemerkenswerten Zusammenhang entdeckt. Ehepartner von Demenzkranken entwickeln unter bestimmten Umständen selbst häufiger eine kognitive Beeinträchtigung.
Die Forscher um Shi-Heng Wang vom National Center for Geriatrics and Welfare Research in Yunlin betonen: Die Assoziation hängt stark vom familiären und sozioökonomischen Kontext ab. Mögliche Ursachen sind gemeinsame Lebensstile, ähnliche Umweltbelastungen oder die Belastung durch die Pflege des Partners.
WHO: 45 Prozent der Demenzfälle vermeidbar
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat im Juli 2026 die zweite Ausgabe ihrer Leitlinien zur Risikominderung veröffentlicht. Die Kernbotschaft: Bis zu 45 Prozent des Demenzrisikos sind durch modifizierbare Faktoren beeinflussbar.
Die zentralen Empfehlungen der WHO:
- Bewegung: Mindestens 150 Minuten moderate oder 75 Minuten intensive Aktivität pro Woche. Eine Metaanalyse aus 2025 zeigt: Bereits 7.000 Schritte täglich senken das Risiko für Demenz, Krebs und Diabetes.
- Gesundheitsmanagement: Konsequente Behandlung von Bluthochdruck und Diabetes. Verzicht auf Tabak.
- Lebensstil: Soziale Teilhabe, kognitive Stimulation und gesunde Ernährung wirken präventiv.
- Supplemente: Von Vitamin- oder Omega-3-Präparaten ohne nachgewiesenen Mangel raten die Experten ab.
Medikamente zeigen überraschende Wirkung
Die klinische Forschung liefert neue Ansätze. Eine Analyse in JAMA Network Open zeigt: Bestimmte Antidiabetika könnten das Alzheimer-Risiko deutlich senken. SGLT2-Inhibitoren reduzierten das Risiko um 43 Prozent, GLP-1-Rezeptoragonisten um 33 Prozent. Das ist besonders relevant, da Typ-2-Diabetes das Alzheimer-Risiko um etwa 50 Prozent steigert.
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Auch bei der Früherkennung gibt es Fortschritte. Das KI-System „NITROGEN“ der Texas A&M University nutzt Daten zur kortikalen Dicke, zum Alter und zum APOE-Genotyp von rund 10.000 Patienten. Es sagt Alzheimer bis zu sieben Jahre vor Symptombeginn mit über 92 Prozent Genauigkeit vorher.
Roche hat zudem die Phase-III-Studie PrevenTRON gestartet. Der Antikörper Trontinemab wird an 1.600 Teilnehmern ab 55 Jahren getestet, die erhöhte Werte des Biomarkers p-tau217 im Blut aufweisen – aber noch keine Gedächtnisprobleme haben.
Demografischer Wandel verschärft die Lage
Die Zahlen verdeutlichen die Dringlichkeit der Forschung. 2021 lebten weltweit rund 57 Millionen Menschen mit Demenz, jährlich kommen etwa 10 Millionen Neudiagnosen hinzu. Die Kosten belaufen sich auf 1.134 Milliarden Euro pro Jahr.
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In Deutschland spitzt sich die Situation zu. Die Babyboomer erreichen das 65. Lebensjahr, die Bevölkerungszahl sank Ende 2025 auf etwa 83,5 Millionen. Die Geburtenrate liegt bei 1,35 Kindern pro Frau.
Besonders problematisch: In der Altersgruppe über 65 lebt bereits jeder Dritte allein, bei den über 85-Jährigen ist es mehr als die Hälfte. Experten wie der Neurologe Wenzel Glanz vom Universitätsklinikum Magdeburg fordern daher eine „sorgende Gemeinschaft“. Konkrete Hilfssysteme wie ein Demenz-Notruf sollen der zunehmenden Vereinsamung und dem steigenden Pflegebedarf begegnen.
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